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Was ist mit Manon? Die neue Katseye-Doku

Was ist mit Manon? Die neue Katseye-Doku "Wild Hearts" gibt kaum Antworten

Zwei Mitglieder fehlen, die Fragen häufen sich: Die neue Disney+-Doku "Katseye: Wild Hearts" verspricht exklusive Einblicke in das Leben der erfolgreichen Girlgroup, zu deren Originalbesetzung auch die Zürcherin Manon Bannerman gehört. Doch wie viel verrät der Film wirklich über den Druck hinter der perfekten Pop-Fassade? Eine Review.

Am 18. Oktober wuchsen diversen Frauen mal wieder Flügel. Der US-Unterwäsche-Brand Victoria's Secret lud die schönsten Frauen des Planeten auf seinen glitzernden Laufsteg, musikalisch begleitet von den heissesten Popsensationen. Natürlich fegte da auch die virale Girlgroup Katseye über die Bühne. Die BHs funkelten, die Höschen wirbelten – allerdings nur an vier der ehemals sechs Mitgliedern der Girlgroup.

Am Freitag erschien auf Disney+ der Film «Katseye: Wild Hearts», der schon im August mal kurz im Kino lief. Und damals waren sie noch zu fünft. Was ist los bei Katseye? Warum bröseln einer ultraerfolgreichen, Grammy-nominierten Band, die bereits am Coachella spielte und gerade auf Welttournee ist, die Mitglieder weg? Ist der Druck auf die jungen Frauen unmenschlich? Die Doku machte Hoffnung auf Antworten. Bekommt man die? Jein.

2024 konnte man 20 jungen Frauen in der Netflix-Dokuserie «Pop Star Academy: Katseye» dabei zuschauen, wie sie sich durch ein knüppelhartes Casting in Los Angeles und Seoul tanzten, sangen, weinten und kämpften, um letztendlich zu den sechs Auserwählten zu gehören. In die Girlgroup Katseye schafften es die Amerikanerinnen Daniela Avanzini, Lara Raj und Megan Skiendiel, die Südkoreanerin Yoonchae Jeung, die Filippina Sophia Laforteza und Manon Bannerman aus der Schweiz. Die Show kombinierte das berüchtigte K-Pop-Trainingssystem mit westlicher Popproduktion.

Dahinter steckt ein Joint Venture zwischen dem südkoreanischen Unterhaltungsriesen Hybe und dem US-amerikanischen Musiklabel Geffen Records, die im Übrigen auch die Doku mitproduziert haben. Regie führte die Emmy-nominierte Filmemacherin Nadia Hallgren, die mit «Becoming», einem intimen Dokumentarfilm über Michelle Obama, bekannt wurde. Eine Frage stellt sich sofort: Wie viel Spielraum hatte sie hier, um ihr Talent auch auszuspielen?

All eyes on Katseye

Eine gute Doku versucht, ins Innere der porträtierten Künstler:innen zu kriechen. R.J. Cutler beispielsweise blickte bei Billie Eilish hinter die Kulissen und ins ausgebrannte Herz.

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"Die Doku versucht gar nicht erst, sich ehrlich mit Image und Kontrolle überglatter Popstars auseinanderzusetzen"

Ungeschönt und ungefiltert. Sogar Taylor Swifts «Miss Americana» nahm sich der beinahe unmöglich scheinenden Aufgabe an, sich ehrlich mit Image und Kontrolle eines überglatten Popstars auseinanderzusetzen.

«Wild Hearts» versucht das gar nicht erst. Stattdessen sortiert der Film die Bandmitglieder fein säuberlich in Schubladen und serviert einem die Gruppe häppchenweise: erst die Entstehungsgeschichte, dann die Hit-Single «Touch», gefolgt von ein paar schwierige Momente, Dazwischen wird immer wieder betont, wie herrlich chaotisch und lustig die Gruppe doch sei – darin sind sich die Mitglieder zumindest einig.

So ist die 23-jährige Sophia Laforteza ganz klar die Anführerin der Gruppe, ja eine Mutterfigur, die spricht, wenn die andern nichts zu sagen wissen. Yoonchae Jeong ist das unterschätzte Küken. Die 22-jährige Daniela Avanzini der glamouröse Superstar mit dem Latina-Background.

Die 20-jährige Lara Raj mit den indischen Wurzeln ist die Selbstbewusste mit Ambitionen, die selbst Songs für Katseye schreibt und irgendwann vermutlich erfolgreiche Solokünstlerin sein wird, so wie Beyoncé nach Destiny's Cild und Harry Styles nach One Direction. All diese Stereotypen prangen in Gedanken längst in schimmernden Lettern über den hübsch geschminkten Gesichtern.

