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Watches and Wonders 2026: Uhren-Know-how zum Mitreden

Watches and Wonders 2026: Uhren-Know-how zum Mitreden

Heute beginnt in Genf die grösste Uhrenmesse der Welt Watches and Wonders. Wer jetzt mitreden will, sollte die wichtigsten Begriffe kennen – von Manufakturwerk bis Mondphase. Unsere Uhrenexpertin liefert das schnelle Know-how für den stilvollen Auftritt im Uhren-Talk.

  • Von: Monique Henrich
  • Collage: annabelle, Bilder: Swatch, Vacheron Constantin, Patek Philippe, Frederique Constant, Blancpain, Omega

Quarz oder Mechanik?

So outet ihr euch als Kenner:in auf den ersten Blick: Der Sekundenzeiger einer mechanischen Uhr läuft fliessend über das Zifferblatt. Die elektronische Uhr (Quarz) wird von einer Batterie angetrieben, dabei «hüpft» der Sekundenzeiger über die Ziffern. Die Batterie sorgt für präzise Ganggenauigkeit ohne Stillstand. Bei Uhren mit mechanischem Werk, Automatik oder Handaufzug sind minimale Sekundenabweichungen Teil des Charmes.

Manufakturwerk

Eine Uhr mit Manufakturwerk gehört unter den mechanischen Uhren zu den hochwertigeren, weil das sogenannte Kaliber in der hauseigenen Horlogerie konzipiert und angefertigt wird: Diese massgeschneiderte Handarbeit ist teurer als ein standardisiertes Konfektionswerk. Die Bezeichnung Manufakturwerk ist nicht geschützt: Fragt nach, ob der Hersteller das Uhrwerk nur veredelt und zusammengebaut hat oder ob Einzelteile in den eigenen Ateliers angefertigt wurden. Das hat Auswirkungen auf den Preis.

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"Minimale Sekundenabweichungen sind kein Fehler – sie sind Teil des Charmes mechanischer Uhren"

Lieblingsuhr Mondphase

Gemäss Statistiken der Fachhändler:innen sind Uhren mit Mondphasenanzeige bei Frauen besonders beliebt. Grund soll die Berechnung des Monatszyklus sein, da die Mondphase meist auch mit einer Datumanzeige gekoppelt ist. Astronomisch dauert die Mondphase genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Die Mechanik gilt als kleine Komplikation wegen des speziell konstruierten Räderwerks mit 59 Zähnen (2 × 29,5 Tage), die die sichtbare Scheibe automatisch bewegen. Uhren mit Mondphasenanzeige gibt es in einfachen bis luxuriösen Ausführungen.

La Grande Complication

Schon der französische Name verdeutlich: Eine grosse Komplikation ist ein mathematisch und uhrmacherisch kompliziertes Meisterwerk. Um in diese Kategorie aufzusteigen, müssen drei Funktionen erfüllt sein: Minutenrepetition – sie schlägt akustisch die Stunde –, ein ewiger Kalender – er zeigt Wochentag, Datum, Monat/Mondphase und Schaltjahre an – sowie ein Chronograph mit Schleppzeiger zum Stoppen von Zwischenzeiten. Paradestück, nach acht Jahren Entwicklungszeit, ist die Solaria Ultra Grande Complication La Première von Vacheron Constantin. Im 45-mm-Gehäuse sind 41 Komplikationen, fünf astronomische Funktionen und 1521 Komponenten eingebaut.

Echt oder Fake?

Beim Schlendern auf dem Flohmarkt oder in einem Uhrengeschäft, abseits renommierter Adressen, sticht euch eine begehrte Markenuhr ins Auge – zum Schnäppchenpreis. Natürlich habt ihr kein Uhrmacherauge – fachmännisch Okular genannt – zur Hand. Fragt die Verkäufer:innen nach einer Lupe. Erster Test: Checkt das Logo, die Ziffern, die Bezeichnungen. Sind sie unscharf, franst die Schrift aus, wirkt sie verschmiert oder gibt es Unreinheiten auf dem Zifferblatt? Ja? Legt die Uhr wieder zurück – sie ist fake.

