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Die stille Uniform der Mode: Warum Modedesigner:innen oft gleich aussehen

Die stille Uniform der Mode: Warum Modedesigner:innen oft gleich aussehen

Während ihre Kollektionen laut sprechen, bleiben die persönlichen Looks der Designer:innen leise bis langweilig. Bewusste Zurückhaltung oder Statement?

Es passiert in dem Moment, in dem die Modepresse wie 100-Meter-Läuferinnen zum Sprint ansetzt. Da kommt nach der Modeschau (und vor der nächsten, darum sind auch alle so gestresst) in letzter Sekunde doch noch die Person raus, wegen der das Publikum überhaupt da ist: Die Designerin betritt den Laufsteg für ihre fünf Sekunden Ruhm. Sie trägt meist Jeans, Sneakers, einen dunkelblauen Pullover. Die typische Designer:innen-Uniform.

Es gibt wenig Modeschöpfer:innen, die ihre eigenen Designs tragen, vielleicht Karl Lagerfeld damals, Donatella Versace oder die Londonerin Simone Rocha. Gefühlt neunzig Prozent der Modemacherinnen tragen einen schlichten, sportlichen und vor allem bequemen Look. Jeans, übergrosse Hemden und Sweatshirts gehören da genauso dazu wie der weisse 08/15-Sneaker. Miuccia Prada, Designerin von Prada und Miu Miu, trägt vielleicht keine Jeans wie ihre Kolleginnen, bliebt ihrer zurückhaltenden Uniform aber ebenfalls seit Jahrzehnten treu.

Wenn nicht mal die Designerinnen selbst die Mode tragen, die sie uns verkaufen wollen, wem kann man da noch vertrauen? Wäre es heute, da jede öffentliche Person zur Werbefläche verdonnert wird, nicht sinnvoll, auch mit dem letzten Look auf dem Laufsteg ein Statement in eigener Sache zu setzen?

«Sie lassen die Mode für sich sprechen», könnte man nun argumentieren. Designer:innen wollen nicht im Rampenlicht stehen, verstecken sich lieber hinter ihren Kreationen. Im Zeitalter von Social Media und bösen Internet-Trollen ist diese Zurückhaltung verständlich. Bloss keine Angriffsfläche bieten; die Mode bietet ja schon genug davon.

Aber zu oft erinnert mich der Look der Designer:innen an meine Lehrerinnen von damals: Immer dieselbe verwaschene Jeans, dazu der zu heiss gewaschene graue Pullover.

Vielleicht liegt darin aber auch die Magie. Und die Möglichkeit, Distanz zu schaffen, um selbst sehen und beobachten zu können – inkognito unterwegs zu sein in einer Branche, die so sehr von Visualität geprägt ist. Zauberer tragen heute ja auch keine Capes mehr.

Auch wenn uns Designer:innen mit ihren eigenen Looks nicht zu extravaganten Kombinationen inspirieren, lehren sie uns doch schlichte Zurückhaltung – in Form von Mode, die bequem ist und nicht sofort erkennen lässt, was man beruflich macht. Oder vielleicht doch?

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