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Meinung: Warum Will Smiths Ohrfeige nichts mit Romantik zu tun hat

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Meinung: Warum Will Smiths Ohrfeige nichts mit Romantik zu tun hat

Will Smith spielt sich als grosser Beschützer auf – und viele Frauen sind entzückt. Praktikantin Nina Mäder über so manch erschreckende Reaktion auf die Oscar-Ohrfeige.

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden im Dolby Theater in Los Angeles die Oscars verliehen. Neben dem üblichen Schaulaufen auf dem roten Teppich und etlichen «Encanto»-Showeinlagen sorgten besonders zwei Personen für Furore.

Nachdem Comedian Chris Rock einen deplatzierten Witz über Jada Pinkett Smiths Haare machte, lachte Will Smith zuerst noch, bevor er Sekunden später die Bühne stürmte und Rock ins Gesicht schlug – um ihn anschliessend vom Platz aus lauthals zu beschimpfen. Was Chris Rock bei seinem Witz nämlich ignorierte: Pinkett Smiths Autoimmunkrankheit Alopecia, die ihre Haare kreisrund ausfallen lässt.

«Von Gott beauftragt»

Keine Stunde nach der Ohrfeige warf Smith mit einem weiteren Auftritt Fragen auf. Er hielt eine (unnötig lange) Rede, als er den Oscar für seine Rolle im Tennisdrama «King Richard» erhielt. Unter Tränen erklärt er, dass er «von Gott beauftragt» wurde, seine Familie zu beschützen.

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Während die schockierten Gesichter vieler Promis später für Unterhaltung sorgten, gab es bereits in den Werbepausen und auch nach der Verleihung Unterstützer:innen von Smiths Verhalten. Auf die Frage, wie sie zum Ausraster des Schauspielers stehe, zeigte sich etwa Comedienne Tiffany Haddish beeindruckt.

Sie würde sich wünschen, dass ihr Mann sie so beschütze, wie Smith das getan habe. Die Aktion verleihe ihr «Hoffnung». Ausserdem sagte sie: «Ich an ihrer Stelle würde ihm zu Hause etwas Dankbarkeit zeigen – wenn Sie wissen, was ich meine …» Eine klare Anspielung auf Sex als Gegenleistung.

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Auch die feministische Aktivistin und Moderatorin Jameela Jamil zeigt sich Smith gegenüber überraschend versöhnlich. Er sei den Comedian doch so sanft angegangen, dass dieser sich kaum bewegt hätte, schreibt sie auf Twitter. Und weiter: «Ihr könnt doch nicht seit zwei Jahren #protectBlackwomen sagen und Will jetzt verurteilen.»

Auch Musikerin Nicki Minaj schwärmt und bezeichnet Smith als «wahren Mann», der aus Liebe gehandelt habe.

Warum stellen einige Frauen den ach so mutigen und selbstlosen Will Smith nun auf ein Podest? Ist das tatsächlich immer noch die universelle Vorstellung von Romantik – der Mann, der die Frau vor dem Bösen beschützt, ganz egal, mit welchen Mitteln?

Serienformate wie «You» oder Songs wie «079» von Lo und Leduc zeigen, was ein Mann alles machen muss (und darf), um eine Frau rumzukriegen: Unnachgiebig um sie kämpfen. Auch wenn die Frau ihnen gegenüber zuvor klargemacht hat, dass sie dies nicht will. Seit unserer Kindheit werden wir in Disney-Bildern und Kinderbüchern von Schwache-Prinzessin-Starker-Held-Bildern beschallt. Uns wird eingeimpft, dass wir uns zieren und um uns kämpfen lassen sollen, und vor anderen beschützt werden müssen. Der Mann als Oberhaupt, als Subjekt. Die Frau als passives Objekt.

Dass viele Frauen von solch einem Machogehabe immer noch beeindruckt sind, und Muskel- über Gehirnmasse stellen, sollte uns wirklich zum Denken anregen – über die immer noch erschreckend patriarchalen Vorstellungen von Romantik und Liebe in unserer Gesellschaft.

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Christina

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, worauf Sie hinaus wollen? Was wäre denn die bessere Reaktion auf diesen taktlosen Joke gewesen? Dass Jana Pinkett Smith selbst auf die Bühne tritt und dem Idioten eine reinhaut?! Oder passiv sitzen bleiben und gute Miene zum bösen Spiel machen? Ausserdem ging es hier nicht darum „die Frau um jeden Preis rumzukriegen“, denn sie hat ihn ja bereits geheiratet – sondern um einen impulsiven Beschützerinstinkt. Man kann Will Smith für vieles hinterfragen, aber nicht dafür, dass er seine gekrönkte Frau verteidigt…

Last edited 6 months ago by Christina
Nina

Liebe Christina, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ganz klar: Die Anwendung von Gewalt ist nie eine Lösung. Einen Kommentar von Jada (oder meinetwegen Will) während Rocks Rede hätte ich gerechtfertigt und ausdrucksstark gefunden. Meiner Meinung nach wird der impulsive Beschützerinstinkt oft als Liebe deklariert. Der Mann rechnet der Frau in diesem Fall zu wenig Mut und Selbstsicherheit an und «übernimmt den Job» für sie. Das hat für mich wenig mit Romantik, sondern mit Machtverhältnissen zu tun. Liebe Grüsse, Nina

Claudia

Liebe Nina, ich möchte hier explixt nur darauf Bezug nehmen, wie Frau für sich selber einstehen kann.

