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ZFF: 30 Minuten mit Sharon Stone – eine Begegnung

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ZFF: 30 Minuten mit Sharon Stone – eine Begegnung

  • Text: Vanja Kadic
  • Bild: Thomas Niedermueller/Getty Images for ZFF

Sharon Stone wurde am Wochenende am Zurich Film Festival mit dem «Golden Icon Award» ausgezeichnet. Wir haben die Schauspielerin für eine halbe Stunde im vollen Pressesaal getroffen – und waren überrascht von dieser Begegnung.

Rund 30 Journalist:innen warteten am Wochenende im Zürcher Luxushotel Baur au Lac auf Sharon Stone. Eine halbe Stunde dauerte die Pressekonferenz mit der Schauspielerin, die am Zurich Film Festival mit dem «Golden Icon Award» für ihre Karriere ausgezeichnet wurde.

Toll für Sharon, blöd für die Presse: Es gibt kaum etwas Öderes, als so ein Masseninterview. Oft folgen nur langweilige und leere PR-Antworten – mit Pech sind sie auch noch einsilbig, mit etwas Glück gibts eine mehr oder weniger interessante berufliche Anekdote. Ganz anders bei Sharon Stone: Der Hollywood-Star zeigte sich am ZFF erstaunlich verletzlich und erfrischend offen.

Die 63-Jährige wird von der Moderatorin als Aktivistin, Schauspielerin und Mama von drei Söhnen (15, 16 und 21) vorgestellt. Beim letzten Punkt lächelt Stone so ehrlich hell, wie es nur eine stolze Mutter kann. Stone, die einem breiten Publikum vor allem für ihren Beinüberschlag im Erotikthriller «Basic Instinct» bekannt sein dürfte, betritt den Saal in einer Abendrobe mit Leoprint und Paillettenbestickung, dazu trägt sie funkelnde Ohrringe. Not too shabby für einen Termin im Hotel am Nachmittag! Sie sieht toll aus, strahlt Gelassenheit und Eleganz aus.

«Ich hatte eine sehr niedrige Chance zu überleben»

Bereits bei der ersten Frage, die Stone beantwortet, wirkt sie nachdenklich und emotional. Es geht um ihre Krankheitsgeschichte. Im September 2001, wenige Tage nach 9/11, erlitt Stone einen schweren Schlaganfall. Durch einen Arterienriss im Nacken kam es zu einer Hirnblutung. Eine Woche lang lag Stone im Koma und überlebte nur knapp. Zwei Jahre lang musste sie danach wieder lernen, zu laufen, zu sprechen. «Ich blutete neun Tage lang in meinem Hirn und hatte eine sehr niedrige Chance zu überleben», so Stone.

Zuhause warteten ihr einjähriges Baby und eine scheiternde Ehe mit dem US-Journalisten Phil Bronstein. «Ich musste mich fragen, warum ich einen Schlaganfall und eine Hirnblutung hatte. Und was der Grund für diese Reise war», sagt sie ernst. Bis sie sich von ihrem Schlaganfall erholte, vergingen mehrere Jahre. Zeitweise nahm sie 15 Medikamente regelmässig – sich von diesen zu entwöhnen, sei sehr schwierig gewesen.

Wenn sie erzählt, ist sie ausführlich und lässt sich Zeit. Etwa, wenn sie davon spricht, wie ihre Mutter mit ihr umging und stets von ihr forderte, stark zu sein, damit sie lernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Oder wie ihr Vater gegen Krebs kämpfte. Man vergisst zwischendurch, dass sie der Hollywood-Star Sharon Stone ist. Vielmehr ist sie einfach eine sehr interessante, intelligente Frau, die viel erlebt hat und eine unglaubliche Resilienz besitzt.

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«Man kann keinen Erfolg feiern, ohne zu versagen»

Im März 2021 veröffentlichte Stone ihre Memoiren «The Beauty of Living Twice», auf deutsch also «die Schönheit, zwei Mal zu leben». Einen Monat bevor ihre Biografie erschien, wurde sie «so ziemlich von allen» gefeuert, hatte weder einen Agenten noch einen Manager. Angebote bekam sie dafür unter anderem über Instagram. Mit sechs bis zwölf Anfragen pro Woche in ihren DMs deutlich mehr, als sie es mit einer Agentur tat – wo Angebote lange in Meetings diskutiert und vielleicht an andere Klient:innen verteilt werden, wie Stone vermutet. Mittlerweile habe sie wieder einen Manager. «Ich versuche mir jetzt mit meinen Projekten einfach Zeit zu lassen», sagt sie.

