Das neue Heft ist da: Barbara Loop über Erfolg
Ab heute liegt die neue Ausgabe der annabelle am Kiosk. Lest hier das Editorial von Chefredaktorin Barbara Loop.
- Von: Barbara Loop
- Cover: Aitor Sola; Collage: annabelle
In einem hektischen Moment sagte mir einmal eine weise Frau: «Sei diszipliniert, sei engagiert – aber vergiss auf gar keinen Fall, die Erfolge zu feiern.»
Ich musste an diesen Satz denken am Abend des 16. Septembers, als ich – nach sieben Jahren Pause – das Publikum zur annabelle Soirée im Kunsthaus Zürich begrüsste.
«Was ist Erfolg?», lautete das Thema des Abends. Auf der Bühne diskutierten die Entwicklungs psychologin Pasqualina Perrig, SRF-Moderatorin Mona Vetsch, der ehemalige Treasury Manager und heutige Primarlehrer Valentin Müller und die Unternehmerin Yaël Meier.
Ich misstraue Menschen, die sich als erfolgreich bezeichnen. Eine sehr schweizerische Eigenschaft. Wie sympathisch wirkte Mona Vetsch, die sagte, sie staune selber über ihre Karriere. Ihr flogen die Her zen zu. Yaël Meier hingegen sprach offen über ihren Erfolg, und es war schwer auszuhalten.
"Warum misstrauen wir erfolgreichen Frauen, während wir uns gleichzeitig mehr weibliche Vorbilder wünschen?"
«In der Schweiz ist es für junge Frauen einfacher, erfolgreich zu werden, als es zu sein», sagte sie. Ich musste ihr Recht geben und viele aus dem Publikum stimmten zu. Warum misstrauen wir erfolgreichen Frauen, während wir uns gleichzeitig mehr weibliche Vorbilder wünschen? Warum bloss fällt es uns so schwer, Frauen zu feiern, die sich selbst feiern?
Also feiere ich das fulminante Comeback der annabelle Soirée, die gekonnte Moderation von annabelle-Redaktorin Helene Aecherli und das annabelle-Team, das diesen Abend auf die Beine gestellt hat. Ich feiere unseren Erfolg.
Und das Publikum! Rund 400 Leser:innen waren dabei, jeder Platz besetzt. Es ist selten, dass wir euch begegnen. Umso besonderer sind diese Momente. Zu wissen, dass ihr euch eine Meinung bildet zu dem, was wir schreiben, fotografieren und diskutieren – das bedeutet mir viel.
Ob im neuen Heft, digital (hier oder auf Instagram), im annabelle-Podcast «Queens» oder an der annabelle Soirée: Ihr teilt mit uns eine bestimmte Art, die Welt zu sehen. Ihr seid neugierig, diskussionsfreudig, rebellisch und solidarisch. Ihr glaubt an das Schöne. Es tut gut, diese Verbundenheit zu spüren.
Gerade in Zeiten, in denen Gewalt an Frauen noch immer der Unterhaltung dient (mehr dazu im neuen Heft) und die Forderung nach Gleichberechtigung so viel Aggression hervorruft wie seit Langem nicht mehr.
Die nächste annabelle Soirée findet am 11. November in Bern statt. Es geht um die Kunst der guten Entscheidung. Dass ihr euch für uns entschieden habt, ist unser grösster Erfolg. Lasst uns feiern!