Filmkritik

Fifty Shades zum Gähnen

Text: Miriam Suter

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«Fifty Shades Darker», der zweite Teil der «Fifty Shades of Grey»-Reihe, läuft in den Schweizer Kinos. Wir haben den Film bereits gesehen und verraten Ihnen, warum Sie sich den Kinobesuch sparen können.

Die Geschichte der «Fifty Shades of Grey»-Romane ist schnell erzählt: Christian Grey ist Mitte 20, wahnsinnig reich, wahnsinnig gut aussehend und wahnsinnig traumatisiert. Als Kind wuchs er mit einer cracksüchtigen Mutter auf, die vom Vater geschlagen wurde und schliesslich an einer Überdosis starb. Christian wurde von einer wohlhabenden Familie adoptiert und geriet als Teenager in die Hände der wesentlich älteren Mrs. Robinson, die ihn in die Künste des BDSM-Sex einführte. Er fand Gefallen daran und kanalisierte sein Kindheitstrauma fortan durch ruppige Sexpraktiken mit Frauen, die sich ihm unterwerfen wollen. 

Dann tritt Anastasia Steele in das Leben des neureichen Jungunternehmers: Eine 21-jährige Literaturstudentin, die bis anhin keinerlei sexuelle Erfahrungen gemacht hat und Grey aufgrund ihres unterwürfigen Charakters sofort gefällt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Affäre, in der Anastasia von Christian Schritt für Schritt in die BDSM-Welt eingeführt wird – bis sich die beiden ineinander verlieben und von Christians Vergangenheit eingeholt werden.

Jedes Buch der Romantrilogie, welche die britische Autorin Erika Leonard unter dem Pseudonym E.L. James veröffentlichte, wurde bereits kurz nach der Veröffentlichung zum Bestseller und feierte Erfolge quer durch alle Altersschichten. Die Verfilmung des ersten Teils («Fifty Shades of Grey») erschien 2015 mit Dakota Jones und Jamie Dornan in den Hauptrollen, nun folgt Teil zwei: «Fifty Shades Darker», der dem Kinopublikum wohl höchstens ein müdes Gähnen abringen dürfte. Wir verraten Ihnen warum.

Die unfreiwillige Komik

Dakota Johnson und Jamie Dornan sehen super aus, keine Frage. Wer aber heissen Sex erwartet, wird in «Fifty Shades Darker» enttäuscht. Es gibt in den knapp zwei Stunden Film zwar viel davon zu sehen, dafür sind die Szenen sehr zahm – und teilweise sogar eher lustig als kribbelnd. Der Dirty Talk zwischen Christian und Anastasia beschränkt sich beispielsweise auf Sätze wie «Ich will dich» oder «Ich habe zu viele Kleider an». Hollywoodkino eben.

Die Beziehung zwischen Christian und Anastasia

BDSM steht für Bondage, Dominanz und Sadomaso. Dies sind Sexpraktiken, die viel Vertrauen und eine grosse Portion Selbstsicherheit erfordern. Beide Partner sollen sich auf Augenhöhe begegnen können, sowohl im Bett als auch im Alltag. Anastasia ist Christian allerdings in allen Belangen – sexuelle Erfahrung, soziale Klasse, Selbstbewusstsein und Macht – unterlegen. Christian spricht ausserdem ständig davon, Anastasia «besitzen» zu wollen, taucht öfter unangemeldet bei ihr zuhause auf, verbietet ihr den Kontakt mit anderen Männern und kauft sogar den Verlag auf, in dem sie arbeitet. Spricht nicht gerade für eine gesunde Beziehung mit ein bisschen Popo-versohlen im Bett. Das nennt man nicht Romantik, sondern Psychoterror.

Der Soundtrack

Zugegeben, der Soundtrack der «Fifty Shades of Grey»-Reihe ist ziemlich sexy. Etwas seltsam allerdings: Selbst Sängerinnen wie Beyoncé und Taylor Swift, die sich sonst gern mit dem Label Feministin schmücken und sich für Empowerment und Frauenpower einsetzen, sind auf dem Soundtrack zu hören. Und diese Themen werden im Film nun nicht wirklich vertreten.

«Fifty Shades Darker» eignet sich also höchstens für einen seichten Kinoabend mit niedrigen Erwartungen. 

Miriam Suter

Die Junior Online Editor schreibt am liebsten über Musik und andere kulturelle und gesellschaftliche Themen. Dabei interessiert sie vor allem das Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft.

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