Happy News

20 Dinge, die dieses Jahr richtig gut gelaufen sind

Text: Sandra Huwiler; Bild: Stocksy

Der Rückblick auf 2020 ist im ersten Moment kein einfacher – zu dominant sind die schwierigen Themen, die das Jahr überschatten. Doch es ist auch viel Erfreuliches, Berührendes und Fortschrittliches passiert. Hier sind unsere zwanzig liebsten Good News.

  • Gratis Tampons und Binden in Schottland

Das schottische Parlament hat im Februar beschlossen, Menstruationsprodukte gratis zugänglich zu machen. Seit November liegen Tampons und Binden kostenfrei in öffentlichen Einrichtungen wie Stadtzentren, Apotheken oder Jugendclubs aus. Für die Initiatorin des Gesetzes, Labour-Abgeordnete Monica Lennon, ist der Beschluss «ein Meilenstein für die Normalisierung der Menstruation in Schottland.»

 

  • Harvey Weinstein muss ins Gefängnis

Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein fiel Anfang Jahr ein aussagekräftiges Urteil: 23 Jahre Haft. Gut zwei Jahre nach den ersten Beschuldigungen und dem Beginn von #MeToo wurde Weinstein der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung schuldig gesprochen. Mehr als 80 Schauspielerinnen und ehemalige Angestellte klagten gegen Weinstein – darunter Hollywood-Stars wie Salma Hayek, Rose McGowan, Lupita Nyong’o und Gwyneth Paltrow.

 

  • Weltweit eine Premiere: Gratis ÖV in Luxemburg

Für Bus, Tram und Bahn braucht man in Luxemburg ab sofort kein Billet mehr: Als erstes Land der Welt entschied Luxemburg Ende Februar, alle öffentlichen Verkehrsmittel gratis anzubieten. Das Gratis-Angebot soll die Bevölkerung zum Umsteigen vom Auto auf den ÖV bewegen und ist Teil eines grossen Konzepts zur Verkehrswende in Luxemburg. Zusätzlich sollen Bus- und Bahnlinien massiv ausgebaut werden.

  • Klares Wasser und klare Luft dank Lockdown

Die Natur erholte sich während des Lockdowns zumindest temporär von den menschenverursachten Belastungen und eroberte sich Räume zurück, die sonst von Menschen beansprucht werden. In Venedig sah man glasklare Kanäle, Delfine tummelten sich in sardinischen Häfen, Kojoten zogen durch San Francisco, Hirsche wurden in Paris gesichtet und in Londons Parks hatte es plötzlich Pelikane. Zudem sank die Feinstaubbelastung in Grossstädten von Neu-Delhi bis São Paulo drastisch.

 

  • Solidarität während dem Lockdown

Nur eines der vielen Beispiele: Der Guineer Amine Conde hat kein Bleiberecht in der Schweiz – und gründete während des Lockdowns im März die Hilfsaktion «Essen für Alle». Er verteilte zusammen mit Helferinnen und Helfern Care-Pakete an Menschen, die auf gespendete Nahrungsmittel angewiesen waren – sei es, weil das Einkommen wegfiel oder Suppenküchen plötzlich geschlossen waren. Die Hilfsaktion geht weiter: Seit dem Sommer übernimmt das Sozialwerk Pfarrer Sieber die Lebensmittelabgabe für Bedürftige. Amine Conde bleibt dem Projekt aber weiter erhalten.

  • Rollator-Spendenlauf mit Rekord und Ritterschlag

Bis zu seinem 100. Geburtstag im April plante der Brite Captain Tom Moore für den britischen Gesundheitsdienst 1000 Pfund zu sammeln , indem er seinen Garten 100 Mal mit dem Rollator umrunden wollte. Am Ende kamen rund 33 Millionen Pfund zusammen. Doch damit nicht genug: Im Juli wurde der Veteran von der Queen zum Ritter geschlagen – einer der wenigen Termine, welche die Queen während der Corona-Pandemie durchführte. Mittlerweile ist der Hundertjährige auch Podcast-Host im Rahmen der «Donate your words»-Kampagne gegen Einsamkeit im Alter. «Wir haben grossartige Geschichten auf Lager, die nur darauf warten, erzählt zu werden», so Moore.

 

  • Erste Sportchefin eines männlichen Eishockey-Clubs

Mitte April übernahm die ehemalige Eishockey-Nationalspielerin Florence Schelling als erste Frau das Amt der Sportchefin des Eishockey-Clubs Bern. Damit ist sie nicht nur beim SCB, sondern weltweit die erste Frau in diesem Amt.

 

  • Zeit, den Modekalender zurückzusetzen

Eine von Designer Dries van Noten initiierte Gruppe von mehr als vierzig Labels forderte im Frühjahr in einem offenen Brief eine Erneuerung der Modebranche. Demnach sollen Kollektionen den Jahreszeiten angepasst und erst dann verkauft werden, wenn sie auch getragen werden, und die Preise für die Kollektionen sollen erst Ende Saison gesenkt werden, um mehr Verkäufe zum vollen Preis zu ermöglichen. Die coronabedingte Krise solle so auch die Chance für einen Wandel bieten, das Gewerbe ökologischer und sozial nachhaltiger zu machen.

 

  • Tausende Demonstranten für «Black Lives Matter» 

Mehrere Tausend Menschen gingen im Sommer aus Protest gegen Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Schwarze auf die Strasse – auf der ganzen Welt, und auch in Zürich, Genf, Bern und anderen Schweizer Städten. Dies aus Solidarität mit den Opfern von Polizeigewalt in den USA, aber auch um strukturellen Rassismus in der Schweiz anzuprangern.

