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Lara Stones Triumph

Stil

Lara Stones Triumph

  • Text: Rebecca JohnsonFotos: Stardust, Fotostudio annabelle, Imaxtree

Supermodel Lara Stone spricht erstmals über gemeine Stylistinnen, zu enge Kleider und ihre Alkoholsucht. Zusätzliche Bilder aus Laras Karriere finden Sie in unserer Galerie.

In der Size-zero-Modewelt sind weibliche Kurven ein Handicap. Lara Stone hat es trotzdem zum Supermodel geschafft und spricht erstmals über gemeine Stylistinnen, zu enge Kleider und ihre Alkoholsucht.

Models sind nicht dick. «Sie sagen kurvig, aber gemeint ist natürlich dick», sagt Lara Stone, 26 Jahre alt, die so leise spricht, dass ich mich vorbeugen muss, um zu hören, was sie sagt. Das Wort dick spricht sie so klar und deutlich aus, als steckte es tief in der Kehle. Es übertönt, mit Ironie und nur einem Hauch Bitterkeit versehen, das Stimmengewirr in der Hotellobby in Downtown Manhattan, wo wir uns zum Interview treffen. Schliesslich ist an Supermodel Stone (1.78 m, Konfektionsgrösse 34) nicht die Spur von Fett. Wie Karl Lagerfeld voller Bewunderung sagt: «Lara Stone hat einen wunderbar fraulichen Körper.»

Doch im Size-zero-Land eine 34 zu sein, ist nicht leicht. Und für das Seelenleben der Models interessiert sich keiner. Es reicht, dass sie beneidenswert dünn und schön sind, in schicken Klamotten herumstehen und viel Geld dafür bekommen. Aber für ein junges Mädchen kann es eine Belastung sein, wenn es sich ständig anhören muss, dass es anders ist. «Es ist deprimierend, wenn einem die Sachen nie passen und man schief angesehen wird», sagt Lara Stone. Mit ihren schwarzen Azzedine-Alaïa-Stiefeln, dem Balenciaga- Minijupe und einer Chanel-Halskette ist sie von Kopf bis Fuss das Supermodel auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dennoch ist ihre Konfektionsgrösse nach wie vor ein Thema. «Letzte Woche hatte ich einen Fototermin», sagt sie. «Die Stylistin suchte ein superenges Corsagenkleid heraus, das ich anziehen sollte. Ich hab gefragt, ob das ein Witz sein soll. Ich kam überhaupt nicht rein in das Kleid, also, das war schon ziemlich unverschämt von ihr. Ich meine, sie ist doch eine Frau! Ob man Jeans kauft oder Designerklamotten trägt, man weiss doch, wie es ist, wenn die Sachen viel zu eng sind. Diese Sorte Zurückweisung ist schwierig, weil sie persönlich gemeint ist. Es geht um mich, um meinen Körper. Das nimmt man sich zu Herzen.»

Lara Stone hat versucht, mit Diät und Sport abzunehmen, aber es hat nicht funktioniert. «Ich hab es sogar mit Tabletten versucht, aber davon bekam ich nur Herzrasen.» Schliesslich fing sie an zu trinken. Niemand bemerkte etwas. «In diesem Job ist man ja immer unterwegs und hat mit anderen Leuten zu tun», erklärt sie. Ohnehin hat sie in der Branche den Ruf, eines der zuverlässigeren Mädchen zu sein. «Noch nie hat sich jemand beschwert, dass Lara zu spät erschienen ist», sagt ihre Agentin. «Einmal hat sie wohl das Flugzeug verpasst.» (Das war in der Türkei – in der Nacht zuvor war sie wegen eines Fussballspiels lange aufgeblieben.)

Aber auch wenn andere nichts bemerkten – ihr war klar, dass sie ein Problem hatte. «Nachts bin ich zitternd aufgewacht. Ohne einen Drink ging überhaupt nichts. Es war grauenhaft. Ich konnte mich nicht mehr leiden. Und ich sah beschissen aus, das Gesicht morgens immer geschwollen und gerötet und überall Pusteln.» Schliesslich, im Januar letzten Jahres, meldete sie sich freiwillig zu einer vierwöchigen Entziehungskur an. In Südafrika, gleich am Meer, ein wunderbarer Gedanke. «Ich hab es mir wie Ferien vorgestellt, aber ich war praktisch rund um die Uhr eingeschlossen. Es waren absolut keine Ferien. Es gab Therapiestunden, viele Tränen und viele schwierige Momente.» Und es war erfolgreich. Sie hat seitdem keinen Alkohol mehr angerührt.