Das ist CPO

CPO steht für «Certified Pre-Owned» – geprüfte Uhren aus Vorbesitz. Seit Ende der 1990er-Jahre haben Online-Plattformen diesem Segment zu einem regelrechten Boom verholfen. Unter den Schweizer Uhrenhändlern war Bucherer mit eigenen CPO-Salons Trendsetter, heute ist das Luzerner Unternehmen auch Partner des Rolex Certified Pre-Owned Programms. Mittlerweile bieten auch Luxus-Manufakturen wie Jaeger-LeCoultre oder Cartier ihre Edel- und ikonischen Vintageuhren auf eigenen Plattformen an. CPO-Uhren sind zwar günstiger als neue Uhren, aber keine Schnäppchen. Das Echtheitszertifikat vom Hersteller mit meist zweijähriger Garantie hat seinen Preis. Falls ihr den Kauf eines CPO-Modells erwägt: Nie, wirklich nie von einer Second-Hand-Uhr reden.

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"Eine echte Taucheruhr muss drei Dinge können: Zeit messen, Druck aushalten – und im Dunkeln lesbar bleiben"

Uhren wie Kunstwerke

Les Métiers d’Art, zu Deutsch Kunsthandwerk, behalten auch umgangssprachlich ihren französischen Schliff. In den 1980ern verschmäht, heute heiss begehrt. Die Raffinesse des Gravierens, Emaillierens, des Fassens von Edelsteinen oder der Technik der Holzfurniere beherrschen nur genial Begnadete. Ihre Werke auf Zifferblättern und meist 44-mm-Gehäusen sind exklusiv als Einzelanfertigungen oder in Kleinstserien erhältlich. Die Genfer Nobel-Manufaktur Patek Philippe fördert und pflegt die Handwerkskünste seit 1839. Hier könnt ihr auf patek.com Highlights und Techniken bewundern – nehmt euch Zeit, ihr werdet süchtig, garantiert.

Drei Musts für die Taucheruhr

Taucheruhren sind populär, ihre Auswahl vielfältig. Drei Funktionen sind für eine echte Taucheruhr unverzichtbar:

  1. Drehlünette mit Zahlen und spezieller Nullmarkierung. Vor dem Tauchgang auf die Position des Minutenzeigers gedreht, zeigt sie die Dauer unter Wasser an. Der drehbare Zahlenring ist nur gegen den Uhrzeigersinn verschiebbar.
  2. Eine Taucheruhr muss mindestens 200 Meter (20 bar) wasserdicht und druckfest sein.
  3. Zifferblatt, Zeiger und Lünettenmarkierung müssen auf Armlänge auch bei Dunkelheit klar lesbar sein.
    Und falls ihr nicht gerade abtaucht: Die Taucheruhr ist auch ein perfektes Küchentool – etwa zum Eierkochen à la minute.

Warum geht die Uhr vor oder nach?

Steht ihr mit eurer mechanischen Uhr oft am Induktionskochherd? Tragt ihr Bluetooth-Kopfhörer? Hat eure Handtasche einen Magnetverschluss? Allgegenwärtige Magnetfelder bringen die hundertstel Millimeter dünne Spirale, das Herzstück der Uhr, aus dem Gleichgewicht: Der Zeitmesser stockt oder rennt. Nur Entmagnetisieren hilft. Euer Uhrmacher oder eure Uhrmacherin kann die Zeit-Balance rasch und vor Ort wiederherstellen. Mechanische Uhren mit Siliziumspiralen und Quarzuhren sind weniger anfällig. Erkundigt euch im Fachgeschäft, was der Spiralen-Winzling im Uhrwerk leistet – ihr werdet fasziniert sein.

Kondenswasser

Unter dem Uhrenglas bilden sich nebelartige Tröpfchen, was bei heftigen Temperaturschwankungen, bei schweisstreibendem Sport oder im Regen passieren kann. Erste Hilfe: Zieht die Krone – die undichteste Gehäusestelle – bis zum Stopp heraus und legt die Uhr auf einem Tuch auf die warme Heizung, bis die Feuchtigkeit verdampft. Oder packt sie in feuchtigkeitsabsorbierenden Trockenreis (kein Risottoreis – zu mehlig). Wenn das Uhrglas wieder klar ist: ab ins Fachgeschäft zum Check. Hat sich die Krone gelockert oder zeigen sich hauchfeine Risse im Glas? Gut zu wissen: Eine wasserresistente Uhr bis 30 Meter (3 bar) schützt nur gegen Spritzer beim Händewaschen oder starkes Schwitzen. Erst ab 100 Meter (10 bar) ist sie wirklich wasserdicht.

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