Body Diversity in der Mode

Sogar das Traditionshaus Chanel zeigt jetzt Durchschnittskörper

Text: Marie Hettich; Bilder: Imaxtree

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Jill Kortleve an der Chanel-Show am Dienstag in Paris.

Es gab bei Chanel sogar noch weitere Models ...

... deren Körper ...

... mehr mit dem einer durchschnittlichen Frau zu tun haben.

Auch für die Versace-Show in Mailand waren nicht nur ultradünne Models gebucht.

Durchstarterin Jill Kortleve war dabei ...

... sowie Precious Lee ...

... und Alva Claire.

Schon lang wird die Modewelt kritisiert, sie würde ein ungesundes Körperideal propagieren. Das scheinen sich immer mehr Designerinnen zu Herzen zu nehmen. Die aktuellsten Beispiele: Virginie Viard und Donatella Versace.

Die Modebranche wird vor allem mit zwei Vorwürfen konfrontiert: Sie müsse mehr in Sachen Nachhaltigkeit tun – und endlich auch Models jenseits der Kleidergrösse 32/34 zeigen. Auch wenn sich der Fashion-Apparat nur sehr langsam in Richtung Fortschritt bewegt, scheint allmählich tatsächlich etwas zu gehen: Dieses Jahr haben beispielsweise schon einige grosse Labels und Retailer verkündet, ihre Überproduktionen minimieren zu wollen – wir haben darüber berichtet

Auch die am Dienstag zu Ende gegangenen Modewochen stimmen positiv: Bei Chanel zum Beispiel lief, wie auch schon im März, das Überflieger-Model Jill Kortleve über den Laufsteg. Das sind deshalb gute Neuigkeiten, weil die 26-jährige Holländerin im Gegensatz zu klassischen Runway-Models einen Körper hat, dessen BMI vermutlich so ziemlich genau dem einer durchschnittlichen Frau in ihrem Alter entspricht.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Und auch wenn die sehr, sehr schlanken Frauen gestern auf dem Runway in Paris immer noch deutlich in der Überzahl waren, buchte Chanel-Kreativdirektorin Virginie Viard neben Jill Kortleve noch ein paar weitere Models mit etwas runderen Hüften (siehe Bildstrecke).

Diese Entscheidung kann man durchaus als Fashion-Meilenstein verstehen: Während bei neueren Labels wie Eckhaus Latta oder Fenty von Rihanna diverse Models eine Selbstverständlichkeit sind, ist man davon in den meisten Traditionshäusern immer noch meilenweit entfernt. 

«Dicke Muttis vor dem Fernseher»

Ob es auch mit Karl Lagerfeld an der Chanel-Spitze so gekommen wäre? Auffälllig ist, dass auch bei Fendi, wo seit Lagerfelds Tod Silvia Fendi Kreativdirektorin ist, mittlerweile vereinzelt sogenannte curvy Models gebucht werden.

Lagerfeld konnte trotz seines Talents, am Puls der Zeit zu bleiben, der Body-Diversity-Bewegung nie etwas abgewinnen. Aussagen wie «Da sitzen dicke Muttis mit ihren Chips vor dem Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich» sorgten für Aufruhr. Ja – dieser Spruch ist über zehn Jahre alt. Aber revidiert hat Lagerfeld die Aussage nie.

Liegt Designerinnen mehr an der Body-Diversity-Bewegung?

Dass aktuell sowohl Chanel als auch Fendi von Frauen geführt werden, mag ein Zufall sein – oder darauf hindeuten, dass Designerinnen das grössere Interesse daran haben, die Body-Diversity-Bewegung voranzutreiben.

Übrigens: Auch Donatella Versace schickte diese Saison zum ersten Mal kurvigere Models auf den Runway. Wenn man sich die Fotos anschaut, kann man der Skinny-Versessenheit der Mode endgültig nichts mehr abgewinnen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Marie Hettich ,
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