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"Man rast durch Deals, Tanzproben und Tourstopps und schnell wird klar, wie gewaltig die Maschinerie geworden ist, die sich um diese sechs sehr jungen Menschen dreht"

In den zwei Jahren seit Gründung der Band hat Katseye alles abgehakt: eine zweifache Grammy-Nominierung, Arena-Tourneen und Markenpartnerschaften. Die Gap-Kampagne scheint der grösste Coup zu sein, das zumindest legt die Doku nahe. Man rast also durch Deals, Tanzproben, Auftritte und Tourstopps und schnell wird klar, wie gewaltig die Maschinerie geworden ist, die sich um diese sechs sehr jungen Menschen dreht – die Jüngste, Yoonchae Jeong, nahm mit 15 am Casting teil und ist jetzt gerade mal 18 Jahre alt. Die jungen Frauen albern herum, sind nervös, liegen sich in den Armen. Es sei aber auch alles verdammt harte Arbeit, betonen sie immer wieder.

Das erste Mitglied bricht weg: «Das war definitiv traurig»

Aber ähnlich wie die Band selbst wirken die Schattenseiten, Konflikte und Meinungsverschiedenheiten perfekt kuratiert. Hier die Downs: Wir erfahren, dass das Internet den Song «Gnarly», der eine selbstbestimmtere und experimentellere Ära einleiten sollte, am Anfang gehasst hat. Reaktionen auf Social Media, die die gesamte Doku untermauern, belegen das.

Und: Dass es «definitiv traurig» war, zu hören, dass die Zürcherin Manon Bannerman eine Pause einlegen und die Gruppe vorübergehend verlassen würde. In der Doku sieht man Schnipsel einer vergangenen Zeit, in der die 24-Jährige fröhlich durchs Popstarleben hüpft.

Sie bekommt ihren eigenen, kurzen Part in der Doku, die Girls sprechen wohlwollend über sie – sie hätte eine ganz besondere Ausstrahlung und sie wisse, wie man mit Leuten rede. Ob sie sie vermissen? Keine Ahnung. Bannerman selbst kommt nicht zu Wort. Sie müsse sich um ihre mentale Gesundheit kümmern. Die genauen Hintergründe ihrer Auszeit bleiben öffentlich unklar.

"Wann kommt Manon zurück? Kommt sie überhaupt zurück? Man erfährt nichts"

«Definitely sad» fand der Katseye-Rest es also. Wann kommt sie zurück? Kommt sie überhaupt zurück? Man erfährt nichts. Die Rede ist jedoch nie von einem Ende, sondern immer von «hiatus», einer Pause. Immerhin dient Manon Bannerman als der perfekte Übergang zum Thema Mental Health, das dann auch die 20-jährige Megan Skiendiel kurz anschneidet.

Und genau dann, wenn man endlich hofft, zu erfahren, wie man das denn zur Hölle alles aushält – die Strapazen dieser verrückten Choreos, das Berühmtsein in so jungem Alter, das ständige An- und Ausknipsen einer funny und sexy Rampensau – liefert Skiendiel die Auflösung: Was und wer ihr Sicherheit gäbe, seien die Eyekons – so werden die Katseye-Fans genannt. Und so tröpfelt der Film dann auch aus. Mit einer tränenreichen und sehr vorhersehbaren Hommage an die Fans. Ihre Eyekons.

«Wild Hearts» ist kein wilder Ritt durch die offenen Herzen von vier bis fünf jungen Frauen, die ständig funktionieren müssen und deren Jugend auf der Bühne und in der Öffentlichkeit stattfand. Diese Frauen sind toll und faszinierend und verdienen höchsten Respekt, gar keine Frage.

"Der Film gleicht einem glatt polierten Highlight-Reel, das ganz klar mehr Marketinginstrument als Charakterstudie ist"

Was einen hingegen wirklich zum Zucken bringt, sind die exaltierten Choreografien von Performance Director Grant Gilmore: Bewegungen, die so spektakulär und übermenschlich wirken, dass man kaum glauben kann, dass sie überhaupt ausführbar sind. Der Film von Regisseurin Nadia Hallgren gleicht einem glatt polierten und weichgespülten Highlight-Reel, das ganz klar mehr Marketinginstrument als Charakterstudie ist.

Rückblickend fällt die redaktionelle Zurückhaltung umso stärker auf, denn im August – wenige Tage vor Kinostart des Films – hat auch Sophia Laforteza eine Pause angekündigt, um sich (Überraschung!) ihrer psychischen Gesundheit zu widmen. Da waren's nur noch vier. Bis voraussichtlich Anfang 2027. Aber wer weiss das schon.

Laforteza in «Wild Hearts» dabei zuzusehen, wie sie vor der Kamera emotionale Verantwortung für die Gruppe übernimmt, wirkt heute natürlich ganz anders, als es ursprünglich wohl gedacht war. Es ist dramatisch und ironisch zugleich, ein weiterer Akt im Katseye-Drama, mit dem selbst der sorgfältigste Schnitt nicht hätte rechnen können.

Am Ende erzählt das, was die Doku verschweigt, mehr über die K-Pop-Branche als alles, was sie zeigt.

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