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Cecilie Bahnsen:

Cecilie Bahnsen: "Ich hole meinen Sohn in bauschig-gelben Kleidern vom Waldkindergarten ab"

Zwischen Paris Fashion Week und Waldkindergarten spricht Designerin Cecilie Bahnsen über romantische Kleider, weibliche Kreativität und warum sie trotz KI weiter auf Handarbeit setzt. Ein Besuch im Kopenhagener Atelier.

Es grenzt an ein Wunder, dass Cecilie Bahnsen uns an einem Freitag im September in ihrem Kopenhagener Atelier empfängt. Nur zwölf Tage später wird sie ihre aktuelle Frühjahr-/Sommer-Kollektion an der Paris Fashion Week präsentieren. Während andere Kreativspitzen im Schlussspurt hermetisch von der Presse abgeschirmt werden, führt Bahnsen annabelle zwei Stunden durch ihr Refugium.

Ihr Atelier liegt in der Vermundsgade, zwischen Nørrebro und Østerbro, einer kreativen Gegend mit industrieller Vergangenheit, zwanzig Minuten vom Zentrum entfernt – «mit dem Velo», wie eine Mitarbeiterin betont, schliesslich fahren hier in Kopenhagen alle Zweirad. Im obersten Stock eines Backsteingebäudes sitzen unter Dachfenstern alle beisammen: das Designteam, die Materialentwicklung, die Schnitttechnik, das Produktions- und Verkaufsteam, E-Commerce. Rund dreissig Leute. «Es sind alle bei der Entstehung der Kleidungsstücke dabei, alle können sofort Feedback geben.» Nur im Sommer werde es etwas warm hier oben.

Junge Frauen sitzen an Nähmaschinen, applizieren Blütenblätter auf Kleider – noch sind nicht alle 32 Looks fertig. Die Social-Media-Verantwortliche dreht ein Sneakpeek-Video, die Stylistin perfektioniert das Styling an Fitting-Models. Eine Gruppe diskutiert die Reihenfolge, in der die Models über den Laufsteg schreiten werden, und notiert sie auf Post-its in Blumenform.

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Wir sind eine halbe Stunde zu früh. Und werden doch keine Sekunde warten gelassen. «That’s me», strahlt Bahnsen, als wir nach ihr fragen, und hastet herbei. Ihre Herzlichkeit spürt man ebenso wie die gute Energie im Atelier. Nach dem Interview werden Mitarbeiterinnen schwärmen, es sei ein Segen, mit Bahnsen zu arbeiten. Sie sei so «down to earth». Eine von ihnen, sie hat davor in einer Modemetropole und jeden Abend bis spät gearbeitet, muss sich noch an die 37-Stunden-Woche gewöhnen, die in Dänemark selbst in der Modebranche gelebt zu werden scheint.

annabelle: Cecilie Bahnsen, warum sind Sie so kurz vor Ihrer Modeschau in Paris nicht gestresst?
Cecilie Bahnsen: Dank meines Teams. Mit manchen – etwa mit Emilie, der Stylistin, die heute da ist – arbeite ich seit zehn Jahren, mit meinem dreiköpfigen Designteam seit sieben. Ich kann mich auch mal rausnehmen und darauf vertrauen, dass es läuft.

Selbst Ihr Team scheint stoisch.
Oder? Wir werden jede Saison entspannter. Obwohl wir die Kollektion schon nächsten Freitag nach Paris schicken.

Wir passieren eine Schneiderpuppe, an der ein semitransparentes Kleid hängt, bestickt mit durchsichtigen, dreidimensionalen Plastikblumen. Eine Schneiderin sitzt auf dem Boden und zieht Drähte in den Stoff ein. «Ein magischer Moment», sagt Cecilie Bahnsen, «Ideen verwandeln sich in Kleidung». Die Drähte lassen den Jupe wie einen Reifrock abstehen. Auch wenn die Blumen mit Luft gefüllt sind, ist das Kleid schwerer und steifer als andere.

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"Oh, schauen Sie, das pinke Kleid. Der Stoff dafür stammt aus der Schweiz"

Wie kam die Luft in die Blumen?
Zuerst hatten wir nur schwarze Bubble Flowers, die sind gepolstert. Aber ich wollte transparente, und weil man die Wattierung darin gesehen hätte, hat unser italienischer Lieferant für den 3D-Effekt mit einem Industrieföhn Luft reingeblasen. Es ist eine sinnliche Erfahrung, dieses Kleid zu tragen, haptisch wie auditorisch; die Blumen knistern. Oh, schauen Sie, das pinke Kleid. Der Stoff dafür stammt aus der Schweiz.

