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Fashion

Fashion Weekly: Kunst, Mode und das dazwischen

Jana Schibli
Jana Schibli

Redaktorin

In unserer Rubrik «Fashion Weekly» schaut dieses Mal Redaktorin Jana Schibli zurück auf die Mode-Woche – und versorgt euch mit Gossip, News und den wichtigsten Highlights.

Was ist los an den Modewochen für Männer?

Männer-Modewochen machen generell weniger Schlagzeilen als die auf Frauen fokussierten Fashion Weeks. Dabei passiert gerade dort jüngst viel Interessantes, das allen Geschlechtern neue Impulse geben kann und nicht selten aus der Feder von Frauen stammt. In London und Florenz zum Beispiel, wo vergangene Woche die Men’s Fashion Week respektive die Pitti Uomo stattfanden: Martine Rose, die zurzeit als Nachfolgerin von Virgil Abloh bei Louis Vuitton gemunkelt wird, zeigte Ohrringe mitsamt Ohrring-Päckli, Jeansjacken mit vielen Taschen und hohen Kragen, und Trenchcoats mit nach oben gerutschten Gürteln. Roses Kleider sind gerade so spannend, weil sie wie aus dem Alltag gegriffen und gleichzeitig wahnsinnig überlegt scheinen.

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Die 29-jährige Priya Ahluwalia, Britin mit indisch-nigerianischen Wurzeln, machte derweil eine Reise durch den afrikanischen Kontinent, von Algerien bis Zimbabwe. Ihre Mitbringsel? Kniesocken, Loafers, gemusterte Poloshirts, und fabelhafte, Kristalle tropfende Kopfbedeckungen. Ahluwalia ist zusammen mit sechs anderen aufstrebenden Designtalenten Teil der Plattform «Browns focus», die dieses Jahr zum zweiten Mal exklusive Capsule Collections von jungen Labels präsentiert.

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Designerin Grace Wales Bonner arbeitete für ihre Kollektion aus Makramee-Kleidern, hervorragend geschnittenen Jacken und weissen Hemden mit Kunsthandwerker:innen von der Savile Row bis Burkina Faso zusammen. Der Eröffnungslook ihrer Show im Palazzo Medici Riccardi zeigte ein T-Shirt mit dem Aufdruck eines Bildes des Malers Kerry James Marshall. Wie es der Zufall will, kann man den Künstler im Rahmen der Art Basel am Screening des Dokfilms «Black Art: In the Absence of Light» am Samstagabend im Stadtkino Basel näher kennenlernen. Regisseur Sam Pollard beleuchtet darin die Praxis von einflussreichen afroamerikanischen Künstler:innen wie Marshall und Carrie Mae Weems.

Mode an der Art

Damit sind wir schon an der Art Basel. Und wo Kunst ist, ist die Mode nie weit: Erstens natürlich in den Outfits der Gäste, die besonders an den ersten drei Tagen hervorragendes People-Watching-Material hergeben. Mir ging etwa die Aufmachung eines Mannes nicht mehr aus dem Kopf, der zum Nadelstreifen-Anzug ein fragwürdiges hellrosa Touri-Cap mit «Naples, Florida»-Stickerei trug. Zweitens ist es immer spannend zu sehen, wie sich Künstler:innen mit Kleidern und Mode auseinandersetzen, zum Beispiel in Fotografin Deana Lawsons Porträt einer Schwarzen Frau am Strand aus ihrer Serie «Centropy.» Auch in den ausgestellten Werken von Alice Neel, Raphaël Barontini, Louisa Gagliardi, Hernan Bas (der übrigens viele seiner Models in Modemagazinen findet), Maria Berrio und vielen mehr sind Kleider zentral.

Mit sich selbst auseinandersetzen kann man sich bei der Ausstellung «Right Here, Right Now» von Künstler Jeppe Hein, der dieses Jahr die Ruinart Carte Blanche erhalten hat und dessen bunte Wände die Besucher:innen mit kreidenen Selbstbildnissen bekritzeln dürfen. Die Art Basel läuft noch bis und mit Sonntag. Wer es nicht dorthin schafft, aber trotzdem Lust auf Kunst und Mode hat, dem empfehle ich das Buch «What Artists Wear» des langjährigen Modejournalisten Charlie Porter. Wusstet ihr etwa, dass Louise Bourgeois eine enge Freundschaft mit Helmut Lang pflegte?

Ein Kollaps mit Folgen

Was passiert, wenn ein Fast-Fashion-Gigant seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann? Das erfuhren wir diese Woche, als Recherchen des Guardian die Missstände in einer pakistanischen Kleiderfabrik aufdeckten, die den kürzlich als insolvent gemeldeten Onlineshop Missguided jahrelang mit Ware belieferte. Noch im Mai hatte die britische Firma Bestellungen aufgegeben; nun liegen Berge von nicht versendeten Kleidern herum. Hunderte Angestellte sind seit Januar nicht bezahlt und nun entlassen worden, und der Besitzer der Fabrik spricht von 2 Millionen Pfund, die ihm geschuldet werden. Auch in England klagen über ein Dutzend Hersteller über fehlende Bezahlung.

Wer die zurzeit nicht funktionierende Missguided-Website besucht, wird mit folgendem Satz begrüsst: «Unsere Wartungs-Elfinnen arbeiten gerade an unserer Website.» Wie es weitergeht – und ob die Fabrikarbeiter:innen bezahlt werden – ist noch unklar. Bestimmte Teile des geistigen Eigentums von Missguided wurden für 20 Millionen Pfund Anfang Juni von der Frasers Group gekauft: «Wir sind erfreut, die langfristige Zukunft von Missguided gesichert zu haben», so der CEO. Doch wem soll diese Zukunft gehören?

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