Den Grossteil ihrer Karriere habe sie mit «250 Männern am Set» verbracht, sagt sie. Sie habe gelernt, fliessend die Sprache der Männer zu sprechen. Heute sagt Stone, die jüngst im Netflix-Hit «Ratched» zu sehen war, sie würde lieber mehr mit Frauen arbeiten.

Der «Golden Icon Award» sei eine schöne Möglichkeit, auf den eigenen Werdegang zurückzuschauen und zu reflektieren. Anders machen würde sie nichts. «Warum die Reise verändern?», sagt sie. Natürlich habe sie Highlights in ihrer Karriere – aber sie wolle nicht so tun, als würde nicht jede Karriere auch «gigantische Desaster» verzeichnen.

«Man kann keinen Erfolg feiern, ohne zu versagen», sagt sie. Besonders stolz sei sie, vor Leuten sprechen zu können. Mehrmals betont sie, wie «unglaublich schüchtern» sie sei, wie sie als Kind in der Kirche beim Gebet kaum ein Wort rausbrachte. Und heute? «Je älter ich werde, desto komischer wirkt alles», sagt sie.

Über sexuellen Missbrauch sprechen und in Männer-System leben

Stone spricht in den dreissig Minuten auch über Anliegen von Frauen, sucht sich bei der Pressekonferenz lieber weibliche Journalistinnen aus, deren Fragen sie beantworten möchte. Als sie gefragt wird, warum sie sich erst ein Jahr nach #MeToo zu ihrer eigenen Erfahrung mit sexuellen Übergriffen äusserte, sagt sie: «Ich habe nicht gewartet, es dauerte nur sehr lange, bis mir jemand zuhörte.»

Sie selbst habe sich nie als Feministin bezeichnet – weil ihr Vater so ein «Hardcore Feminist» gewesen sei. Er habe seine Tochter als Kind vom Spielen reingerufen und zu ihr gesagt: «Du gibst nicht dein Bestes, weil du den Jungs gefallen willst. Geh raus und gewinne!» Habe sie versucht zu gewinnen, hätten sie die Jungs nicht mehr gemocht.

«Das war oft ein Problem in meinem Leben», so Stone. Als Frau müsse man aber auch Kompromisse eingehen, eine komplexe Balance finden, so Stone. Es sei eine sehr «heikle Situation» als einzige Frau unter vielen Männern.  Man solle über sexuellen Missbrauch sprechen, aber müsse auch «arbeiten und in einem System leben, das Männern gehört und von ihnen angetrieben» werde. «Das ist die Realität des Lebens.»

Zum Schluss spricht Stone über ihren Auftritt in Martin Scorseses («Marty», wie sie ihren guten Freund übrigens nennt) Krimidrama «Casino» (1995), der ihr einen Golden Globe Award und eine Oscar-Nomination einbrachte.

An der Schauspielschule habe man sie gefragt, was ihr Ziel sei. Sie sagte, sie wolle eines Tages Robert De Niro gegenüber sitzen und sich behaupten. «Und bei ‹Casino› sass ich De Niro gegenüber und habe mich behauptet! Ich meine, wer erreicht denn bitte wirklich sein Ziel? Und was macht man nach De Niro und Scorsese?», so Stone.

Und bevor sie sich von der Presse verabschiedete, lüftete sie noch das Geheimnis, weshalb sie am Samstagnachmittag im Abendkleid da sass (welches sie am Abend gegen ein Kleid aus goldenen Pailletten von Dolce & Gabbana tauschte). «Normalerweise kommen die Leute im T-Shirt zu Pressekonferenzen», sagt sie. «Aber ich kann Pressetermine machen, wie ich will – also trage ich Couture.» Sharon Stone trat in Zürich (zum Glück!) nicht als typischer Hollywood-Star auf. Dafür wie eine echte Ikone.

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