Aus der Schweiz?
Ja, aus St. Gallen. Von Forster Rohner. Schon als Designerin für Erdem in London habe ich mit ihnen zusammengearbeitet. Als ich meinen eigenen Brand gründete, wusste ich, dass ich die Kollaboration fortsetzen wollte, genau wie die mit Jakob Schlaepfer. Beide sind Meister ihres Fachs.

Wie genau entsteht dieser Stoff?
Ich habe das Muster gezeichnet und die Skizze an Forster Rohner geschickt. Die besticken zunächst den Seidenorganza mit fünfblättrigen Blumen, dann ritzt eine Schneiderin jeweils die halbe Blüte von Hand ein, klappt sie über und näht sie an. Es dauert fünf Stunden, einen einzigen Meter davon zu fertigen.

Für wie viele der Kleider verwenden Sie Schweizer Stoff?
Nicht für viele. Er ist teuer. Wir kaufen einige ausgewählte Meter und fertigen pro Saison zwei bis drei Showpieces daraus. Bei denen erlaubt uns das Budget, noch etwas kreativer zu sein als bei den anderen, noch mehr Spass zu haben. Die Mehrheit unserer Stoffe stammt aus Italien, etwa aus den Jacquard-Webereien rund um Como.

Das Kleid ist definitiv ein Showpiece. Die Farbe!
Nicht wahr? Magenta, Pink, Rot … Diese Saison ist farbiger als die letzte. Und technischer.

"Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, die Zeit zu schützen, die wir benötigen, um etwas zu kreieren"

Inwiefern?
Seit Neustem kollaborieren wir auch mit japanischen Lieferanten. Die sind Nerds, wenn es um technische Gewebe geht. Und auch die upgecycelten Patchwork-Kleider sind ein gutes Beispiel für technische Raffinesse: Wir vernähen sie nach aussen, die Nähte sind also sichtbar; damit die Leute verstehen, wie sie gefertigt sind. Mit all der KI heute bin ich noch sturer geworden, allen auf die Nase zu binden, wie viele Menschen ein Kleid berührt, es in Handarbeit erschaffen haben. Ganz unterschiedliche Menschen, die doch vereint sind in ihrer Liebe zur Mode. Darin stecken Positivität und Stärke, die mir unerlässlich scheinen in dieser düsteren, gespaltenen Welt.

Nutzen Sie Künstliche Intelligenz?
Gar nicht. Nicht, weil ich Angst davor hätte. Aber ich bevorzuge Menschen und ihre Kreativität. Und bin überzeugt, dass es sich lohnt, die Zeit zu schützen, die wir benötigen, um etwas zu kreieren. Es muss nicht schnell gehen. Es geht schon schnell genug.

Wie lange arbeiten Sie an einer Kollektion?
Vom ersten Entwurf bis zur Show? Ein halbes Jahr. Und dann vergeht nochmal ein halbes, bis die Stücke produziert sind. Insgesamt dauert es also ein Jahr, bis die Kollektion in den Läden hängt – und es hat zehn gedauert, dieselbe Sprache zu sprechen wie unsere Fabrikanten. Dass ich ihnen etwas schicken kann und sie genau wissen, was ich will.

Trennscharf lassen sich Kollektionen wohl sowieso nicht voneinander abgrenzen?
Genau. Vielleicht entwickeln wir für eine Saison einen Stoff, der dann nicht fertig oder nicht perfekt wird, also kommt er später zum Einsatz. Da ist immer etwas, das in die nächste Kollektion rüber fliesst, es zieht sich ein roter Faden durch sie alle. Diese Zeitlosigkeit im Kreativprozess nimmt den Druck raus. Um auf die Patchwork-Kleider zurückzukommen: Wir haben sie aus Materialresten gefertigt, die bei unserer Zusammenarbeit mit dem «A Magazine» angefallen sind; Überreste eines Ski-Overalls. Projekte fliessen ineinander, inspirieren und nähren sich gegenseitig.

"Warum sollte Femininität nicht funktional sein dürfen?"

Patchwork, sichtbare Nähte … Sie verarbeiten ausserdem mehr Reissverschlüsse als früher.
Ich habe gerade heute Morgen mit unserer Stylistin Emilie darüber gesprochen: Die ersten paar Saisons haben wir praktisch alle Kleider mit Schleifen geschlossen, heute viele mit Reissverschluss. Warum sollte Femininität nicht funktional sein dürfen? Reissverschlüsse sind praktischer.

