Nadège (40): "Essen ist Gemeinschaft, Freude. Ich habe immer einen guten Appetit"
In unserer Rubrik "Bodybuilding" zeigt sich eine Frau nackt und spricht über ihr Verhältnis zu ihrem Körper. Diesmal spricht Nadège (40) über ihre Beziehung zu Essen.
- Von: Michèle Roten
- Bild: Sara Merz
«Meine Mutter hat eigentlich immer kongolesisch gekocht bei uns zuhause, für mich ist das Comfort Food. Wenn ich länger weg war, muss sie ein spezifisches Gericht für mich zubereiten, damit ich mich wieder zuhause fühle: Pondu, eines der Nationalgerichte der Demokratischen Republik Kongo. Das sind langsam gekochte, fein zerstossene Maniokblätter, zubereitet mit Fisch.
Ich selber habe nie geholfen beim Kochen, muss ich zugeben – umso spezieller war es für mich, erst mit über dreissig mit ihr in der Küche zu stehen und alles zu lernen. Das ist gar nicht so einfach, sie kocht komplett nach Gefühl. Wenn ich frage, wie viel ich reintun soll, sagt sie: Es bitzeli. Arrrgh! Aber es ist auch sehr, sehr schön, hat uns neu und näher zusammengebracht.
"Es für mich komisch, wenn jemand sagt, er oder sie habe keinen Hunger wegen Liebeskummer"
Ich habe mich vor ein paar Jahren selbstständig gemacht, zuerst mit einem Foodtruck, jetzt habe ich gerade mein erstes Bistro eröffnet. Ich will etwas von der Lebensfreude, von der Fröhlichkeit Afrikas weitergeben. Für uns ist Essen vor allen Dingen Gemeinschaft, Zusammenkommen. Freude.
Deshalb ist es für mich auch so komisch, wenn jemand sagt, er oder sie habe keinen Hunger wegen Liebeskummer oder so. Ich kann immer essen, habe immer einen guten Appetit.
Ich muss Sport treiben, um mein Gewicht zu halten. Inzwischen habe ich mich akzeptiert, so wie ich bin – davor war ich immer etwas zwischen Stuhl und Bank: Zu rund für die Schweiz, zu dünn für afrikanische Ideale.»