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Microblading: Schnitte für die Schönheit

Redaktion: Viviane Stadelmann; Video: Tiziana Rohrer; Foto: iStock

Der Microblading-Trend ist aus den USA längst zu uns geschwappt – und doch trauen sich viele noch nicht, sich unters Messer zu legen. Unsere Autorin hat es gewagt.

Volle, dichte Augenbrauen – aber bitte so natürlich wie möglich: Das verspricht die semi-permanente Tattootechnik, die zurzeit boomt. Mit einer hauchdünnen Diamantklinge werden kleine Schnitte in die Augenbrauen geritzt, um diese dann mit Tattoofarbe aufzufüllen. So entsteht eine feine Härchen-Optik, die kaum von der eigenen Brauenbehaarung unterschieden werden kann. Damit sollen Lücken in den Augenbrauen gefüllt, zu dünne oder ganz verlorene Augenbrauen (beispielsweise nach einer Chemotherapie) nachgezeichnet werden können.

Die Recherche nach einem geeigneten Studio steht am Anfang und sollte mit Bedacht getätigt werden. Microblading-Angebote schiessen zurzeit wie Pilze aus dem Boden – nicht alle sind kompetent. Ein verpfuschtes Resultat zu entfernen, ist äusserst schwierig und dauert mit Laserbehandlung bis zu einem Jahr. Vor dem Termin sollten Fotos verglichen und sich vor Ort ein Bild gemacht werden. Informieren Sie sich auch, welche Farbe verwendet wird: Zwar unterliegen die Microblading-Farbstoffe der Tättowiermittelverordnung, sehr selten kann es aber trotzdem zu allergischen Reaktionen kommen. Bei extrem sensibler Haut und Allergikerinnen empfiehlt Microblading-Expertin Gigi Lükel von Brauenkult Zürich, vorab einen Testschnitt an einer unauffälligen Stelle zu machen. Sie arbeitet ausserdem ausschliesslich mit veganer Farbe, die keine Giftstoffe oder Metalle in den Pigmenten enthält.

Als Erstes zeichnet Gigi Lükel die Brauenform auf. Nachdem ich zustimme, der erste Schnitt: Autsch, aber der Schmerz ist durchaus aushaltbar. Es fühlt sich an, als würde ein Cutter über die Augenbrauen kratzen. Am meisten Mühe bereitet mir das Geräusch: «Chhhrrrt, chhrrrt, chhrrrt», tönt es mit jedem Schnitt, und man spürt, wie das Messer durch die oberste Hautschicht dringt. Um es noch ein wenig unangenehmer zu machen, bekomme ich bei der linken Augenbraue einen sich alle paar Minuten wiederholenden Niesanfall. «Bei einigen Kundinnen verursacht das Bladen ab und zu einen Niesreiz», sagt Gigi Lükel und reicht mir ein Taschentuch.

Der Blick in den Spiegel nach dem Bladen zeigt mir haarfeine Schnitte, die tatsächlich wie Haare aussehen. Die Brauenfarbe ist ein wenig dunkler als meine eigene und perfekt getroffen. Die Form ist etwas dünner als ich sie mir täglich mit dem Brauen-Make-up aufgezeichnet hatte. Zuhause dann erste Zweifel beim Blick in den Spiegel: Ist die Farbe nicht doch zu dunkel? Doch die Microblading-Artistin hat mich vorgewarnt: «Direkt nach dem Bladen und noch bis zu drei Tage später dunkelt die Farbe nach. Die richtige Nuance wird erst nach dem Heilungsprozess von zwei bis drei Wochen deutlich.»

Während der ersten Woche bin immer wieder unsicher, weil die Farbe zu dunkel scheint. Ich google, ob es wirklich heller wird. Auch deshalb entstehen in dieser Woche eine beschämend hohe Anzahl Selfies, weil ich meinem Spiegelbild nicht traue. Ich darf keinerlei Produkte auftragen, kein Wasser an mein Gesicht kommen lassen und muss die Brauen dreimal täglich abtupfen und eincrèmen. In der zweiten Woche habe ich mich langsam an die neuen Brauen gewöhnt. Niemand aus meinem Umfeld merkt etwas, ohne dass ich es anspreche. Die Farbe ist schon viel heller – und damit fügen sich die neuen Brauen jeden Tag ein bisschen besser in mein Gesicht ein. Nachdem sich der Schorf in der dritten Woche abgelöst hat und die Brauen komplett verheilt sind, sehe ich endlich das Endergebnis. Ich bin begeistert. So natürlich und symmetrisch sahen meine Augenbrauen noch nie aus – und das ohne jeglichen Produkte. Nach sechs Wochen muss ich zum Nachstechen, damit die neuen Augenbrauen auch ein bis zwei Jahre halten. Ausserdem können so Wünsche oder kleine Korrekturen angebracht werden.

Die Experten-Tipps:

  • Suchen Sie ein Studio, in dem die Hygiene an erster Stelle steht. Zwar heilen die Wunden bei der richtigen Technik gut, Keime sollten aber dennoch keinesfalls in die Wunde gelangen.
  • Fragen Sie beim Vortermin nach, ob Sie weiteres Fotomaterial erhalten können – verlassen Sie sich nicht nur auf Website oder Instagram-Account. Viele Bilder sind mittlerweile dreist aus dem Internet geklaut und mit einem falschen Logo versehen.
  • Achtung vor zu billigen Angeboten: Viele nennen sich Microblading-Artists, haben aber kein Zertifikat und kaum Erfahrung. Scheuen Sie sich nicht, nach Qualifikationen zu fragen. PhiBrows ist die führende Marke und Auszeichnung in diesem Bereich.
  • Nehmen Sie Pflegehinweise ernst: Unbedingt auf Wasser und Make-up verzichten, um ein optimales Farbresultat zu erzielen. Kratzen Sie den Schorf nicht ab, auch wenn es einige Tage etwas unschön aussehen kann.
  • Blutverdünnende Medikamente wie Aspirin sollten vor dem Termin nicht eingenommen werden.
  • Schwangeren und stillenden Frauen wird von der Behandlung abgeraten, um kein Risiko einzugehen.
Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über die kleinen und grossen Absurditäten des Alltags, genauso wie über Mode, Literatur und Kunst.

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