Met-Gala 2026: Die Looks des Abends
Die Mode- und Prominenz-Elite präsentierte auf dem roten Teppich der Met-Gala kreative, kunstinspirierte Looks – von opulent bis avantgardistisch. Und manchmal auch völlig daneben. Hier kommen die Tops und Flops der Redaktion.
- Von: annabelle
- Bild: Dukas
Bei der Met Gala in New York stand gestern alles im Zeichen des Dresscodes «Fashion is Art». Modebegeisterte wussten das natürlich längst.
Die Gala hatte im Vorfeld für viel Gesprächsstoff gesorgt – vor allem, weil die Hauptsponsoren diesmal eher im Silicon Valley zu Hause sind als im Met: Jeff und Lauren Sánchez Bezos. Wer überzeugte – und wer griff daneben?
Head of Digital Publishing Jacqueline Krause-Blouin
Top: Emma Chamberlain in Mugler
Wie oft ich die Diskussion schon führen musste, ob Mode Kunst ist. Nächstes Mal zeige ich einfach ein Foto von Emma Chamberlain und mein Gegenüber wird sofort verstehen. Es sahen gestern Abend viele Gäst:innen zwar gut aus, aber ein Grossteil hat den Dresscode nicht erfüllt. Nicht wenige sind auf Nummer sicher gegangen – here’s looking at you, Margot Robbie, die eher ein Kleid für die Golden Globes trug. Emmas Mugler-Look ist elegant und edgy und so auf den Punkt, dass er eigentlich direkt auf die Einladung gedruckt gehört hätte.
Ihr Kleid war ein handbemaltes Kunstwerk, unter anderem inspiriert von Der Garten in Arles von Vincent van Gogh. Besonders spannend: Statt klassischer Modefarben wurden echte Materialien aus der Malerei verwendet. In Zusammenarbeit mit Mugler-Creative-Director Miguel Castro Freitas arbeitete die Künstlerin Anna Deller-Yee rund 40 Stunden an dem Kleid, nutzte etwa 30 verschiedene Grundfarben, die sie individuell mischte, und liess das Ganze anschliessend mehrere Tage trocknen.
So wurde Emma – deren Vater übrigens Maler ist – selbst zur Leinwand und hat den Dresscode nicht nur erfüllt, sondern auf ein ganz neues Level gehoben.
Flop: Lauren Sánchez Bezos in Schiaparelli
Monatelang hat Frau Bezos überlegt, was sie tragen soll – und dann kam DAS dabei heraus? Ja, zähneknirschend muss ich zugeben, dass sie den Dresscode erfüllt hat. Oder sagen wir: Sie hat die Aufgabe verstanden. Das Kleid ist eine Referenz an das skandalträchtige Ölgemälde Portrait of Madame X (1883–84) von John Singer Sargent, das Virginie Amélie Avegno Gautreau zeigt – eine in Amerika geborene Pariser Salonlöwin. Für Aufsehen sorgte das Bild damals in seiner ursprünglichen Version wegen eines heruntergerutschten Schulterträgers.
Tja, mit Skandalen kennt sich Madame B ja ebenfalls aus. Insofern: ein Zusatzpunkt für Selbstironie. Ach, ich sehne mich nach einer Zeit, in der ein verrutschter Träger noch für Schnappatmung gesorgt hat.
Und das Kleid selbst? Ehrlich gesagt: Das ist das langweiligste Stück, das ich jemals von Daniel Roseberry gesehen habe. Viel mehr lässt sich dazu kaum sagen – tut mir leid, aber ich sehe nur Brüste.
Stv. Chefredaktorin Leandra Nef
Top: Sarah Paulson in Matières Fécales
Dass nach Durchsicht aller Red-Carpet-Künstler:innen einzig und allein eine die Top-Liste zum Dresscode «Fashion Is Art» anführen kann – nämlich Emma Chamberlain, ihr seht ihren Look bei meiner Kollegin Jackie oben – (und sich auf Platz 2 Paloma Elsesser einreiht) steht für mich ausser Frage.
Da sich Jackie und ich aber nicht ständig selbst beweihräuchern können in unserer Auswahl, möchte ich an dieser Stelle auf das beste Accessoire des Abends eingehen: Ein perforierter 1-Dollar-Schein, den sich Schauspielerin Sarah Paulson wie eine Maske vor die Augen pappte. Geld macht blind, soll das wohl heissen. Fashion Is Art is … calling out the 1% – bei deren eigener Sause. Sind wir ganz bei dir.
