Gute Nacht

Beeinflusst der Mond unseren Schlaf?

Viele Menschen behaupten, sie würden bei Vollmond schlechter schlafen. Kann uns der Mond wirklich beeinflussen?

Der Mond ist populär: Sage und schreibe 92 Prozent der Deutschen glauben, er habe einen Einfluss auf ihr Leben. Und zwar mehrheitlich einen negativen. Bei Vollmond, sagt auch der Schweizer Volksmund, gebe es mehr Unfälle, Gewalt, Herzinfarkte und Wahnsinn – das englische lunatic (wahnsinnig) geht auf das lateinische Wort für Mond (luna) zurück. Aus wissenschaftlicher Sicht jedoch spricht kaum etwas dafür, dass wir uns in Vollmondnächten im Ausnahmezustand befinden. Jedenfalls hat man bis heute keinen statistischen Zusammenhang zwischen Mondphase und Kriminalität oder Klinikeinweisungen gefunden. Und dass es angeblich Tage gibt, die sich besonders gut für einen Haarschnitt oder zur Fusspflege eignen, ist bisher nicht erwiesen.

Wie steht es bei anderen Geschöpfen? Viele Pilzsammler sind felsenfest davon überzeugt, das Wachstum ihrer Lieblinge richte sich nach dem Stand des Mondes. Doch eine Untersuchung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft konnte hier keinerlei Zusammenhang finden. Etwas schwieriger ist die Beweislage bei den Pflanzen. Ob ein nach kosmischen Rhythmen angebautes Rüebli oder ein Rotwein, dessen Trauben bei Vollmond geerntet wurden, wirklich besser mundet, ist Geschmackssache. Bei Bäumen immerhin konnte eine Schweizer Studie zeigen, dass manche Holzeigenschaften mit der Mondphase zum Fällzeitpunkt variieren. Die Effekte sind allerdings subtil, und ob sich sogenanntes Mondholz wirklich besser zum Bauen eignet, ist ungewiss. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wieso Pflanzen, die sich von Licht ernähren, sich nach einem Gestirn richten sollten, das 400 000-mal schwächer scheint als die Sonne.

Bei Tieren ist das etwas anders: Für nachtaktive Arten kann das Mondlicht eine wichtige Rolle spielen – etwa bei der Nahrungssuche oder zur Synchronisation der Fortpflanzung. Afrikanische Mistkäfer orientieren sich mithilfe des Mondes, und Zackenbarsche treffen sich in Vollmondnächten zum Sex. Auffällig ist auch, dass in Nordamerika bei Vollmond mehr Hechte gefangen werden. Manche Fische, aber auch Meereswürmer, Muscheln oder Korallen besitzen eine innere Uhr, die sich nach dem Mond richtet.

Könnte es sein, dass auch der Mensch noch Resten einer solchen inneren Monduhr besitzt? Diese spekulative Vermutung hat der Basler Schlafforscher Christian Cajochen geäussert. Immerhin dürfte das Mondlicht für unsere Urahnen eine wichtige Rolle gespielt haben: Bei Vollmond kann man leichter jagen, aber auch gejagt werden – da wäre es gut, wachsamer zu sein als in normalen Nächten. Und tatsächlich zeigte sich in einer 2013 veröffentlichten Studie von Cajochen, dass die Versuchsteilnehmer in Vollmondnächten schlechter schliefen. Sie brauchten im Mittel fünf Minuten länger zum Einschlafen, schliefen zwanzig Minuten weniger lang und hatten kürzere Tiefschlafphasen. Da der Versuch in abgedunkelten Räumen stattfand, kann es sich dabei nicht um einen direkten Einfluss des Mondlichts handeln – als Erklärung kommt daher nur eine innere Monduhr infrage.

Doch Cajochen steht mit seiner Meinung ziemlich allein da: Viele Schlafforscher bemängeln, seine Studie habe zu wenig Teilnehmer gehabt, und halten ihm eigene Untersuchungen entgegen, wonach es keinen Zusammenhang zwischen Vollmond und Schlafqualität gebe. Das letzte Wort ist in dieser Sache aber nicht gesprochen. Bei vielen Leuten ist die Meinung ohnehin gemacht: In Umfragen behaupten vierzig Prozent der Menschen, sie würden bei Vollmond schlechter schlafen.

 

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Text: Mathias Plüss; Foto: iStock 

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