Unterstützung trotz Corona-Krise

Kinder kriegen in Zeiten von Corona: Wo finden Eltern jetzt Hilfe?

Text: Stephanie Hess; Bild: GettyImages

Geburtsvorbereitungskurse werden abgesagt. Die Hebamme kann nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen nach Hause kommen. Das Homeoffice wird mit Neugeborenengeschrei zur Tortur. Kinderkriegen in Corona-Zeiten läuft anders – das kann Angst machen. Wir haben die aktuellsten Auswirkungen der Lockerungen für junge Eltern zusammengetragen und zeigen, wo es Unterstützung gibt.

1. Geburtsvorbereitungskurse und Hebammen: Unterstützung in der Krise

Geburtsvorbereitungskurse wurden gestrichen und Online-Schulungen dürfen eigentlich nicht angeboten werden, da diese Hebammenleistung laut Faktenblatt des Bundesamt für Gesundheit (BAG) während der Pandemiezeit nicht fernmündlich erbracht werden dürfe. Wo soll man sich als werdende Mutter auf eines der einschneidensten Erlebnisse in seinem Leben vorbereiten?

«Viele Hebammen bieten trotzdem Online-Kurse an, weil die Geburtsvorbereitung für Paare schlicht zentral ist», beruhigt Andrea Weber-Käser, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbands. Allerdings muss so der Pauschalbetrag von 150 Franken, den die Grundversicherung an solche Kurse eigentlich bezahlen müsste, nicht vergütet werden. «Gerade Eltern, die sehr aufs Geld schauen müssen, sind damit benachteiligt.» Seit dem 27. April dürfen Geburtsvorbereitungskurse mit einem starken, vom Kantonsarzt überprüften Sicherheitskonzept wieder vor Ort durchgeführt werden. Auch Hebammenbesuche dürfen sich inzwischen wieder mehr als 15 Minuten erstrecken. Für wichtige medizinsiche Fakten zu Corona, weitere Infos und Bewegungsübungen für Schwangere und Wöchnerinnen hat der Hebammenverband eine Extra-Homepage aufgebaut.

Die Hebammen – mit ihnen auch das Wohl der Mütter und Babys – seien beim Bundesrat untergegangen, sagt Andrea Weber-Käser. Die Hebammen hätten sich nach Ausbruch der Pandemie an die vom Bund verordneten Distanzregeln gehalten, haben die Besuche reduziert und versucht, das was möglich war, per Telefon zu besprechen. Wochen darauf gibt das BAG bekannt, dass solche telefonischen Beratungen nur sehr bedingt abgerechnet werden können. Zudem sei die Spesenentschädigung für das Schutzmaterial, das die Hebammen für die Besuche benötigen, schlicht nicht ausreichend. «Es reicht gerade mal für einen Schutzmantel.» Handschuhe, Schutzmasken und Desinfektionsmittel seien damit nicht gedeckt. 

2. Familly.org: Kostenlose Expertenhilfe rund ums Kinderkriegen

«Für meinen Mann und mich war es kein Spaziergang, Eltern zu werden», sagt die in Zürich lebende Tessinerin Nadine Stoyanov. Vor, während und nach der Schwangerschaft hatten sie und ihr Partner aber stets Leute um sich, die sie nicht nur medizinisch, sondern auch auf emotional unterstützt haben. Derzeit ist es jedoch schwierig, an die Unterstützung dieser Fachleute zu gelangen. Darum hat Nadine Stoyanov innert kürzester Zeit den Verein Familly.org aufgezogen. Dort bietet sie kostenlose virtuelle Betreuung durch Fertilitätsexpertinnen, Hebammen, Kinderpsychologinnen und anderen Fachpersonen an. Nadine Stoyanov bietet den Dienst auf Familly kostenlos an. Sie und ihr Mann haben dafür Geld in den Verein eingeschossen. Sie sind auf weitere Spenden angewiesen. Weitere Infos und Spendemöglichkeit unter: famillytakescare@gmail.com

3. «Fürs Leben gut»: Tipps und Beratungsstellen

Seit Beginn der Corona-Krise legt das Magazin Fürs Leben gut einen starken Fokus auf deren Auswirkungen für Familien. Die Redaktion gibt Tipps wie das Homeoffice mit Babys, Kleinkindern und Jugendlichen gelingt, empfiehlt Spielideen, Entspannungsmöglichkeiten und weist auf zahlreiche Beratungsstellen und Hilfsangebote für Eltern hin. Das Magazin gehört zum Zürcher Amt für Jugend und Berufsberatung. 

4. Podcasts: Für Kinderwunsch, Geburt und Wochenbett

Kinderwunschreisen
Der Podcast vom Schweizer Kinderwunschcoach Nicole ist technisch und sprachlich zwar nicht unbedingt auf Radioniveau, überzeugt jedoch mit einer spannenden und breiten Themenvielfalt für Paare, die ihren Kinderwunsch bisher noch nicht erfüllen konnten. Beispielsweise mit Tipps, wie man damit umgehen kann, wenn eine Freundin schwanger wird und es bei einem selber nicht klappt oder mit den Episoden «Glücklichsein trotz unerfülltem Kinderwunsch» und «stärke das Vertrauen in deinen Körper».

Friedliche Geburt
Aufs erste Hören wirkt der Podcast bisweilen sehr sanft und etwas klischiert. Doch unter den inzwischen fast 130 Folgen finden sich viele tolle Interviews, Meditationen und Tipps, die zeigen, wie eine Geburt friedlich und selbstbestimmt ablaufen kann – gerade auch unter den aktuell erschwerten Umständen.

Herztöne
Der Herztöne-Podcast des Schweizerischen Hebammenverbands richtet sich an Schwangere und Wöchnerinnen. Er will einen «ehrlichen, offenen Einblick in Welten bieten, in die man sonst nicht hineinsieht», sagt Journalistin Rebekka Häfeli, die den Podcast leitet. Die ersten Folgen widmen sich der erschwerten Hebammenarbeit in Zeiten von Corona.

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