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Postkarte aus dem Zürcher Niederdorf

Stil

Postkarte aus dem Zürcher Niederdorf

  • Text: Frank HeerFotos: Frank Blaser

Postkarte aus Zürich: Ein Wiedersehen mit alten und neuen Cafés, Bars und Restaurants im Niederdorf.

Das Zürcher Niederdorf, einst angesagtestes Schweizer Ausgehquartier, ist heute stiller – aber nicht weniger charmant. Ein Wiedersehen mit alten und neuen Cafés, Bars und Restaurants.

Goethe und Lenin wohnten im Zürcher Niederdorf, hielten es aber nicht lange aus. Auch die Gründer der Dada-Kneipe Cabaret Voltaire – Tristan Tzara, Hans Arp und Richard Hülsenbeck – zogen weiter nach Berlin, Paris, New York. Die bürgerliche Enge in den alten Gassen provozierte schon manch grossen Gedanken. Nur Zwingli schaffte hier das Unmögliche: eine Revolution. Trotzdem dürfen die Zürcher stolz sein auf ihr Dörfli. Es ist im Gegensatz zu anderen Schweizer Altstädten noch kein Freilichtmuseum, sondern ein richtiges Quartier. Und es ist bildhübsch. An jeder Ecke ein Postkartensujet – wenn nicht gerade Ströme von Touristen und Shoppern daran vorbeiziehen. Diese sind übrigens vom Erdboden verschluckt, bewegt man sich ein paar Schritte ins Labyrinth der Seitensträsschen. Am schönsten ists im Niederdorf sowieso am Morgen, wenn weiss beschürzte Kellner auf die leeren Gassen tischen. Doch seit der Liberalisierung des Gastgewerbes ist es auch abends ruhiger geworden. Restaurateure spüren die Konkurrenz der neuen Ausgehmeilen an der Langstrasse und in Züri-West. Das wiederum schätzen Quartierbewohner, die nun in den Beizen wieder ungestört revolutionäre Pläne schmieden können.

Ausgehtipps  – Ein Tag im Zürcher Niederdorf

Morgens
Teecafé Schwarzenbach
Das Traditionshaus für Kolonialwaren führt gleich neben dem Ladenlokal ein winziges Teecafé. Einen Platz zu ergattern, ist Glücksache. Doch morgens, bevor Shopper und Langzeitzeitungsleser das klassisch moderne Interieur besetzen, sind die Polster meist noch frei. Gebraut wird Kaffee aus der eigenen Rösterei.
Münstergasse 19, Tel. 044 261 13 80, www.schwarzenbach.ch

Café-Bar Neumarkt
Hier darf sich der Gast ein wenig in Paris, Milano oder Wien wähnen. Die Kellner tragen Schürzen; Tresen, Wände und Bistrotische sind alt, doch gepflegt. Noch herrscht in der beliebten Feierabendbar entspannte Morgenruhe.Nur die Zeitungen rascheln, Dielen knarren, Kaffeetassen klimpern.
Neumarkt 5, Tel. 044 267 64 11, www.wirtschaft-neumarkt.ch

Henrici
Nach glücklosen Vorpächtern scheint nun die passende Idee ins ehemalige Restaurant Franziskaner eingezogen zu sein. Das exotische Wanddekor ist Geschmacksache, geschmackvoll die Speisekarte: gute (politisch korrekte!) Kaffeeauswahl, frische Teesorten, Suppen, Sa¬la¬te, Gebäck und Weltklasse-Flammkuchen. Die Terrasse bleibt ein guter Beobachtungsposten.
Niederdorfstrasse 1, Tel. 044 251 54 54, www.cafe-henrici.ch
Mittags
Rheinfelder Bierhalle
Die Rheinfelder Bierhalle (nicht zu verwechseln mit dem Rheinfelder Bierhaus, «em bluetige Tuume») ist seit 1870 eine Institution der bürgerlichen Fleischküche. Und es stimmt noch immer: Hier sitzen Touristen neben Büezern neben Bankern neben Studenten neben Stadtoriginalen, als wäre nichts. Es ist laut, es ist hell, es geht schnell – und es ist gut!
Niederdorfstrasse 76, Tel. 044 251 54 64, www.rheinfelder.ch

Ban Song Thai
Eines der stadtbesten Thai-Restaurants. Winzig, edel, authentisch. Gekocht wird ohne Geschmacksverstärker, das Curry ist perfekt, der Papayasalat schmeckt preisverdächtig.
Kirchgasse 6, Tel. 044 252 33 31, www.bansongthai.ch