Flop: Heidi Klum in Mike Marino
Okay, ich versteh schon: Fashion Is Art is … eine Jahrtausende alte Statue. Genauer: Die Statue einer verhüllten vestalischen Jungfrau, einer hoch angesehenen Priesterin im antiken Rom. Und der Look ist gut gemacht! Wenn man zu lange draufstarrt, glaubt man tatsächlich, eines der berühmten Werke des italienischen Bildhauers Raffaele Monti zu erkennen, der für seine hyperrealistischen, scheinbar transparenten Marmorschleier bekannt war. Leider sah Heidi Klum in ihrem Look trotzdem aus, als hätte sie sich im Datum geirrt – 31. Oktober statt 1. Montag im Mai – und sei statt zur Met-Gala zu ihrer eigenen, berühmtberüchtigten Halloween-Party unterwegs. Dort übrigens würde ich die Tech-Bros gern mal sehen.
Chefredaktorin Barbara Loop
Top: Eileen Gu in Iris van Herpen
Wer sagt denn bitte, dass Kunst nur aus Gemälden, alten Meistern und in Stein gehauenen Faltenwürfen besteht? Nun gut, das Metropolitan Museum of Art gehört nicht zu den avantgardistischen Institutionen der Kunstwelt, dafür soll angeblich das Costume Institute sorgen. Und nur ein paar wenige Looks an der diesjährigen Met Gala brachen aus der klassischen Kunstsammlung aus, wie das Seifenblasenkleid von Iris van Herpen, getragen von Freestyle-Skifahrerin Eileen Gu. Schaumschläger sind die anderen.
Flop: Kim Kardashian in Allen Jones
Was hat es bloss mit diesen Brüsten auf sich? Lauren Sanchez setzte ihr Vermögen und ihr Dekolleté in Szene, und Kim Kardashian erschien im Brustpanzer, die Nippel ragen spitz in die Höhe. Kardashian arbeitete für diesen Look mit dem britischen Popart-Künstler Allen Jones zusammen. Doch was Sanchez und Kardashian entgeht: Diese Provokation funktioniert nur in einer Welt, in der Obszönität noch etwas ist, das mit Scham besetzt ist.
Fashion Editor Noëmi Leonhardt
Top: Rihanna in Maison Margiela
Die Met ist doch erst die Met, wenn die beiden endlich den roten Teppich überquert haben. Rihanna und A$AP Rocky sind mittlerweile mehr als nur Stammgäste – für mich sind sie die absoluten Profis. Ich würde sogar sagen: die Royals der Met. Und die beiden haben auch dieses Jahr wieder geliefert.
Rihanna in einem massgeschneiderten Look von Maison Margiela bei Glenn Martens. Fast wie eine Skulptur erschien sie mir. Die drapierte Silhouette, inspiriert von mittelalterlicher flämischer Architektur, kombiniert mit einem Art-déco-Kopfschmuck. Während gefühlt alle anderen Frauen auf maximale Sexyness setzten – ja, ich meine Lauren Sánchez und all die Kardashian-Jenner-Töchter – hat Rihanna das Motto verstanden und setzt auf Mode als Kunst. Und dann noch daneben ihr Mann, A$AP Rocky, irgendwo zwischen Dandy und Kunstfigur, in einer rosafarbenen Wollrobe von Matthieu Blazys Chanel. I loved it!
Flop: Kris Jenner in Dolce & Gabbana
Ernsthaft? Ein Kimono-Look? Wir sind im Jahr 2026. Ich kann es kaum glauben. Viel gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen – ausser, dass ich sprachlos bin. Und dann ist der Look natürlich auch noch von Dolce & Gabbana. Der Brand, der es schafft, seine eigenen Skandale immer wieder aufs neue zu übertreffen. Von der «Spaghetti essenden» und stereotypisierten China-Kampagne über homophobe Aussagen bis hin zu Steuerhinterziehung. So viele Aussagen und Aktionen, die die Brand eigentlich auf eine inoffizielle Blacklist gesetzt haben. Kris Jenner interessiert all das aber offensichtlich überhaupt nicht.
Lifestyle-Redaktorin Linda Leitner
Top: Nicole Kidman in Chanel und ihre Tochter Sunday Rose in Dior
Nicole Kidman erschien in dem Blut, das sie gezahlt hat, um die Veranstaltung neben Lauren Sanchéz Bezos als Co-Vorsitzende milde lächelnd zu hosten. Die Wunden sind frisch: Darauf weist das tiefe, glänzende Rot hin, an Armen und Hüfte die Spuren eines Gemetzels.
