Tool im Coaching: Hypnose

Unbewusste Blockaden lösen – für einen erfüllten Kinderwunsch

Text: Nadine Ballmer; Bilder: Simon Hallström, Unsplash

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit kinderwunschinfo.ch entstanden.

Im Kinderwunsch-Coaching steht uns eine ganze Palette mentaler Coaching-Techniken zur Verfügung, unter anderen die Hypnose. Dabei handelt es sich um eine äusserst wirksame Technik – mit einem unverdient schlechten Image.

In meinem ersten Beitrag «Coaching für die Psyche bei unerfülltem Kinderwunsch» habe ich die Rolle der Psyche für die Erfüllung des Kinderwunschs beschrieben, und inwiefern wir Sie mit unserem mentalen Coaching auf Ihrem Weg zu diesem Ziel unterstützen und begleiten. Im Folgenden möchte ich ein wenig näher auf die unterschiedlichen Methoden und Techniken, die sogenannten Tools, eingehen, die wir hierfür einsetzen.

Der Einfluss unseres Unterbewusstseins auf unsere Handlungen, unsere Gefühle und unser Verhalten ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Dieses Wissen nutzt das mentale Coaching, um mit unterschiedlichen Techniken dazu beizutragen, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird. Welche Technik oder Methode zum Einsatz kommt, ob einzeln oder kombiniert, wird immer und für jeden Fall individuell vereinbart.

Grundlage hierfür ist ein ausführliches Anamnesegespräch. In unserem Kinderwunsch-Coaching arbeiten wir mit einer grossen Bandbreite an Methoden des mentalen Coachings wie dem neurolinguistischen Programmieren (NLP), lösungsorientierten Fragetechniken, dem aus der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen stammenden EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) und der Hypnose.

Kommt das Gespräch auf die Hypnose, erlebe ich bei meinen Klientinnen häufig zunächst zweierlei Reaktionen: Einerseits eine gewisse Irritation und Unsicherheit, andererseits zeigen sich manche Frauen überzeugt, dass die Hypnose bei ihnen garantiert nicht funktioniert, weil sie totale Kopfmenschen seien und unfähig, Kontrolle abzugeben. Diese Skepsis kenne ich aus eigener Erfahrung. Als studierte Ökonomin war und bin ich äusserst zahlenorientiert, zudem ein sehr kontrollierter Kopfmensch. Aber dann hat mich meine eigene Geschichte via Stressmanagement und autogenem Training zur Hypnose geführt. Eine entscheidende Erfahrung – denn ich erlebte, wie schnell die angeleitete Tiefenentspannung bei mir wirksam war, und wollte mehr darüber wissen, warum sie so unmittelbar und gut funktionierte. Und so liess ich mich zur Hypnosetherapeutin ausbilden.

Mythen, Klischees und Vorurteile

Meine Erfahrungen in dieser Art von Zusammenarbeit mit meinen Klientinnen ist durchwegs positiv. Allerding bedarf es dazu – neben einer seriösen, soliden Ausbildung seitens des Coachs – gewisser Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Zum einen muss man bereit sein, sich überhaupt hypnotisieren zu lassen. Grundsätzlich ist jeder Mensch hypnotisierbar, aber nie gegen seinen Willen.

Eine zweite wichtige Bedingung, die mit der ersten eng verknüpft ist: Sie müssen Ihrem Coach vertrauen. Generell ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Coach und Klientin entscheidend für eine wirksame und erfolgreiche Unterstützung auf dem Weg zum erfüllten Kinderwunsch. Das gilt umso mehr beim mentalen Coaching via Hypnose. Unter anderem aus diesem Grund ist es mir sehr wichtig, im Rahmen eines ausführlichen Vorgesprächs eventuelle Vorbehalte anzusprechen und den Ablauf einer Sitzung genau zu erklären.

Viele, wenn nicht gar die meisten von uns kennen Hypnose am ehesten als eine Showeinlage, in der Menschen zu Marionetten gemacht und mehr oder weniger der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass mit der Hypnose die Angst verbunden ist, die Kontrolle zu verlieren, manipuliert zu werden. Damit einher geht die Angst vor dem, was eine Hypnose aus den «Tiefen» der Persönlichkeit, des Bewusstseins oder Unterbewusstseins zu Tage fördert. Bei einer professionell und seriös durchgeführten Hypnose sind derlei Ängste allerdings unbegründet. Denn auch im Zustand der Tiefenentspannung ist ein Selbstschutz aktiv, der verhindert, dass ein Coach etwas gegen Ihren Willen durchführen oder erfragen kann.