Metzgerei Zgraggen
Highlight unter der Vitrine: der Wurst-Käse-Salat. Idealer Ort für den Verzehr: das Hinterhofpärklein an der Leuengasse.
Stüssihofstatt 10, Tel. 044 251 36 93

Piadina-Bar
Frische Panini mit frischen Zutaten in sympathischem Bistro, sehr lecker, sehr italienisch, sehr Niederdorf.
Niederdorfstrasse 2, Tel. 044 251 65 94

Saftladen
Flüssignahrung to go in Form von frisch gepressten Frucht- und Gemüsesäften, aber auch Suppen, Salate, Kaffee, Sandwichs. Bunt, sympathisch, gut.
Münstergasse 31, Tel. 044 262 03 31, www.saftlade.ch
Nachmittags
Gran Café
Das Limmatquai, vor allem berühmt für seine Schuhladendichte, hat mit dem alten Gran Café das einzige klassische Strassencafé mit Pariser Flair und abgeschabter Eleganz verloren. Bei Redaktionsschluss befand es sich im Totalumbau. Wir hoffen, dass das neue Café den alten Charme behält.
Limmatquai 66, Tel. 044 252 31 19

Café Schober
Achtziger und Neunziger waren geprägt von Aufbruch und Renovierungswahn, dem auch im Niederdorf alte Kaffeehäuser, Beizen und Trinkoasen zum Opfer fielen. Wie man Tradition stilvoll und einfallsreich in die Neuzeit retten kann, zeigt das Café Schober mit seinen bühnenhaften Räumen, prächtigen Tapeten, Polstergruppen und feiner Patisserie. Stammgäste schwören, es sei noch schöner als früher.
Napfgasse 4, Tel. 044 251 51 50, www.cafe-conditorei-schober.ch

Bar Hotel Altstadt
Sie ist leicht zu übersehen, die schmucke «Altstadt»-Café-Bar. Bistrotische, Zeitungen, Ruhe, Kaffee, gut assortierte Spirituosen, 365 Tage geöffnet. Noch Fragen?
Hotel Altstadt, Kirchgasse 4, Tel. 044 250 53 53, www.hotel-altstadt.ch

Läbis 1
Im alten Tante-Emma-Laden gibs heute neben Obst und frischem Gemüse und auch Griechisches und Orientalisches wie Tsatsiki und Hummus.
Brunngasse 6, Tel. 044 251 41 13, www.laebis.ch

Cabaret Voltaire
Das Dada-Haus ist auch ein Café. Und eine Bar. Das wissen die wenigsten. Weitersagen.
Spiegelgasse 1, Tel. 043 268 57 20, www.cabaretvoltaire.ch

Bodega Espanola
Die Tortilla ist in Ordnung, die Bedienung grimmig, doch was wir an der «Bodega» schätzen, ist der Eindruck, dass hier seit gefühlten 100 Jahren kein Franken für Sanierungsarbeiten verschwendet wurde. Danke.
Münstergasse 15, Tel. 044 251 23 10
Abends
Weinschenke Hotel Hirschen
Wir verraten es ungern, tun es aber trotzdem: Die Weinschenke im Keller des Hotels Hirschen hat auch eine Dachterrasse.
Niederdorfstrasse 13, Tel. 043 268 33 33, www.hirschen-zuerich.ch

Restaurant Hirschberg
Kein Geheimtipp mehr, doch immer wieder exklusiv, wenn man es schafft, einen der wenigen Tische zu reservieren. Mediterran die Küche, einfallsreich die Karte. Auf dem Teller nur Marktfrisches. Der Fisch war sensationell, das gefüllte Kalbsfilet ein Traum, der sizilianische Merlot eine Entdeckung. Nicht billig, aber der Trip lohnt sich.
Seilergraben 9, Tel. 044 262 63 63, www.restaurant-hirschberg.ch

Isebähnli
Es ist klein und an einem frühen Mittwochabend bereits voll. Das «Isebähnli» liegt versteckt und ist trotzdem ein Selbstläufer. Die Einrichtung schlicht, die Auswahl der offenen Weine erfreulich, das Tatar scharf gewürzt. Der Kellner: «Beim zweiten Mal machen wirs dann noch schärfer!»
Froschaugasse 26, Tel. 043 243 77 87

Raclette-Stube
Das Zürcher Käse-Eldorado! Manche schwören auf das beste Raclette, andere auf das beste Fondue der Stadt.
Zähringerstrasse 16, Tel. 044 251 41 30, www.raclette-stube.ch