Trenne ich Werk vom Künstler und Nicole Kidman von den Umständen, dann muss ich zugeben: für diesen massgeschneiderten Chanel-Traum von Matthieu Blazy würde auch ich sterben. Schönste Mittäterin des Abends ist Kidmans Tochter Sunday Rose, deren Dior-Look den guten alten Claude Monet zu Fall bringen würde: in einem Kleid, wie ein just mit frischer Farbe und wildem Duktus gemalter Seerosenteich, dessen Blüten am transparenten Rock zu Boden rieseln. Ja, verdammt, die Fassade bröckelt.
Flop: Jeff Bezos
Es stinkt, Jeff Bezos' Geld. Man könnte vieles kaufen – Haare zum Beispiel oder weitere eine grossbusige Frau –, Stil aber bekanntlich nicht. Bebilderung: unnötig.
Social Media Editor Vanessa Vodermayer
Top: Zoë Kravitz in Saint Laurent
Dass ich für die Schauspielerin girlcrushe habe ich schon einige Male offenbart. Was würde ich doch für ihre Coolness geben! Und erst recht ihren Stil! An ihrer 11. Met-Gala zeigte sich Kravitz in einem eleganten Dress aus Guipur-Spitze und baskischer Taille von Saint Laurent. Die passenden Schmuck-Details stammen von Jessica McCormack.
Apropos Schmuck: An ihrem sorgfältig hinter dem Rücken versteckten linken Ringfinger soll ab dem Gala-Dinner ein Verlobungshinweis gesteckt haben. Ich glaube ja fest daran, dass hinter den tadellosen Partner-Look-Auftritten von ihr und Harry Styles keine Marketing-Aktion steckt.
Flop: Mark Zuckerberg in Prada
Es gibt Kombinationen, die meiner Meinung nach keine sein sollten. Katy Perry und das All, Gym-Bros und Skinny Jeans, Rosinen und allerlei Gerichte. Oder eben: Mark Zuckerberg und die Met-Gala. Klar, bei einem Spendenanlass (der Tisch kostet umgerechnet circa 274'499.75 Franken) geht es um Spenden und diese wiederum sollen gerne auch von denen stammen, für die sie erschwinglich sind. Aber die Anwesenheit mehrerer Tech-Titane unterstreicht ihren Einfluss in der Modeindustrie (gute Gedanken dazu lest ihr übrigens im Kommentar von Kollegin Jacqueline Krause-Blouin).
Dass der Zuckerberg an diesem Abend fehl am Platz war, wusste er vermutlich selbst. Er schwänzte den Treppenaufgang über den roten Teppich und liess sich von der Anwesenheitsliste für Fotograf:innen und Reporter:innen streichen. Geblitzt wurde er natürlich dennoch. In einem schlichten Prada-Anzug, der dem Dresscode «Mode ist Kunst» überhaupt nicht gerecht wurde. Langweilig.
Modepraktikantin Alina Pohl
Top: Sabine Getty in Ashi Studio
Stars wie Zendaya, Kylie Jenner, Margot Robbie und Teyana Taylor tragen regelmässig seine Kreationen. Und nun folgt Sabine Getty mit diesem atemberaubenden Auftritt. Die Rede ist von Mohammed Ashi, dem Designer hinter Ashi Studio. Wie aus einem Gemälde gestiegen sieht die Schweizer Schmuckdesignerin in dieser Robe mit Korpus aus und ich finde, damit wird sie dem Motto «Fashion is Art» mehr als gerecht. Ein besonderes Detail: die aufgemalte Hand inklusive Ring, die ihre echte Hand 1:1 imitiert, während Getty ihre eigene Hand mit demselben Ring elegant etwas darunter positioniert hat. Fantastisch!
Flop: Katy Perry in Stella McCartney
Es wirkt fast so, als wollte Katy Perry uns noch mal an ihren absolut uncoolen Move aus April 2025 erinnern, als sie mit Jeff Bezos’ Frau und Co. für einen kurzen PR-Trip ins All geflogen ist. Diese Stella-McCartney-Maske gibt mir jedenfalls starke Astronauten-Vibes. Leider kann auch die Robe der Designerin, die ja durchaus für ihr Umweltbewusstsein bekannt ist, weder diesen Auftritt ausgleichen noch die Tonnen an CO₂, die für Katy Perrys Weltraum-Ausflug verbraucht wurden.