Ihre Kleider haben auch Taschen.
Bei voluminösen Kleidern mit Applikationen ist es manchmal schwierig, sie an die passende Stelle zu setzen. Und hin und wieder vergesse ich beim Skizzieren tatsächlich, sie einzuzeichnen. Aber spätestens, wenn die Schnittmuster auf dem Tisch liegen, fragt mich mein Team verwirrt: «Aber du wolltest doch sicher Taschen?» Und ich: «Natürlich!» (lacht) Wir tragen die Kleider ja selbst ständig. Wo sollen wir denn sonst unser Massband verstauen?

In einer Welt voller Kreativdirektoren: Betonen Sie darum gern, wie wichtig es ist, als Frau für Frauen zu entwerfen?
Meine Freundin Sophie (die Schmuckdesignerin Sophie Bille Brahe, Anm. d. Red.) trug erst gestern eines unserer Kleider. Sie schwärmte davon, wie bequem es sei, wie authentisch sie sich darin fühle. Dass sie sich bewegen, sich selbst sein könne. Unsere Kleider schenken Frauen Selbstvertrauen, ohne sie zu überstrahlen.

"Am Anfang meiner Karriere habe ich eine unschuldige, mädchenhafte Form von Weiblichkeit reproduziert"

Designen Männer anders? Einengender?
Sie haben eine andere Vorstellung von Femininität. Die hatte ich auch, als ich jünger war. Am Anfang meiner Karriere habe ich eine unschuldige, mädchenhafte Form von Weiblichkeit reproduziert. Aber mit dem Älterwerden habe ich immer mehr Facetten des Frauseins entdeckt. Das übertrug sich auf meinen eigenen Stil und darauf, wie ich entwerfe. Heute finde ich es aufregend, Kleidung unterschiedlichen Kurven anzupassen. Es ist eine Herausforderung, der du dich stellen wollen musst.

Das Cecilie-Bahnsen-Mädchen ist quasi mit Ihnen erwachsen geworden?
Ja. Zu Beginn produzierten wir auch fast ausschliesslich Kleider. Im Moment begeistert mich Outerwear. Wobei Mäntel und Kleider viel verbindet: Mit nur einem Piece lässt sich ein ganzer Look kreieren. Aber egal ob funktionaler Reissverschluss oder Outerwear: Irgendwo findet sich immer eine Blume, die so etwas wie unser Symbol geworden ist.

Also doch noch Blumenmädchen.
Ich bin im Herzen eine Romantikerin. Ich startete meine Karriere bei Galliano in Paris, das hatte etwas über die Massen Romantisches. Ich habe dort Prints entworfen, wir malten sie von Hand, in der Küche, Computer waren verboten. Es war so oldschool. Und da waren diese älteren Frauen und Männer, die uns Junge unter ihre Fittiche genommen haben. Einer von ihnen war der beste Chiffon-Cutter in ganz Paris, er tat den ganzen Tag nichts anderes, als Chiffon zu schneiden. Es hat etwas zutiefst Poetisches, ein solcher Experte zu sein.

Ich muss nochmal auf die Blumen zurückkommen, die sind diese Saison ja wieder überall: Haben wir uns nicht langsam sattgesehen?
Lassen Sie mich über die Poesie des Wandels sprechen. Zyklen existieren in der Natur ebenso wie in der Mode. Der Moment, in dem eine Blume in voller Blüte steht, scheint mir ähnlich flüchtig wie die Magie einer Modeschau. Es ist wichtig, auch die Phasen davor zu geniessen. Das Kleinsein, das Wachsen. Letzteres ist manchmal beängstigend, manchmal wunderbar. Sicher ist nur: Veränderung ist unvermeidlich.

"Das Muttersein hat mich hartnäckig gemacht, der Welt zu beweisen, dass man auch in Kleidern leben kann"

Sie führen Ihr Label nun seit zehn Jahren.
Fünf davon ohne meinen Sohn, fünf mit. Die fünf Jahre mit ihm sind mir so präsent, weil er buchstäblich neben den Kollektionen gross geworden ist.

Hat das Muttersein Ihre Art zu designen beeinflusst? Den Wunsch nach Funktionalität nochmal verstärkt?
Es hat mich hartnäckiger gemacht. Hartnäckig, der Welt zu beweisen, wie man eben auch in den Kleidern leben kann. Ich brezle mich lieber am Montag für den Spielplatz auf als für eine Abendveranstaltung. Wenn ich meinen Sohn in einem riesig-bauschig-gelben Kleid vom Waldkindergarten abhole, kreischen alle Mädchen «Whoaaaa». Das ist die beste Belohnung.

