Verleihung

5 Emmy-Momente über die wir staunen

Text: Kerstin Hasse; Fotos: Getty Images

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Superstarke Worte von Lena Waithe:

Lena Waithe erhielt als erste afroamerikanische Frau einen Emmy für ausgezeichnetes Schreiben in der Rubrik Comedy. Zusammen mit Hauptdarsteller Aziz Ansari verfasste sie das Drehbuch zur Episode «Thanksgiving» der Serie «Master of None.» Die Schauspielerin dankte ihrer LGBT-Community mit bewegenden Worten: «Ich sehe jeden Einzelnen von euch. Die Dinge, die uns anders machen, das sind unsere Superkräfte. Jeden Tag, wenn ihr aus dem Haus geht, könnt ihr euch einen imaginären Umhang überwerfen und die Welt erobern – denn die Welt wäre nicht so schön, wie sie ist, wenn wir nicht Teil von ihr wären». Applaus bitte!

Diversity ja – aber bitte in Size Zero:

Rachel Bloom (die in der von ihr mitgeschriebenen und mitproduzierten Serie «Crazy Ex-Girlfriend» brilliert) eroberte den roten Teppich in einem Gucci-Kleid, dass sie sich selbst gekauft hat. Ja, richtig gehört. Wir haben uns ja mittlerweile daran gewöhnt, dass die Stars von grossen Designern wie Litfasssäulen über den roten Teppich geschickt werden. Wenn sie dann gefragt werden, was sie tragen, flöten sie strahlend die Namen der berühmten Modehäuser in die Kameras. Bloom erklärte einer Journalistin auf dem roten Teppich, dass dieser Deal bei ihr nicht funktioniert. «Ich habe das Kleid selbst gekauft, denn Gucci leiht mir kein Kleid.» Doch anstatt genervt zu sein, fügte sie an: «Ich bin mittlerweile erfolgreich, ich kann mir das leisten – es ist okay.» Naja, wir finden es eigentlich nicht okay, dass es bei vielen Designern noch immer nicht angekommen ist, dass auch ein kurviger Körper in einem schönen Kleid grossartig aussieht – aber wir mögen Blooms pragmatischen Optimismus. 

Melissa machts besser:

Der Moment, in dem Melissa McCarthy Regisseur Donald Glover einen Award für seine Regiearbeit bei der Comedy-Serie «Atlanta» übergab, erwärmte uns das Herz – schliesslich ist Glover der erste afroamerikanische Regisseur, der diesen Award erhalten hat. Und dann verriet Glover bei seiner Dankesrede auch noch, dass er bald Papi wird – ach, manchmal läufts einfach rund im Leben! Bei Sean Spicer war das in den vergangenen Monaten eher nicht so: Spicer wurde im Sommer als Pressesprecher im Weissen Haus entlassen – zuvor war er in zahlreichen Parodien von Melissa McCarthy in der Comedy-Serie «Saturday Night Live» durch den Kakao gezogen worden. Dass Spicer an der Verleihung nun selbst auftrat, und versuchte, seine politische Vergangenheit mit Ironie zu überspielen, kam beim Publikum nicht gut an. Und auch wir werden an Spicers politisches Engagement lieber mit einem Sketch von McCarthy erinnert. 

Geballte Frauenpower:

Als beste Dramaserie wurde «The Handmaid's Tale» ausgezeichnet, eine Serie, die auf dem gleichnamigen Buch der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood basiert. Insgesamt gewann die Serie acht Emmys (im Bild Ann Dowd, Elisabeth Moss und Alexis Bledel v.l.). Neben «The Handmaid's Tale» gehörten «Big Little Lies» und «Veep» zu den grossen Gewinnern des Abends – allesamt Serien, die starke Frauen in den Mittelpunkt stellen. 

Talent hat kein Alter:

Hollywood ist – wenn es ums Alter von Schauspielerinnen geht – unerbittlich. Künstlerinnen wie Emma Thompson oder Susan Sarandon haben sich schon mehrfach öffentlich darüber geäussert, dass ihnen ab einem gewissen Alter keine interessanten Rollen mehr angeboten wurden – fast so, als hätte Können ein Ablaufdatum. Umso schöner, dass die Serie «Big Little Lies», die von drei Frauen über 40 erzählt, gleich fünf Awards abräumen konnte. «Es war ein unglaubliches Jahr für Frauen im TV», sagte Reese Witherspoon, die die Serie mitproduzierte, und ihre Kollegin Nicole Kidman ergänzte: «Also mehr grossartige Rollen für Frauen bitte!» Danke Nicole – deinem Wunsch schliessen wir uns gern an. 

In amerikanischen Medien wird die diesjährige Emmy-Verleihung als vielfältigste aller Zeiten gelobt. Diversity ist das Wort der Stunde – auch für uns. Wir haben fünf besondere Momente des Abends zusammengestellt. 

Endlich Vielfalt! So lautete der Tenor einen Tag nach der Emmy-Verleihung in Los Angeles. Soll heissen: Für ein Mal waren es nicht nur weisse Männer und junge, dünne Frauen, die mit einem Award ausgezeichnet wurden. «Schon im dritten Jahr in Folge haben wir bei den Emmys die grösste Vielfalt bei den Nominierten», lobte Gastgeber Stephen Colbert. Wir klatschen natürlich auch in die Hände, wenn wir sehen, wie viele Frauen einen Emmy mit nach Hause nehmen konnten und dass endlich auch der Anteil an afroamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern, die ausgezeichnet werden, zunimmt. Wir wissen aber auch, dass noch einiges zu tun ist. Wenn wir beispielsweise erfahren, dass eine Schauspielerin aufgrund ihrer Kurven kein Kleid von einem grossen Modehaus ausleihen durfte, können wir nur den Kopf schütteln. Verständlich deshalb auch der bissige Kommentar von Dave Chappelle, der als Laudator auf der Bühne stand: «Ich fühle mich geehrt, hier zu stehen, und freue mich, dass so viele schwarze Leute hier sind – ich habe elf Personen auf dem Monitor gezählt!» Wie gesagt – es gibt noch viel zu tun. 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin findet Menschen und ihre Geschichten spannend. Egal ob die Geschichte traurig oder schön, klein oder gross ist – sie erzählt sie gern.

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