 

  • Retter der Española-Riesenschildkröten wird pensioniert

Die Española-Riesenschildkröte Diego geht mit 100 Jahren in den Ruhestand. Diego ist verantwortlich für rund vierzig Prozent der Population auf der Insel und somit massgeblich beteiligt an der Rettung seiner Art. Nun wurde er nach Jahrzehnten im Zuchtprogramm in die Freiheit entlassen und kehrte zurück auf seine Geburtsinsel Española im Galapagos-Archipel. Die Española-Riesenschildkröten sind eine von aktuell noch zwölf Unterarten der Galapagos-Riesenschildkröten.

 

  • Sydney stellt auf Ökostrom um

Der gesamte Betrieb in Sydney, von Strassenbeleuchtung über Schwimmbäder bis zum historischen Rathaus, wird seit diesem Sommer zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Dreiviertel des Stroms der Stadt wird aus Windenergie und ein Viertel aus Solarenergie gewonnen.

 

  • Italiens ältester Student schliesst mit 96 Jahren sein Studium ab

Es ist nie zu spät: Mit 96 Jahren schliesst Giuseppe Paternò als ältester Universitätsabsolvent Italiens sein Studium an der philosophischen Fakultät der Universtät von Palermo. Als Jahrgangsbester, übrigens.

  • Weibliche Genitalverstümmelung wird im Sudan verboten

Laut UN-Angaben sind fast neunzig Prozent der sudanesischen Frauen genital verstümmelt. Im Juli hat die höchste Macht im Sudan ein Gesetz angenommen, dass die weibliche Genitalverstümmelung verbietet. «Genitalbeschneidung untergräbt die Würde der Frauen», erklärte das Parlament bereits im Mai nach Verabschiedung des Gesetzes. Zuwiderhandlungen werden mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft, führen Kliniken den Eingriff durch, werden sie geschlossen.

 

  • Projekt zur Benennung und Verhinderung von Femiziden gestartet

Das Schweizer Rechercheprojekt «Stop Femizid» fordert, Femizide als solche zu benennen. «Wenn ein Problem keinen Namen trägt, wird es nicht angegangen», erklärt Projektinitiantin Nadia Brügger. Die Literaturwissenschaftlerin wird unterstützt von der Datenjournalistin Sylke Gruhnwald und der Infografikerin Pauline Martinet. Sie wollen mehr Bewusstsein schaffen für Femizide – durch Dokumentation, Recherche und Aufklärung – und haben einen Medienguide erarbeitet, wie über Femizide berichtet werden soll.

 

  • Weibliche Fussball-Nationalmannschaft Brasiliens gleichbezahlt wie männliche

Im September gab der brasilianische Fussballverband bekannt, Spielerinnen und Spieler würden ab sofort bei Spesen und Prämien dieselben Beträge erhalten. Brasilien ist damit das siebte von 159 Ländern, welches diesen Schritt Richtung Gleichbehandlung und Gleichberechtigung geht. Vorreiter waren zuvor Australien, England, Fiji, Finnland, Neuseeland und Norwegen.

 

  • Mehr Nachhaltigkeit in der Mode

Aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Fashion Weeks im Herbst dieses Jahr komplett anders statt als bisher. Die meisten Modehäuser entschieden sich für digitale Inszenierungen. Das schwierige Jahr bot für Designerinnen und Designer aber auch die Chance umzudenken. So bestand die Pre-Summer-2021-Kollektion von Balenciaga zu über neunzig Prozent aus nachhaltigen oder Recycling-Materialien. Zudem sind viele der gezeigten Outfits unisex, was die Umweltauswirkungen der Produktion ebenfalls vermindern soll.

  • Kamala Harris wird erste weibliche Vice President in den USA

Donald Trump wurde im November abgewählt. Diese Nachricht an sich zählt natürlich schon zu den besten des Jahres. Gleichzeitig wurde Kamala Harris zur Vizepräsidentin der USA gewählt – als erste Frau und erste Person of Color. Damit schreibt sie Geschichte und die Wahl des Duos Biden-Harris bringt hoffentlich den langersehnten Kurswechsel in den USA mit sich. Ihre Personalauswahl für die Spitzenpositionen ist schonmal ausschliesslich weiblich und fast ausschliesslich of Color.

 

  • Historisch hoher Frauenanteil im Berner Stadtparlament

Das Stadtparlament in Bern schreibt mit fast 70 Prozent Frauenanteil Geschichte. Das ist Rekord. «Einen Frauenrutsch hat es in diesem Ausmass noch nie gegeben», sagte Politologe Claude Longchamp zu «Watson».

 

  • Erste Schiedsrichterin in einem Champions-League-Spiel

Stephanie Frappart war Anfang Dezember die erste Frau, die als Schiedsrichterin ein Spiel der Fussball-Champions-League geleitet hat, und zwar mit Bravour. Die 36-jährige Französin pfiff zuvor bereits das Endspiel im europäischen Supercup – ebenfalls eine Premiere. Sie begann ihre Karriere als Schiedsrichterin im französischen Frauenfussball und legt seither eine kometenhafte Karriere hin. «Ich hoffe, als Vorbild zu dienen für weibliche Schiedsrichter und all die jungen Mädchen, die Schiedsrichterin werden möchten», so Frappart.

 

  • «Ehe für alle»: National- und Ständerat sagen Ja

Nach sieben Jahren hat der Ständerat im Dezember Ja gesagt zur «Ehe für alle» und sorgt so für die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, nachdem der Nationalrat bereits im Juni dafür gestimmt hatte. Letzte Unklarheiten werden ebenfalls aus dem Weg geräumt: Verheiratete lesbische Paare erhalten künftig Zugang zur Samenspende.

Sandra Huwiler ,
Beauty-Praktikantin
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