Besucht Ihr Sohn Sie bei der Arbeit?
Ja, oft. Es liegt pure Kreativität in ihm, er hat so viel Fantasie. Letztens hat er sich unter die Kleider gelegt, hochgeschaut und gestaunt: «Oh, sie bewegen sich wie Wolken.» Und er ist gerade total vernarrt in Superhelden. Seit einer Routineuntersuchung beim Augenarzt gibt er mit seinem «Laser-Blick» an. Er zaubert sich die Welt so viel aufregender und schöner.

Weil die Zeiten gerade so düster sind: Ist es umso dringender, Ästhetik in die Welt zu bringen?
Definitiv. Schönheit, Freude und Handwerk. Und wie gesagt: Ich möchte beweisen, dass es sich lohnt, Zeit in etwas zu investieren. Wenn mein Sohn etwas malt und sich nervt, weil ihm seine Zeichnung nicht sofort gefällt, dann sporne ich ihn an, es wieder und wieder zu probieren. Irgendwann ist sie so, wie er sie haben möchte.

Was entgegnen Sie Leuten, die Mode für oberflächlich halten?
Ich widerspreche. Da ist so viel Kommunikation und Beziehungspflege. Wenn du ein aufsehenerregendes Kleid zu einer Party trägst, kommt die Konversation von allein. (lacht) Aber mal ehrlich: Ich schätze die Zeit mit meinem Team und der Klientel; wir haben in der Kopenhagener Innenstadt gerade eine Boutique für Private Appointments eröffnet. Manche Kundinnen sind über die Jahre Freundinnen geworden. Heute überlege ich mir beim Entwerfen: Wie würde Jane dieses Kleid tragen? Oder ich stelle mir Sarah darin vor. Und schliesslich schlägt Mode Brücken zwischen Kontinenten: Unsere grössten Märkte sind Japan und die USA.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt?
Wichtig, weil die Schweizerinnen meine Lieblingsstücke shoppen. (lacht) Euer handwerkliches Erbe, die Verbundenheit zu den Stickereien … Andere Märkte reagieren preissensibler.

"Dänische Mode war, anders als skandinavisches Interior Design, nie minimalistisch"

Sie haben in Paris und London gearbeitet – warum haben Sie Ihren Brand in Kopenhagen gegründet?
Ich wollte Abstand gewinnen zu den Modemetropolen. Dänemark bietet optimale Startvoraussetzungen, du brauchst kein grosses Budget. Und dass die Leute hier noch nicht wussten, wer ich bin, gab mir die Ruhe, zu kreieren. Aber es war auch beängstigend: Wir haben die ersten zwei Jahre praktisch nichts verkauft in Dänemark. Dafür lief es in Japan schon sehr gut. Ausserdem sind wir von hier schnell in Paris und London, können uns mit der Branche vernetzen, Talente scouten – und ein bisschen was von der Energie und der geschäftbelebenden Konkurrenz mitnehmen, die mir in Kopenhagen manchmal fehlt. Das Beste aus beiden Welten.

Auch Ihre Kollektionen haben Sie zunächst an der Copenhagen Fashion Week präsentiert.
Wir konnten in einzigartigen Locations zeigen, riesige Hallen übernehmen. Es war unkompliziert. Da war auch kein Grossstadtverkehr, der unsere Zeitpläne torpediert hätte. Und wir konnten es langsam angehen lassen, uns quasi auf Paris vorbereiten. Die Copenhagen Fashion Week hat mir geholfen, meine Stimme zu finden. Sie war ein Sprungbrett.

Wie war sie damals, die Kopenhagener Modeszene?
Da waren nicht viele, Stine Goya und Henrik Vibskov, Ganni und Saks Potts. Dafür umso mehr Prints und Farben. Meine erste Kollektion war schwarz-weiss, die Antithese sozusagen. Es ist lustig: Viele Leute halten mir vor, nicht minimalistisch genug zu sein für meine Herkunft. Aber dänische Mode war, anders als skandinavisches Interior Design, nie minimalistisch. Sich anzuziehen soll doch Spass machen!

Für Ihre Zehn-Jahre-Jubiläumsshow waren Sie zurück.
Ein besonderer Moment. Als ich den Brand gründete, betonte ich, zeitlos entwerfen zu wollen – und tatsächlich: Unsere Ästhetik, unsere DNA hat sich über die Jahre durchgezogen; die Show, die auf Archivstücken verschiedener Saisons aufbaute, war sehr stimmig.

