Bargeschichten

Nach diesen Aufreissertypen könnte man noch einen Drink vertragen

Text: Lara Marty; Foto: Stevan Bukvic

  • Die Zürcherin Daniela Huber hat sich auf ihrer Reise vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt Europas durch achzig Bars getrunken. Aus ihren Erlebnissen und Begegnungen ist das Buch «Bargeschichten» entstanden. 

«Als Frau allein eine Bar zu besuchen, kann herausfordernd sein», sagt Daniela Huber. Die Buchautorin weiss, welche Typen einem in Bars begegnen – und wie man sie wieder los wird.

Eigentlich sind Bars doch wundervolle Orte. An den Theken dieser Welt werden täglich zahlreiche Feierabendbiere getrunken, Konflikte ausgefochten, Geheimnisse anvertraut, Geschäfte besiegelt, Bekanntschaften geschlossen. «Schade ist», sagt Buchautorin Daniela Huber, «dass Frauen, die allein in Bars gehen aber oft in unangenehme Situationen geraten.» Meistens geschehe dies aus dem Grund, dass ein Nein nicht akzeptiert – oder die Begründung «Ich möchte gern meine Ruhe haben» – als Beleidigung aufgefasst werde.

Auf ihrer Reise vom nördlichsten Punkt Europas bis zum südlichsten hat sich die 32-jährige Zürcherin durch achtzig verschiedene Bars getrunken. Dabei hat sie immer wieder spannende Menschen kennengelernt, von denen sie in ihrem Buch «Bargeschichten» erzählt. Als Frau, allein in der Bar, ist sie aber auch immer wieder Typen begegnet, bei denen wohl jede Frau gleich noch einen Drink vertragen könnte:  

Der väterliche Freund
Er ist eigentlich ganz nett. Ein Mann älteren Semesters, der mit seinem Lebensabend offenbar nichts Besseres anzufangen weiss, als Frauen die Welt zu erklären. Seine Geschichten könnten sogar spannend sein, seine bevormundende und besserwisserische Art nervt aber schnell. Der väterliche Freund spricht eine Frau nur an, wenn sie allein ist – denn ihr Alleinsein signalisiert ihm, dass sie, armes Geschöpf, völlig verwirrt sein muss.
So wird man ihn los: Schlagfertigkeit! Gutes Kontern nimmt ihm den Wind aus den Segeln. Nach etwa drei flotten Sprüchen herrscht Ruhe am Tisch.

Der Cocktail-Kenner
Cocktails schlürfen ist sein Hobby und seine Leidenschaft, wie er gern betont. Er ist kein Barkeeper, glaubt aber alles über Drinks und ihre richtige Herstellung zu wissen. Frauen, die allein in einer Bar sitzen, klärt er besonders gerne darüber auf, was getrost getrunken werden soll und was gar nicht geht. Der Cocktail-Kenner schreckt auch vor Ratschlägen an den Barkeeper nicht zurück: «Tu ihr doch noch etwas von diesem und jenem rein.» Sein Pseudo-Wissen scheint unendlich – genauso kommen einem auch die Gespräche mit ihm vor.
So wird man ihn los: Keine Diskussion! Frau trinkt, worauf sie Lust hat.

Der grosszügige Angeber
Grob über den Daumen gepeilt kann man sagen: Der grosszügige Angeber gehört zu den Reichen dieser Welt. Gern will er einer Dame den ganzen Abend bezahlen, womit er auf eine sehr preisgünstige Art von Escortservice abzielt: Für ein paar Drinks beansprucht er die Gesellschaft der Frau für sich. Ihm ist das nicht unangenehm; Menschen zu kaufen, ist er sich gewohnt. Denn nur, wenn er alles bezahlt, gibt man sich mit ihm ab.
So wird man ihn los: Selber bezahlen! Wer sich in einer Bar Drinks spendieren lässt, läuft Gefahr, in ein merkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis zu geraten.

Allein an der Bar – das kann je nach Thekennachbar anstrengend werden. Szene aus dem Film «Lost in Translation» (2004)

Der Betrunkene
Er ist wirklich mühsam. Eine Frau, die allein in einer Bar ist, wird ihn kaum mehr los. Der Betrunkene ist wie Sekundenkleber, in den man aus Versehen hineingefasst hat und dann zwei Tage daran herumknübbeln muss. Sein Problem ist, dass er die diskreten Hinweise auf Zurückweisung von ihr nicht mehr wahrnehmen kann. Sagt sie dem Betrunkenen dann klipp und klar, was Sache ist, wird er schnell beleidigend und oft auch aggressiv.
So wird man ihn los: Direkte Ansagen! Erreichen diese den Empfänger bereits nicht mehr, sollte der Barkeeper oder ein Türsteher zu Hilfe gezogen werden.

Der Gigolo
Die Komplimente sprudeln nur so aus ihm heraus: Der Gigolo hat Charme und oft noch ein lässiges Gadget bei sich (Gitarre oder Töffhelm sind derzeit hoch im Kurs). Er ist gut angezogen und schön anzuschauen. Meistens ist der Gigolo aber etwas einfältig, das merkt man schnell, wenn man mit ihm spricht.
So wird man ihn los: Abblitzen lassen! Der Gigolo ist in dieser Hinsicht sehr pflegeleicht. Er ist es gewohnt, dass er gut ankommt – oder eben nicht. Ist Letzteres der Fall, zieht der Gigolo relaxed von dannen und versucht sein Glück an einem anderen Ort – nicht selten am Tisch direkt nebenan.

Der Barkeeper
Ja, manchmal ist auch er derjenige, der einer Frau auf den Senkel gehen kann. Weil er hinter der Theke steht und die Frau ihm gegenübersitzt, hat er das Gefühl, es handle sich um ein Date. Eine einfache Getränkebestellung artet dann schnell in endlose Geschichten über die Zähne seiner alten Katze oder die Blasenentzündung der Grossmutter aus.
So wird man ihn los: Ablenkung! Den Barkeeper abzuwimmeln, ist schwierig, schliesslich befindet man sich in seiner Bar. Hier kann ein Buch oder eine Zeitung helfen. Wer beschäftigt aussieht, wird weniger angesprochen. Falls das nicht hilft, muss man sich an einen anderen Tisch setzen. 

«Alles in allem haben die guten Gespräche und die respektvollen Begegnungen auf meiner Reise ganz klar überwogen», hält Daniela Huber fest. Es sei schön, wenn sich Menschen in Bars begegnen und kennenlernen. Und: «Vom unerwünschten Anbaggern sollen sich Frauen auf keinen Fall abschrecken lassen!» Zu gross sei das Vergnügen, einen Abend allein in einer Bar zu verbringen.

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