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Vino&Veritas mit Sommelière Shirley-Ann Amberg: Teuer gleich gut?

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Vino&Veritas mit Sommelière Shirley-Ann Amberg: Teuer gleich gut?

  • Redaktion: Evelyne Emmisberger; Text: Shirley-Ann Amberg; Foto: Karin Heer

Das australische Weingut Penfolds hat im Juli den teuersten Wein der Welt vorgestellt. Den 2004 Block 42. Dieser 168 000- Dollar-Wein wurde aus einem einzigen Weinberg gekeltert und statt in Flaschen in 0.75 Liter-Ampullen abgefüllt.

Jede Weinliebhaberin hat irgendwann Lust, eine richtig gute Flasche zu trinken. Doch was ist gut? Was absurd? Man findet einen 2005 Château Pétrus für etwa 4000 oder einen 2005 Vieux Château Certan für 200 Franken. Beides grossartige Weine, keine Frage. Doch wieso kann vergorener Traubensaft so einen Preis haben? Die harte Arbeit? Der teure Boden? Cleveres Marketing?

Eine Antwort gibt es nicht. Neurologen haben herausgefunden, dass, wenn Leute denselben Wein aus verschiedenen Gläsern trinken, jedoch glauben, es seien verschieden teure Tropfen, das Gehirn bei den geglaubt teuren Weinen um einiges aktiver und freudvoller reagiert.

Eine coole Alternative zu teuren Weinen: der Arrogant Frog. Ein umwerfender Franzose. Der Produzent, ein charismatischer Mann, spielt gekonnt mit dem Image seiner Landsleute («arrogante Froschfresser»). Und kreiert so feine Weine, dass man beim Trinken gleich selbst ein bisschen arrogant wird, weil man so was Leckeres im Glas hat. Und das für rund zehn Franken. Erhältlich bei Drinks of the World.

Oder ein anderer meiner Lieblinge, der Panta Rhei von Gerstl Weinselektionen für 46 Franken. Da ist alles im Fluss. Das Flaschendesign, der Preis. Und besonders der Wein. Schönstes Rubinrot. Kirschenfrucht mit einem zarten Hauch Tabak und Himbeeren. Dies mit einer schönen, erdigen Mineralik.

Shirley-Ann Amberg ist Sommelière im Haus Hiltl, Zürich

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