Interview mit Laurie Penny

«Wir müssen Netzwerke bilden»

Interview: Kerstin Hasse

  • Feministin, Autorin, Journalistin:

    Laurie Penny hat mit ihren Büchern «Fleischmarkt» und «Unsagbare Dinge» internationale Erfolge gefeiert. 

Die britische Journalistin und Autorin Laurie Penny besucht zum Weltfrauentag am 8. März die Schweiz. Die Feministin, deren Buch «Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus» international Erfolge feierte, ist überzeugt, dass in Zeiten von Trump und Brexit der richtige Moment gekommen ist, um zum Gegenschlag auszuholen. 

annabelle: Laurie Penny, am 8. März feiern wir den Tag der Frau. Was bedeutet dieser Tag für Sie im Jahr 2017?
Laurie Penny: Der Internationale Frauentag ist ein wichtiger Gradmesser, um zu sehen, wie weit wir gekommen sind und welche Fortschritte wir gemacht haben. Dieses Jahr mussten wir Frauen in Sachen Gleichstellung und Freiheit ein paar harte Rückschläge verkraften. Der Internationale Frauentag wird ohne Zweifel düsterer sein als auch schon – aber auch der richtige Zeitpunkt, um den Gegenangriff zu planen.

An einem Tag haben wir Trumps Inauguration gesehen, am nächsten demonstrierten Frauen und Männer auf der ganzen Welt für Frauenrechte. Wie erlebten Sie diese Proteste?
Sie zeigten mir, dass der Widerstand gegen die autoritäre und plündernde Herrschaftselite schneller, grösser und aufregender wird, als viele sich vorstellen konnten.

Nicht alle Frauen wissen, wie sie für ihre eigenen Rechte einstehen sollen, nicht alle trauen sich auf die Strasse oder wissen, wie sie konkret etwas in ihrem Leben ändern können. Was können Frauen in ihrem Alltag tun, um einen Unterschied zu machen?
Demonstrationen sind nicht die einzige Möglichkeit, um für sich selbst einzustehen. Es gibt so viele Möglichkeiten, um das eigene Leben und die Welt zu verändern. Im Moment geht es vor allem darum, neue Netzwerke zu bilden, Kontakte zu knüpfen mit Leuten, die sich gleich fühlen. Man sollte die Ressourcen einsetzen, die einem zur Verfügung stehen. Das kann Lobbying sein bei Politikern. Es können Diskussionen mit Freunden oder der Familie sein über rechtskonservatives Gedankengut und darüber, welche Gefahren davon ausgehen. Es kann auch einfach der Versuch sein, so gut wie möglich für sich selbst und andere zu sorgen. Emotionale Arbeit ist wichtiger als je zuvor in Zeiten der Krise, und diese Arbeit müssen wir nicht als etwas typisch Weibliches abtun, sondern anerkennen und als Waffe einsetzen.

Verstehen Sie den Vorwurf, dass Feminismus im vergangenen Jahr – vor allem von Celebritys – zu Popularitätszwecken eingesetzt wurde?
Ich sehe keinen Grund, weshalb eine Celebrity nicht eine stolze Feministin sein sollte, solange sie das Privileg ihrer Position in der Gesellschaft anerkennt. Niemand wird in ein perfektes politisches System hineingeboren – ausser vielleicht die Schweden. Wenn Feminismus nun cool ist und Leute sich dieser Bewegung anschliessen, weil sie fürchten, sonst die Hoffnung zu verlieren, dann ist das doch eine gute Sache, oder? Ich will nicht, dass meine Bewegung Leute ausschliesst oder elitär ist und sich nur für eine bereits überzeugte Gesellschaftsgruppe einsetzt. Ich will so viele Leute erreichen wie möglich.

Gewinnen Sie

Laurie Penny besucht anlässlich des Internationalen Frauentags Zürich. Wir verlosen in Zusammenarbeit mit dem Kaufleuten Zürich und Edition Nautilus 5x zwei Tickets für das Podium am 8. März sowie fünf signierte Ausgaben ihres Buches «Unsagbare Dinge. Sex Lügen und Revolution».

Allgemeine Bedingungen: Teilnahmeschluss ist der 4. März 2017. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Gewinn ist nicht übertragbar. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren. Mitarbeitende vonm Wettbewerbspartner und Tamedia sind von der Verlosung ausgeschlossen.

 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin findet Menschen und ihre Geschichten spannend. Egal ob die Geschichte traurig oder schön, klein oder gross ist – sie erzählt sie gern.

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