Restaurant Toscano
Schon verrückt, aber im Niederdorf gibts mehr Pizza und Pasta als Rösti und Gschnätzlets. Wer abseits vom Italo-Mainstream italienisch tafeln will, tut gut an einem Abstecher nach Milano, etwa ins Ristorante Toscano, schön versteckt an der Schmidgasse.
Schmidgasse 3, Tel. 044 261 54 50, www.ristorante-toscano.ch

Restaurant Tank
Ganz früher war hier die legendäre «Reblaus». Spätere Nachmieter an der Stüssihofstatt hatten weniger Glück. Mit dem Restaurant Tank, spezialisiert auf Grilliertes, scheints nun wieder zu klappen. Das Lokal ist freundlich umgebaut, nicht unnötig aufgepimpt, die Spare Ribs sind lecker, die Burger toll.
Stüssihofstatt 15, Tel. 043 243 61 43, www.restaurant-tank.ch

Restaurant Zum Grünen Glas
Man muss es suchen, das «Grüne Glas» – aber es lohnt sich. Das romantische Bistro mit Garten versteckt sich in einer Seitengasse in der Nähe des Kunsthauses. Auf der Speisekarte stehen Traditionelles wie Zürcher Geschnetzeltes und Überraschendes wie Asiatisches Rindstatar mit Mango-Chutney und Wasabi.
Untere Zäune 15, Tel. 044 251 65 04, www.gruenesglas.ch
Nachts
Tina-Bar
Gut möglich, dass hier schon Lenin verkehrte, angesichts des kommunistisch roten Plüschmobiliars. Hier gibts keine Musik, hier wird gedämpft gesprochen, der Barkeeper stammt wohl noch aus der Gründerzeit und weiss, wie man einen Dry Martini mixt.
Niederdorfstrasse 10, Tel. 044 250 59 53

Restaurant Schlauch
Einige kommen wegen der Vollwertküche, andere wegen der günstigen Preise. Andere wegen der stadtweit schönsten Billardhalle. Nicht mehr wegzudenken seit 1920.
Obere Zäune 17, Tel. 044 251 23 04

Safari-Bar
Das exotische Dekor in der einstigen Hells-Angels- und Milieukneipe überlebte schon manchen Besitzerwechsel. Längst ist die Safari-Bar ein Züri-Klassiker und war bei ihrer letzten Übernahme vor fast zwanzig Jahren stilbildend für eine neue, junge Ausgehszene.
Zähringerstrasse 29, Tel. 044 262 12 40

Züri-Bar/Kontiki
Drei Theken unter einem Dach: links die legendäre Züri-Bar, rechts das «Kontiki» für Freunde harter Rockmusik, darüber im 1. Stock die Lounge, die auch in London oder Brooklyn sein könnte. Hier scheppern mal The Sonics, dann wieder Johnny Cash aus den Lautsprechern, das Interieur ist alt und abgewetzt. Angeblich fehlt dem Besitzer das Geld zur Renovation. Unser Rat: Alles lassen, wie es ist!
Niederdorfstrasse 24, Tel. 044 251 35 77 oder Tel. 044 261 88 74

Splendid-Bar im Hotel Splendid
So verschwörerisch wie das Neonschild über dem Eingang ist auch die Atmosphäre. Das Publikum ist dezidiert gesetzt, der Alleinunterhalter spielt Jazz und Schlager, an der Bar (ein Prachtstück!) tuscheln Paare. Erst nach Mitternacht, wenn viele Quartierbeizen schliessen, wird das «Splendid» zum Revier für Nachtvögel und Partylöwen jeden Alters.
Rosengasse 5, Tel. 044 252 58 50, www.hotelsplendid.ch

Wings Lounge
Irgendwie ein wunderbar abgefahrenes Barkonzept: die konsequent retro-modernistisch durchgestylte «Airlinebar» im mittelalterlichen Zunfthaus am Limmatquai. Ideal für einen Take-off-Drink in die Nacht.
Limmatquai 54, Tel. 043 268 40 55, www.wings-lounge.ch

T&M Club
In Zürichs erstem und ältestem Schwulenclub ist die Zeit in den Achtzigern stehen geblieben. Die einen lieben ihn gerade deshalb, den andern ist er nicht mehr cool genug. Ein wichtiges Stück Zürcher Schwulenkultur ist das «T&M» trotzdem. Unsere Lifestyle-Redaktorin tanzte kürzlich die ganze Nacht durch.
Marktgasse 14, Tel. 044 250 70 80, www.tundm.ch

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1.

Café Schober

2.

Rheinfelder Bierhalle

3.

Tina-Bar

4.

Cabaret Voltaire

5.

Isebähnli

6.

Café-Bar Neumarkt

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