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Porträts zum Frauenfussball: Nachwuchstalent Noa Linn Münger

Zeitgeist

Porträts zum Frauenfussball: Nachwuchstalent Noa Linn Münger

Bis zum EM-Anpfiff porträtieren wir drei Frauen über die vermeintlich nebensächlichste Nebensache der Welt: den Frauenfussball – und was ihn so besonders macht. Heute mit Noa Linn Münger.

Noa Linn Münger (17), die Nachwuchshoffnung

«Schon als ich mit meinem Papa als kleines Mädchen die Spiele der Berner Young Boys besuchte, gefiel mir das; die Stimmung, die Energie, das Tempo auf dem Rasen. Ich war sieben, als der FC Köniz bei uns um die Ecke eine Schnupperstunde ausschrieb. Zusammen mit meinem Bruder, er ist nur ein Jahr jünger als ich, ging ich hin. Es kamen neben mir nur noch zwei andere Mädchen. Eines hörte gleich wieder auf, das andere besuchte noch ein paar Mal die Trainings, dann kam es auch nicht mehr.

Ich aber spürte; das war es, was ich tun wollte, was ich bis heute will – Fussball spielen. Ich schuttete erst bei den F-Junioren, kam dann zu den E-Junioren. Danach spurte ich in die Leistungsschiene ein, man holte mich in die E-11 beim Team Köniz, einem Partner der Young Boys Bern.

Das bedeutete einerseits eine erste positive Einschätzung meiner fussballerischen Leistung. Und andererseits, dass ich dann vier bis fünf Mal pro Woche trainierte und während der Saison jedes Wochenende Matchs spielte.

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«Ich wurde so behandelt wie alle anderen auch. Der einzige Unterschied: Ich benutzte jeweils die Frauengarderobe»

Ich war immer das einzige Mädchen auf dem Rasen, das hat mir aber nie viel ausgemacht. Natürlich, mein Bruder und damit ein wichtiger Vertrauter, war immer dabei – wir spielten lang im selben Team. Es wäre aber auch ohne ihn gegangen. Ich wurde so behandelt wie alle anderen auch. Der einzige Unterschied: Ich benutzte jeweils die Frauengarderobe.

Während dreier Jahre konnte ich das nationale Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fussballverbands in Biel besuchen, wo jeweils die schweizweit Besten eines Jahrgangs zusammenkommen und intensiv gefördert werden. Gleichzeitig absolvierte ich dort die Oberstufe und lebte wochentags bei einer Gastfamilie.

Ein Tag da konnte schon mal so aussehen: Aufstehen um 6.15 Uhr. Drei Lektionen Schule. Training. Mittagessen. Schule. Training. Hausaufgabenstunde. Nachtessen. Um 20 Uhr wieder zur Gastfamilie zurück. Natürlich war das anstrengend und für mich als Zwölfjährige zu Beginn hart, unter der Woche nicht bei meiner Familie zu sein, die mir viel bedeutet und mich sehr unterstützt. Was mir aber immer klar war: Ich will das, dies ist mein Weg.

Bis U-15 spielte ich – ausser im Nationalteam – nur mit den Gielen, danach kam ich ins U-17-Frauenteam der Young Boys Bern. Heute bin ich hier Teil der U-19-Mannschaft – wir haben gerade den Schweizermeister-Titel geholt – und ich spiele in der U-17-Nati.

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Ob es Unterschiede gibt zwischen Frauen- und Männerteams? Der Umgang, die Leidenschaft sind dieselben. Bei den Gielen ist bloss das Tempo höher. Und man muss im Spiel gegen Männer mehr dagegenhalten, weil da mehr Masse auf einen zukommt. Es ist nun mal so, dass Jungs ab einem bestimmten Zeitpunkt schwerer, grösser und auch schneller werden. Gegen die physische Überlegenheit hast du als Frau irgendwann Mühe, selbst wenn du technisch und taktisch besser bist.

Heute besuche ich den Sport-Gymer. Natürlich ist mein grosser Traum, irgendwann im Ausland auf Profibasis zu spielen. Bisher stehen die Chancen nicht schlecht, aber es kann immer etwas dazwischenkommen. Ich habe also auch einen Plan B: studieren und Lehrerin werden.

Vielleicht muss ich mich auch nicht zwangsläufig für das eine oder andere entscheiden: Viele Profi-Fussballerinnen wie etwa Lia Wälti studieren nebenher. Bei welchem Club ich später spielen möchte, kann ich nicht sagen. Grosse Namen sind für mich kein Argument. Ich würde mich für jenen entscheiden, der mir persönlich passt und mir die besten Chancen bietet.»

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