Warum zeigen Sie heute in Paris?
Wegen des High-Fashion-Kontexts. Und in Paris sind die Presse und Einkäufer:innen, die es vielleicht nicht nach Kopenhagen schaffen. Ich wollte, dass sie die Kollektion erleben, anfassen können. Die erste Show, die ich je in Paris gesehen hatte, war Christian Dior Couture 2008. Die Messlatte lag also hier oben (reckt die Hände weit über den Kopf und lacht). An meine erste eigene im Jahr 2022 erinnere ich mich kaum; ich war so nervös, ich wäre beinahe ohnmächtig geworden. Heute ist die Paris Fashion Week mein zweites Zuhause.

Eine Dekade. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Passion und Sturheit und Vision und der Glaube daran, es auf meine Art zu schaffen. Aber nicht ohne grossartige Menschen um mich herum. An der Jubiläumsshow waren viele unserer Mitarbeitenden, langjährige ebenso wie ehemalige, Leute, die uns haben wachsen sehen, unterstützt haben. Ich habe mit Cecilie Bahnsen eine Familie geschaffen. Und mache das nicht mehr nur für mich. Sondern auch fürs Team, für die Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, die Frauen, die uns tragen.

"Du musst es ein paarmal vermasseln, bevor es gelingen kann"

Wie entscheidend waren Kollaborationen für Ihre Karriere?
Sie helfen in vielerlei Hinsicht. Asics war unsere erste grosse Kollaboration. Ich habe unsere Kleider schon immer mit Sneakers gestylt und im Alltag getragen. Aber erst, seit wir mit dem japanischen Sportschuhhersteller kooperieren, verstehen das auch die Konsumentinnen. Er hat mir geholfen, diese Geschichte zu erzählen. Ausserdem konnten wir viel von Asics lernen, bevor wir uns selbst in die Schuhmacherei gestürzt haben.

Ist auch mal was schiefgelaufen in all den Jahren?
Die Pandemie war schwierig. Vor Corona hatten wir einen Agenten, der die Kollektionen für uns verkauft hat. Das wurde zu kompliziert, weil ständig Bestellungen storniert wurden, also machen wir es seither selbst. Heute pflegen wir enge Beziehungen zu den Stores und können umgehend reagieren: Die Tops laufen super? Dann machen wir mehr Tops, weniger Kleider. Ich bin überzeugt: Du musst es ein paarmal vermasseln, bevor es gelingen kann. Und Kratzer bereiten dich auf jene Challenge vor, bei der du nicht stolpern sollst. Aber auch ich musste erst lernen, auf mein Bauchgefühl zu hören.

Wann haben Sie nicht darauf vertraut?
Eine Zeit lang haben wir nur zwei Kollektionen pro Jahr designt, wollten damit aber allen gerecht werden. Wir haben so viele Variationen entworfen, so viele Farben von jedem Kleid, dass ich mich nicht mehr mit allen Stücken identifizieren konnte. Ich sah ihren Sinn nicht mehr. Zurückzurudern, die Kollektionen zu verkleinern, präzise darin zu sein, was wir rausbringen – das hat die Leute uns respektieren lassen. Du kannst nicht alles für jeden sein.

Die wirtschaftliche Situation ist nicht einfach im Moment. Ihnen geht es gut?
Wir befinden uns in einer einigermassen komfortablen Lage. Mit unserer Grösse sind wir wettbewerbsfähig und können trotzdem schnell reagieren. Ausserdem habe ich eine neue CEO, Mie. Ich umgebe mich mit Menschen, die mich komplementieren, damit ich mehr von dem machen kann, was ich liebe.

Worüber sprechen Sie in Interviews zu selten?
Tatsächlich über Schwieriges. Es ringt uns viel Kraft ab, diese scheinbar schwerelosen Kleider zu kreieren. Und sie sollen sich ja auch mühelos anfühlen. Aber meine Schwester, die all meine Interviews liest, mahnt mich immer, auch mal die schlaflosen Nächte zu erwähnen.

Also doch durchgearbeitete Nächte vor Paris?
Nein! (lacht) Das ist das Tolle am Kinderhaben: Es beansprucht so viel Zeit, ich habe gar keine Chance, die Nächte durchzuarbeiten. Aber wissen Sie was? Die Kollektionen werden genauso schön, wenn nicht sogar schöner. Weil ich nicht bis zum Schluss draufstarren, sondern Abstand nehmen, reflektieren kann. Auf dem Spielplatz hat es viele Male Klick gemacht: Wir müssen mit dem weissen Look eröffnen, nicht mit dem roten! Manchmal sind die Dinge, die wir für Hindernisse halten, jene, die uns nach vorne katapultieren.

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