Auch diesen Punkt thematisieren wir in unserem Vorgespräch, das letztlich dazu dient, eine Vereinbarung mit der Klientin zu treffen. Ich bespreche mit ihr, welches Ziel wir gemeinsam in der Hypnose erreichen wollen. Mit Blick auf dieses Ziel schlage ich ein Vorgehen vor und erkläre die einzelnen Schritte, die aus meiner Erfahrung optimal zielführend sind. Dabei hole ich mir für jeden Schritt, für jede Aktion das Einverständnis meiner Klientin ein. Wenn alle Fragen ihrerseits geklärt sind, und sie bereit ist, dann beginnen wir mit dem Weg in die Tiefenentspannung. Im Sitzen oder Liegen, mit oder ohne Musik. Meist mit geschlossenen Augen, weil es so leichter fällt, die eigene Konzentration nach innen zu richten.

Der Schlüssel liegt im Unbewussten

Die Sitzung kann dann beispielsweise wie folgt weitergehen: Ich leite mit meiner Stimme einen Body-Scan an, führe das Bewusstsein der Klientin anhand eines Kopf-bis-Fuss-Fortschreitens, Körperteil für Körperteil in eine tiefe Entspannung. Ich lasse die Klientin ihren Atem spüren, lenke ihre Konzentration auf das Atmen, lasse sie die Liege oder den Stuhl als ihre Realität wahrnehmen, um sie fühlen zu lassen, dass sie getragen wird.

Anschliessend installiere ich in dieser Tiefe einen «safe place», einen Ort im Bewusstsein, an dem sich die Klientin sicher und gut aufgehoben fühlt. Einen Ort, an den ich während des weiteren Verlaufs des hypnosegeleiteten Coachings gemeinsam mit ihr immer wieder zurückkehren kann. Damit ist die Einleitung abgeschlossen, das Tor zum Unterbewusstsein offen. In einem nächsten Schritt geht es darum, die Blockaden aufzuspüren und zu neutralisieren, die das Leben der Klientin bisher mit Ängsten oder negativen Emotionen überschattet und ihre Lebensqualität vermindert haben.

Das Lebensgefühl der Frauen, die zu uns in das Kinderwunsch-Coaching kommen, wird durch drei mögliche, mehr oder weniger bewusst erlebte, negative Einflüsse beeinträchtigt. Da ist zum einen die Angst: zum Beispiel die Angst, nie schwanger zu werden, oder die Angst, dass ihr Körper nicht oder nicht mehr funktioniert. Als zweites beeinflussen Glaubenssätze, die sogenannten «limiting beliefs», das Lebensgefühl der Frauen negativ. Dabei handelt es sich um Aussagen, die meist schon vor langer Zeit und womöglich völlig unbedacht von einer für die Frau wichtigen Person geäussert wurden und sich im Unterbewusstsein festgesetzt haben. Zum Beispiel ein Satz der Mutter wie «Wirst sehen, ein Kind zu haben ruiniert deine Karriere» oder «Deine Tante hat auch alles versucht und nie ein Kind bekommen».

Eine dritte Belastung stellen die eigentlichen Blockaden dar. Zum Beispiel wird eine Frau problemlos mit dem ersten Kind schwanger, erlebt aber eine traumatische Geburt. Ein im Unterbewussten gespeichertes «Das tue ich mir nicht noch einmal an» kann dann unter Umständen dafür sorgen, dass keine zweite Schwangerschaft entsteht.

In der Hypnose können diese Ängste und Blockaden aufgelöst und die Klientin gegen negative Erfahrungen desensibilisiert werden. So befähigen wir unsere Klientin, Krisen besser zu managen. Vertieft wird diese Fähigkeit mit Audioaufnahmen und Übungen für jeden Tag. So wird aus der Hypnose, dem Zustand vermeintlicher Kontrolllosigkeit, ein eigentliches Instrument der Kontrolle, das der Klientin nachhaltig zur Verfügung steht. Sie ist ihren negativen Gefühlen nicht mehr ausgeliefert, kann selber etwas tun, um sich bewusst zu entspannen, ihre innere Balance zu finden, das Leben, die Liebe und die Sexualität wieder unbeschwert zu geniessen.

Dazu braucht es nicht eine ganze Reihe von Sitzungen. Bereits nach der ersten sagen mir Frauen, dass sie sich seit Langem wieder selbst gespürt haben, sie ganz bei sich selbst waren und sich wohl gefühlt haben. Womit dann auch mein erstes Ziel erreicht ist: meine Klientin mit einem nachhaltig guten Gefühl aus dem Raum in ihren Alltag zurückkehren zu lassen, sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Erfüllung ihres Kinderwunsches weiterzubringen.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit kinderwunschinfo.ch entstanden.

Nadine Ballmer, Gründerin und Geschäftsführerin von «Kinderwunsch-Coaching». Sie ist Mutter von Zwillingen und einem kleinen Jungen und lebt mit ihrer Familie in Zürich. kinderwunsch-coaching.ch

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