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Schöne neue Arbeitswelt: So sehen die Büros der Zukunft aus

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Schöne neue Arbeitswelt: So sehen die Büros der Zukunft aus

Jennifer Kossow, Workplace Consultant und Innenarchitektin bei Rüegg-Naegeli, plädiert dafür, fixe Arbeitsplätze abzuschaffen – und auch mal nur fürs Feierabendbier ins Büro zu gehen.

Jennifer Kossow, alle reden über New Work. Was bedeutet der Begriff eigentlich?
New Work steht dafür, wie wir in Zukunft arbeiten: mobil, flexibel und selbstbestimmt. Mitarbeitende werden selbst entscheiden können, welche Arbeiten sie wann wo erledigen – zuhause, unterwegs oder im Büro. Das Büro der Zukunft dient dabei dem Austausch und der Kollaboration. Dafür braucht es Arbeitszonen, die die Kommunikation und Zusammengehörigkeit fördern. Wir brauchen also neue Räume. Und neue Leader.

Neue Leader?
Eine Person, die regelmässig remote arbeitet, muss anders geführt werden als eine, die fünf Tage die Woche am Pult neben einem sitzt. Führungspersonen, die das nicht verstehen, werden ihren Platz früher oder später räumen müssen.

Wie führt man Mitarbeitende remote?
Mit viel Vertrauen. Man darf nicht alle paar Minuten anrufen oder überprüfen, ob sie online sind. Mitarbeitende sind produktiver und kreativer, wenn sie selbstbestimmt arbeiten. Und sie denken unternehmerischer.

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Wie klappt die Zusammenarbeit auf Distanz möglichst reibungslos?
Wichtig ist, dass der oder die Vorgesetzte und das Team wissen, wann ich erreichbar bin – und wann nicht. Man darf nicht davor zurückschrecken, im Kalender einzutragen, dass man um zehn Uhr ins Yoga geht und um 17 Uhr den Sohn ins Fussball bringt. So was ist legitim und hat Platz in der neuen Arbeitswelt. Dafür arbeite ich am Abend zwei, drei Stunden länger.

Kann ich in dieser neuen Arbeitswelt auch mal einen Tag in die Badi und dafür am Samstag arbeiten?
Auf jeden Fall. Hauptsache, Sie kommunizieren das – und erledigen Ihre Arbeit. Und Sie dürfen natürlich keinen Kundentermin sausen lassen. Während der Arbeitszeit hat die Arbeit Priorität.

Verwässert New Work nicht vollends die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben?
Wir trennen Work und Life viel zu krampfhaft. Der Job ist ein grosser Teil unseres Lebens, die Grenzen dürfen verschwimmen.

Aber wo bleibt die Work-Life-Balance, wenn man ständig an die Arbeit denkt?
Die Vorteile überwiegen. Wenn ich ganztags arbeite und abends heimkomme, mich um die Kinder kümmere, dann gehe ich bestimmt nicht mehr ins Yoga. Wenn ich das hingegen um zehn Uhr tue, ist die Work-Life-Balance am Ende des Tages die bessere.

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Für die meisten Büroangestellten bleibt diese Flexibilität wohl Wunschdenken.
Vor zwei Jahren hätte ich Ihnen zugestimmt, heute nicht mehr. Durch die Pandemie haben viele Geschäftsleitungen erkannt, dass diese Art zu arbeiten bei Bürojobs funktioniert. Nun ködern sie die nächste Generation damit.

Braucht es das Büro bei diesen Zukunftsaussichten überhaupt noch?
Unbedingt. New Work bedeutet nicht, dass Mitarbeitende permanent zuhause arbeiten. Im Idealfall kommen sie regelmässig ins Büro, weil sie es als Homebase schätzen, als Ort, der die Unternehmensidentität widerspiegelt, ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt. Das Büro wird schlicht für anderes genutzt als früher.

Wofür konkret?
Um Kontakte zu pflegen. Für Workshops. Zur Inspiration. Der Austausch an der Kaffeemaschine wird seit jeher unterschätzt. Da wird schnell mal getuschelt: «Er macht schon wieder Kafipause» oder «sie steht schon wieder draussen und raucht».

Sie möchten nicht behaupten, Rauchen sei Arbeit?
Doch. Beim Rauchen kann man Gedanken weiterspinnen, möglich, dass auch so neue Ideen kommen.

Wie zeigt sich New Work räumlich? Einfach ein paar hippe Möbel ins Büro zu stellen reicht wohl nicht.
Keinesfalls. Bevor wir bei Rüegg-Naegeli einen Raum gestalten, analysieren wir das Unternehmen und seine Arbeitsweise. Wie wird zusammengearbeitet? Trifft man sich zu Sitzungen oder zu Workshops? Unterschiedliche Bedürfnisse verlangen nach unterschiedlichen Zonen, die akustisch voneinander getrennt werden.

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«Unsere Arbeitswelt verändert sich permanent, unsere Räume müssen dasselbe tun.»

Jennifer Kossow

Welche Zonen sind das?
Sogenannte Public Zones für den spontanen Austausch – so kann man auch mal nur fürs Feierabendbier ins Büro kommen. Ausserdem Workshopräume mit mobilen Möbeln. Unsere Arbeitswelt verändert sich permanent, unsere Räume müssen dasselbe tun.

Und was, wenn ich konzentriert einen Text schreiben möchte?
Dafür nutzen Sie einen Fokusarbeitsplatz. Die Schweizer Interiorfirma Erich Keller etwa lancierte in Zusammenarbeit mit dem Architekten und Designer Stephan Hürlemann jüngst ein Microoffice, das im Gegensatz zu den gängigen Besprechungs- und Telefonboxen nicht einfach als Objekt im Raum steht, sondern damit interagiert – von aussen kann man es zum Beispiel auch als Whiteboard nutzen. Es kommt mit höhenverstellbarer Arbeitsplatte und Stauraum. Ein Einzelbüro in der Box, sozusagen.

Einzelbüros sind doch jetzt verpönt?
Hierarchien werden immer flacher. Man will sie nicht mehr im Raum abbilden, weder mit einer Teppichetage noch mit Büros, die einer einzigen Person zugeordnet sind. Von einem Microoffice aber können alle profitieren.

Mal ehrlich: Am Ende zeigt sich doch gerade mit dem Wegfall der Einzelbüros, dass New Work nichts anderes ist als eine hübsch formulierte Sparübung.
Im Gegenteil, es ist eine Investition in die Zukunft.

Da werden Ihnen viele widersprechen. Auch jene Mitarbeitenden, die ihren fixen Arbeitsplatz verlieren – denn auch die verschwinden zusehends.
Sie fürchten, man nehme ihnen den Arbeitsplatz weg. Das Gegenteil ist der Fall: Sie haben einen altbekannten mit höhenverstellbarem Tisch und Bürodrehstuhl und fünf weitere dazu. Sie können am Fenster arbeiten, in der Lounge, im Café, auf dem Sofa, der Terrasse. Sie haben vielleicht die Möglichkeit, Homeoffice zu machen. Sie gewinnen.

Und was ist mit dem privaten Stauraum?
Seien wir ehrlich: Den hat seit fünf Jahren niemand mehr angerührt. Weniger Stauraum bedeutet vor allem eines: weniger Schrott.

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