Frust und Trauer

3 Tipps bei Fehlversuchen in der Kinderwunsch-Behandlung

Text: Katrin Winkler; Bild: Getty Images

Wenn der Schwangerschaftstest nach einer IVF oder einer ICSI negativ ausfällt, ist das für betroffene Paare belastend. Wie geht man am besten mit einem Fehlversuch um? Wir geben Ihnen drei Tipps, die in dieser Situation helfen können.

Die Tage nach einer IVF oder einer ICSI sind für betroffene Paare mit einer grossen Hoffnung verbunden. Direkt nach dem Einsetzen der befruchteten Eizelle ist man schliesslich irgendwie schon schwanger, denn es befindet sich eine befruchtete Eizelle im eigenen Körper. Jedes Paar entwickelt für die gefürchtete Wartezeit eigene Rituale. Während die einen schon heimlich und voller Hoffnung durch die Babyabteilungen schleichen, versuchen sich andere abzulenken und möglichst nicht an das nahende Ergebnis zu denken. Der Test bringt am Ende die Gewissheit. Aber was, wenn es schlechte Nachrichten gibt?

Fehlversuche erzeugen Trauer, Wut, Frust und neuen Druck

Der Bluttest hat die Gewissheit gebracht: Nicht schwanger. Die meisten Paare erleben jetzt ähnliche Gefühle. Da sind zunächst die Trauer und die Enttäuschung, dass alle Strapazen der Hormonbehandlung und letztendlich auch die hohen Kosten umsonst waren. Gerade Frauen haben in der Wartezeit schon eine Verbindung aufgenommen zu dem kleinen Zellhaufen in ihrem Körper, aus dem zumindest theoretisch ihr Kind hätte entstehen können. Die negative Nachricht fühlt sich dann umso mehr wie ein grosser Verlust an.

Nach dem ersten Schock steht die Entscheidung an: Wie geht es weiter?

Machen wir noch eine Kinderwunschbehandlung oder setzen wir uns mit dem Thema Adoption auseinander? Oftmals steht auch die Paarbeziehung nach einem fehlgeschlagenen Versuch in der Krise, denn jeder geht anders mit der Enttäuschung um. Während der eine sich direkt in die Planung der nächsten Behandlung stürzt, braucht der Andere Zeit, um über den Fehlversuch hinwegzukommen.

3 Tipps, wie Sie mit Fehlversuchen in der Kinderwunsch-Behandlung umgehen können

Auch wenn der Arzt Sie darüber aufgeklärt hat, dass es auch schiefgehen kann: Auf die Emotionen, die mit einem negativen Bluttest nach der Behandlung verbunden sind, kann sich niemand vorbereiten. Die oberste Regel lautet jetzt: Nicht verzweifeln! Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie Sie mit einem negativen Ergebnis nach einer ICSI oder einer IVF-Behandlung besser umgehen können.

1.    Gefühle annehmen und akzeptieren
Sie sind wütend, neidisch auf die Freundin, bei der es sofort geklappt hat und wollen gerade einfach niemanden sehen, der ein Kind auf dem Arm hat. Vielleicht brauchen Sie auch gerade Abstand zum Thema Kinderwunsch oder wollen mal ein bis zwei Tage einfach im Bett bleiben. All diese Gefühle sind in Ordnung und sollten nicht verdrängt werden. Sie haben nach diesem Fehlschlag ihre Berechtigung und sollten angenommen, ausgelebt und akzeptiert werden. Nur wenn Sie den Zorn und die Trauer wirklich bewältigt haben, können Sie den nächsten Schritt gehen.

2.    Einen Plan B machen
Es gibt zwei Plan B: einen kurzfristigen und einen langfristigen. Beide beinhalten eine Auseinandersetzung mit der Frage: Was tun, wenn es nicht klappt? Kurzfristig könnten Sie sich zum Beispiel was Schönes gönnen, was vielleicht während der Behandlung nicht möglich war. Oder etwas was im Falle einer Schwangerschaft auch für länger nicht machbar wäre. Beginnen Sie damit am besten schon vor der Behandlung und Sagen Sie es immer wieder zu sich selber: «Wenn es nicht klappt, dann…», mache ich Skiferien mit meinem Partner, lerne ich ein neues Land kennen, gehe ich für einen Sprachkurs ins Ausland, werde ich Hobbygärtnerin, mache ich endlich den Malkurs, usw. Der langfristige Plan B startet gleichzeitig. Es geht darum, dass Sie eine mögliche Kinderlosigkeit akzeptieren können und einen alternativen Lebensentwurf entwickeln. Ein passendes Coaching ist dazu empfehlenswert. Ein neuer, fast genauso guter Lebensplan kann den grossen Erfolgsdruck stark minimieren und mildert die Angst vor einem Fehlversuch.

3.    Austausch mit anderen
Der Austausch mit anderen betroffenen Wunscheltern kann eine grosse Stütze sein. Nur schon das Gefühl, nicht allein auf der Welt zu sein mit dieser Erfahrung, hilft über die erste grosse Enttäuschung hinweg. Durch den Kontakt mit anderen sehen Sie, dass es immer einen nächsten Morgen gibt – auch nach einem Fehlversuch – und können von anderen lernen, wie diese mit der Enttäuschung umgegangen sind. Umgehen Sie aber wenn möglich allzu negative Foren im Netz. Suchen sie die Nähe von gleichgesinnten Paaren oder Gruppen und treffen Sie sich persönlich.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit kinderwunschinfo.ch entstanden.

Empfehlungen der Redaktion

Single Moms by Choice

Warum Kinder auch ohne Vater happy aufwachsen können

Mehr aus der Rubrik

Tool im Coaching: Hypnose

Unbewusste Blockaden lösen – für einen erfüllten Kinderwunsch