Die letzten drei Jahre ist Lara Stones Stern glanzvoll aufgegangen: Ihr Gesicht, eine bezaubernde Mischung aus tough und naiv, hat für Givenchy, Calvin Klein und Hugo Boss geworben. Sie lief für praktisch alle grossen Designer über den Laufsteg, einschliesslich Marc Jacobs, Balmain und Isabel Marant. Inzwischen hat sie das branchenübliche Verfallsdatum weit überschritten. Dass sie in all den Jahren um zwei Konfektionsgrössen üppiger war als die ganzen Hungerhaken, die gegenwärtig die Catwalks bevölkern, macht ihre Leistung umso erstaunlicher. Schlimmer als gesagt zu bekommen, man sei dick, ist das Getuschel der Stylistinnen, nachdem man zehn Minuten erfolglos versucht hat, sich in Kleider reinzuzwängen.

Lara Stones Karriere ist ziemlich ungewöhnlich. Eine Agentin entdeckte die junge Holländerin, die gerade mit den Eltern in Paris weilte. «Ich war der typische zickige Teenager.» Auf die Frage, wofür sie sich damals interessiert habe, fällt ihr nichts ein. «Zigaretten», sagt sie schliesslich. Mode bedeutete ihr nicht viel, aber sie hat sich schon immer gern kostümiert – «Halloween ist der schönste Tag im Jahr» –, und wenn sie auf diese Weise aus dem Kaff unweit der deutschen Grenze rauskam, sollte es ihr recht sein.

Lara schlug sich ein paar Jahre in Paris als Model durch, teilte sich eine Wohnung mit fünf anderen Mädchen, ging zu unzähligen Castings («Geh ein paar Schritte! Wieder zurück! Danke!») und machte Katalogfotos, die gut, aber nicht übermässig gut bezahlt wurden. Mit 22 wollte sie schon aufhören, als sie Derek Dayley kennen lernte, einen jungen Agenten von IMG, dem ihr unkonventionelles Aussehen gefiel. «Sie galt als hübsche, frische Blondine, aber ich habe etwas anderes gesehen», sagt Derek Dayley. «Sie hat eine faszinierende, ganz eigene Ausstrahlung.» «Ja, ich habe etwas Androgynes», sagt Lara Stone. «Bis auf den Busen.»

Schwer zu sagen, was zuerst da war – das Magermodel oder die Size-zero-Muster. Es ist ein harter Trend: für die Models, die Mühe haben, jenseits der 17 diesen Körpertypus zu bewahren, und für die Modezeitschriften, die Kleider nicht an abartig dünnen Models präsentieren wollen. Früher kamen Stylistinnen mit dem Stecknadelkissen zur Fotosession, um die Kleider anzupassen. Heute wird mit der Schere gearbeitet. Seit der Council of Fashion Designers of America vor drei Jahren eine Gesundheitsinitiative organisierte, um auf Essstörungen aufmerksam zu machen, hat es Fortschritte gegeben, aber manche Mädchen sind weiterhin bedenklich untergewichtig.

Designer, die mit superdünnen Models arbeiten, verteidigen den Trend mit dem Argument, die Sachen hingen besser an ihnen. Aber auch das Gegenteil stimmt – manche Kleider sehen an Frauen mit Busen toller aus, weshalb es mit Lara Stones Karriere aufwärts gegangen ist. «An Lara sehen Kleider einfach super aus», sagt «Vogue»-Redaktorin Virginia Smith. «Es tut richtig gut, sie auf dem Laufsteg zu sehen. Manchmal lasse ich mir ein Stück kommen, und wenn es geliefert wird, frage ich mich, warum es mir so gut gefallen hat. Dann erinnere ich mich wieder: genau, weil Lara Stone es getragen hat.» Auch Fotografen schätzen Lara Stones üppigere Formen. «Ich habe Lara nie als dick empfunden», sagt Mario Testino. «Sie sieht einfach anders aus. Es erinnert mich an die Anfänge meiner Arbeit mit Gisele Bündchen. Alle fanden, sie sei zu üppig gebaut. Und schauen Sie, wo sie heute steht!»

F ür ihre Probleme macht Lara Stone nicht die Modebranche verantwortlich. «Ich liebe meinen Job», sagt sie. «Etwas anderes kann ich mir nicht vorstellen.» Nicht einmal den Designern macht sie Vorwürfe. «Das ist einfach ihre Ästhetik. Ich habe das nicht zu bewerten.» Ihre Probleme erinnern an Rilkes Definition von Ruhm als Summe der Missverständnisse, die sich um einen Namen sammeln. «Die Leute halten mich für unnahbar oder für eine Sexbombe. Ich bin weder das eine noch das andere.» Tatsächlich ist sie schüchtern. «Es ist richtig blöd», gesteht sie. «Ich spreche leise, ich weiss nie, was ich sagen soll, ich erröte und verstecke mich hinter meinen Haaren.» Der Alkohol hat ihr geholfen, lockerer zu werden, aber es war ein kurzfristiger Weg, der seinen Preis hatte. Heute sieht sie die Dinge klarer, auch ihren Körper. «Die Leute sagen noch immer, ich sei dick, aber wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich etwas anderes.»

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

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Posiert für «i-D», räkelt sich in der aktuellen Kampagne von Louis Vuitton, ist Covergirl von «Vogue» – und war auch schon in der annabelle zu sehen: Lara Stone, Shootingstar

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