Kannst du dir vorstellen, wie es sein dürfte, wenn man im Publikum sitzt, vor allem Anwesenden und vor einem Millionenpublikum zum Ziel eines mehr als deplatzierten Witzes wird? Kannst du dir vorstellen, dass es dann auch zu einer Schockstarre kommen könnte? Ich jedenfalls könnte in solch einem Moment, der sehr verletzend ist (und schon viel an Arbeit brauchte, um mit der Krankheit klar zu kommen), niemals für mich einstehen, laut auf die Bühne schreien und diesem Ignoranten vor ebendiesem Publikum sagen: „Stopp. Es reicht! Es ist verletzend was du machst und weder unterhaltend noch witzig.“

Könntest du das??
Ich kann nachvollziehen, dass der Ehemann – im Wiederholungsfalle, versteht sich – so aus der Haut fährt.
Wäre mein Mann Ziel dieser Attacke geworden, hätte ich als Ehefrau wohl auch den Mut aufbringen können, um den übergriffigen Menschen zu stoppen, definitiv aber nicht als Direktbetroffene. Die Selbstsicherheit meldet sich in solch einem Moment bestimmt nicht als erstes…

Und: Manchmal brauchen Frau und Mann es, dass füreinander eingestanden wird. Dafür sollte in diesem speziellen Fall eine Frau, die beschützt wird, nicht auch noch kritisiert werden.
Die meisten von uns sind wohl Frauen, aber keine superwomen.

Marc

Dieser Ohrfeigen-Kult ist ein Rückfall in die Steinzeit. Es ist eine Erniedrigung gegenüber dem betroffenen Kind, Frau oder Mann. Es gibt keinen Grund zu ohrfeigen…, NIE!

Ingrid Notter

Ich bin überrascht, dass so viele diese Tat ok finden, wirklich?!?! Im normalen Leben erfüllt eine Ohrfeige den Straftatbestand einer Körperverletzung oder der tätlichen Beleidigung Wie der reale Tennis Vater Williams veröffentlicht hat: “Wir kennen nicht alle Einzelheiten des Geschehens. Aber wir dulden nicht, dass jemand einen anderen schlägt, es sei denn, es ist Selbstverteidigung”. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir eine solche Tat für OK finden. Ich finds echt übel. Ein 0815 Mensch käme vor Gericht, wenn er WS geschlagen hätte. Denkt mal darüber nach…

Jacqueline

Klar ist die Ohrfeige eine zu direkte Angelegenheit und ich persönlich verurteile Gewalt aufs Äusserste. Doch abgesehen von der Ohrfeige hat der “Schläger” zumindest Zivilcourage bewiesen und ist nicht betroffen im Grinsen erstarrt.

Shirin

Ich fand die ganze Show an den Oscars ein jämmerliches Spektakel. Man weiss nicht recht, ob der Vorfall inszeniert war und nur zum Zwecke der Publicity diente oder ob Will Smith sich wirklich nicht unter Kontrolle hatte, um so dreinzuschlagen. Zuerst hat er blöd mitgelacht. Nein wirklich jämmerlich. Wo führt das alles hin?

Deva

Das war gerechtfertigt. Früher hätte man sich da sofort duelliert. Außerdem hat sich Will ja entschuldigt und man sollte das Ganze jetzt ruhen lassen. Ich hätte demjenigen auch eine reingehauen, sage ich ganz ehrlich. Damit endlich auch mal Schluss ist sich öffentlich auf Kosten anderer lustig zu machen. Wer so etwas tut, muss nunmal mit Konsequenzen rechnen. So einfach ist das für mich. Man sollte nicht prügeln, aber eine einzige Ohrfeige ist für mich in diesem Fall in Ordnung.

Marga

Du beleidigst mich – ich verpasse Dir eine Ohrfeige – Du schlägst mich dafür nieder – ich knall Dich ab. Nicht mein Weg, das ist das Recht des Stärkeren im Urwald. Das Lachen von Will Smith zeigt doch, daß er den “Witz” zuerst lustig fand. Seine Gewaltattacke war keine spontane Verteidigung. Auch die unverschämte Pöbelei zeigt mir eher eine “alte Rechnung” mit dem Moderator. Mir wäre das als Partnerin nur peinlich!!