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Eckhaus Latta entwirft für Mango: «Eine Hand wäscht die andere»

Eckhaus Latta entwirft für Mango: «Eine Hand wäscht die andere»

Es darf dezent ausgeflippt werden: Die neue Capsule Collection von Eckhaus Latta für Mango ist da. Wir haben mit den Designer:innen über die Kollektion, ihre Ästhetik und den Widerspruch gesprochen, als unabhängiges Label mit einem Fast-Fashion-Giganten zusammenzuarbeiten.

Es ist schwül. Der Schweiss tropft. Der Ventilator zerzaust das Haar. Die Stadt riecht nach heissem Asphalt. Für Tage wie diese hat das in New York und Los Angeles sitzende Label Eckhaus Latta gemeinsam mit Mango eine Capsule-Kollektion entworfen: Lagenlooks mit ultraleichten Stücken, easy Strick und Bademode mit Farbverlauf und von der Unterwasserwelt inspirierten Drucken.

Die Stoffe sind transparent, die Schnitte minimalistisch. Schmuck, der schwer aussieht, aber schwerelos wie ein Wassertropfen ist, gestrickte Taschen, zarte Schnürungen und Neopren-Flipflops für Tauchgänge an Land ergänzen die organischen und asymmetrischen Formen der Kollektion.

Mike Eckhaus und Zoe Latta gründeten ihr Label Eckhaus Latta 2011 und wurden für ihren inklusiven Designansatz und den Fokus auf authentische, alltagstaugliche Kleidung bekannt. Sie machen Kleidung mit konzeptioneller Handschrift, bei der die Tragbarkeit dennoch im Vordergrund steht – nicht die Fantasien der Laufstege.

Die ofenfrische Liaison ist Teil des Programms Mango Collective, bei dem das Unternehmen Mango mit aufstrebenden Designer:innen und unabhängigen Nischenmarken zusammenarbeitet.

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Bisher auf der Gästeliste standen Namen wie Victoria Beckham, Simon Miller und der türkische Newcomerbrand Siedrés. Und klar, das zieht. Das verkauft sich, der nächste Hype steht schon ins Haus. Ähnlich dem schwedischen Moderiesen H&M, der seine lange Geschichte der Designer-Collabs 2004 mit Karl Lagerfeld begann und gerade mit Stella McCartney seine Kund:innen verrückt werden liess, macht die Zusammenarbeit mit einem Hype-Brand den katalanischen Fast-Fashion-Giganten Mango begehrlicher. Das Label wird dagegen zugänglicher und zudem im Mainstream sichtbarer.

Wie aber lassen sich ein subversiv-künstlerischer und nachhaltiger Ansatz mit einem Mega-Retailer vereinbaren? Wird Design demokratisiert oder kulturelle Glaubwürdigkeit kommerzialisiert? Win-win? Wir haben bei Mike Eckhaus und Zoe Latta nachgefragt.

annabelle: Ihr Label galt lange als Gegenentwurf zur klassischen Modeindustrie: kein Hochglanz, Reibung, Realität. Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit Mango gereizt?
Eckhaus Latta: Für uns war es die Gelegenheit, etwas völlig Neues zu machen. Mit einer Marke zusammenzuarbeiten, die wir respektieren und die über eine Infrastruktur und Ressourcen verfügt, die sich stark von allem unterscheiden, was wir kennen. Es war eine grossartige Erfahrung.

Sie arbeiten für Ihre Shows oft mit «real people», also Menschen wie du und ich – auch diese Capsule Collection ist stark im Alltag verankert. Was fasziniert Sie am Alltäglichen?
Der Alltag ist unglaublich vielschichtig und inspirierend. Uns interessiert es mehr, die Grenzen des Alltags auszuloten, als ferne Fantasiewelten zu erschaffen, zu denen wir keinen Bezug haben.

Ihre Arbeit hatte immer etwas subtil Widerständiges. Kann Kleidung heute überhaupt noch Gegenkultur sein, wenn sie global produziert und vertrieben wird?
Absolut. Subversion muss nicht laut sein. Sie kann auch leise und indirekt auftreten. Uns ziehen Dinge an, deren Absichten nicht sofort offensichtlich sind.

Haben Sie manchmal das Gefühl, instrumentalisiert zu werden – also dass grosse Marken unabhängige Labels nutzen, um kulturelle Glaubwürdigkeit zu gewinnen?
Eine Hand wäscht die andere.

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Eckhaus Latta war immer in einer sehr spezifischen Community verwurzelt – kunstnah und unangepasst. Was passiert mit dieser Energie, wenn sie in einen globalen Retail-Kontext übersetzt wird?
Es gibt die Perspektive der Branche – und dann gibt es die Realität eines Kleidungsstücks, das Menschen begegnet, ohne dass sie den Hintergrund einer Marke kennen. Die Elemente, die uns ausmachen, sollen uns nicht auf eine bestimmte Ecke festlegen. Im Gegenteil: Wenn sich die Gelegenheit bietet, sehen wir in unserer Arbeit etwas Universelleres.

Die Kollektion spielt mit Transparenz, Layering und asymmetrischen Formen – Elemente, die sich auch emotional lesen lassen. Was interessiert Sie derzeit mehr: Schönheit oder Irritation?
Schönheit und Irritation sind zutiefst subjektiv. Uns interessiert die Spannung zwischen Anziehung und Widerstand, zwischen Dingen, die uns ästhetisch faszinieren und solchen, die uns herausfordern. Wir möchten, dass Menschen sich in unserer Kleidung gut fühlen. Was wir als «gut» empfinden, muss dabei nicht mit den Vorstellungen anderer übereinstimmen – und das ist völlig in Ordnung. Zu glauben, man könne allen gefallen, wäre ohnehin naiv.

Die Kollektion ist stark von den 1990er-Jahren geprägt. Warum erlebt dieses Jahrzehnt Ihrer Meinung nach gerade ein so grosses Revival?
Die 1990er-Jahre waren unsere prägenden Jahre. Sie werden deshalb immer – bewusst oder unbewusst – Teil unserer Arbeit sein. Die Vergangenheit lässt sich nicht ausradieren.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsstück aus der Kollektion?
Die gestrickte Metallic-Tasche.

Mango x Eckhaus Latta ist ab dem 4. Juni in ausgewählten Mango-Filialen und online erhältlich.

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