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Finanzexpertin Corinne Brecher: «Frauen müssen aktiv gegen Altersarmut ankämpfen»

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Finanzexpertin Corinne Brecher: «Frauen müssen aktiv gegen Altersarmut ankämpfen»

Der neue SRF Dok-Film «Frauen und Geld – ein Tabu mit weitreichenden Folgen» widmet sich dem Thema weiblicher Altersarmut. Protagonistin und Finanzexpertin Corinne Brecher zeigt auf, wie es dazu kommen kann und was Frauen dagegen unternehmen können.

Mutterschaft und tiefe Teilzeit-Pensen führen für viele Frauen zu grossen Vermögenslücken. Bewusst werden sich dieser viele aber erst in Worst Case Szenarien. Denn: Bei sieben von zehn Paaren kümmert sich der Mann um die Finanzen, wie die «annajetzt»-Studie ergab. Frauen geben also besonders in Partnerschaften und speziell, wenn Kinder im Spiel sind, oftmals die Kontrolle über ihre Finanzen ab. «Kommt es dann zu einer Trennung, ist der Schock gross. Viele befassen sich dann erstmals überhaupt mit ihren Finanzen», sagt Corinne Brecher.

Brecher ist eine der Protagonist:innen des neuen SRF Dok-Films «Frauen und Geld – ein Tabu mit weitreichenden Folgen» und möchte Frauen nicht nur mithilfe des Films für die Wichtigkeit von Finanzplanung sensibilisieren. Die Finanzexpertin schreibt regelmässig bei annabelle über Finanzthemen, betreibt einen Blog und gibt Kurse und Webinare.

37 Prozent weniger Rente für Frauen

Wie eine Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen zeigt, erhalten Frauen hierzulande über die ganze Altersvorsorge gesehen 37 Prozent weniger Rente als Männer. Gegen diesen Unterschied müssen Frauen proaktiv ankämpfen, wie Brecher erklärt: «Frauen müssen ihr Geld aktiv investieren und langfristiger planen, wenn es um ihre Finanzen geht. Nur so können sie gegen Altersarmut ankämpfen, die vielen sonst droht.»

Die Berührungsangst vor dem Thema Geld erklärt sie sich mit Desinteresse, – aber auch damit, dass Frauen bisher weniger dafür sozialisiert wurden, sich mit Finanzen zu befassen. Eine Umfrage offenbarte, dass schon Mädchen weniger Taschengeld erhalten als Jungen. Brecher fügt hinzu: «Zudem findet noch zu wenig finanzielle Bildung in der Schule statt. Eine Sensibilisierung auf das Thema Finanzen fehlt im Kindesalter.»

Auch die geschichtlichen Hintergründe seien nicht zu vernachlässigen. Bis 1976 brauchten Frauen in der Schweiz das Einverständnis ihres Ehemannes, um überhaupt ein Bankkonto eröffnen zu können. Die traditionellen Rollenmodelle, welche vielen von uns vorgelebt wurden, tragen laut Brecher ebenfalls dazu bei, dass Frauen sich weniger bewusst mit ihren Finanzen auseinandersetzen – zumindest bisher.

Auch Mama bringt Geld heim

«Das ändert sich mit der aktuellen Generation, der immer häufiger vorgelebt wird, dass auch Mama Geld heimbringt.» Diese Vorbildfunktion führe hoffentlich zwangsläufig dazu, dass Mädchen sich von früh auf mit Geld auseinanderzusetzen. Denn der Kampf gegen weibliche Altersarmut bedinge, dass Frauen – auch unverheiratete, gut verdienende – ihr Geld investieren und nicht auf Sparkonti versauern liessen.

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«Die wichtigste Regel lautet meiner Meinung nach, sich selbst zuerst zu bezahlen, in sich selbst zu investieren»

Corinne Brecher

Vielfach fühlten sich Frauen aber kaum angesprochen von Finanzanbietern. Nicht weil sie sich Spezialprodukte wünschen, sondern weil sie oft andere Werte priorisieren als Männer. «Frauen möchten mit ihrem Geld auch etwas Gutes tun, nicht nur eine möglichst hohe Rendite erhalten, egal zu welchem Preis. Sie konzentrieren sich eher auf nachhaltige Investitionen, mit denen sie Organisationen und Projekte unterstützen, hinter denen sie voll und ganz stehen können», so Brecher.

Wer denke, Finanzplanung und Anlageprodukte seien nur ein Thema für Frauen mit prall gefüllten Konti, irre sich jedoch. «Geld anlegen ist auch schon mit kleinen monatlichen Beträgen möglich», erklärt Brecher. «Die wichtigste Regel lautet meiner Meinung nach, sich selbst zuerst zu bezahlen, in sich selbst zu investieren.»

Sich auch in rosigen Zeiten für Eventualitäten vorbereiten

Dafür müsse man auch nicht zwingend selbst Expertin auf dem Gebiet sein. Finanzanbieter helfen, den Prozess einfach zu gestalten. Also, einfach loslegen? «Genau, weniger zögern, mehr machen! Frauen hinterfragen mehr und warten oft zu lange ab, statt zu handeln.» Wie unsere «annajetzt»-Studie zeigte, bereuen acht von zehn Frauen im Alter, sich nicht früher um ihre Finanzen gekümmert zu haben. Brecher rät deshalb, auch in rosigen Zeiten durchzuspielen, welche Auswirkungen ein Worst-Case-Szenario in der Zukunft haben könnte.

Und ganz praktisch? Das Thema Finanzen jetzt angehen: «Als ersten Schritt empfehle ich, genau hinzuschauen: Was passiert mit meinem Geld? Dafür lohnt es sich auch, das aktuelle Setting zu hinterfragen. Kann ich hinter meiner Bank stehen? Zahle ich allenfalls zu viel Gebühren? Zudem macht es Sinn, die Kontoführung zu vereinfachen, um eine gute Übersicht über seine Finanzen behalten zu können. Sich monatlich hinsetzen und schauen, was reinkommt und rausgeht. Einen Notgroschen zur Seite legen, den man nicht anrührt. Was dann übrig bleibt, ist ein Sparbetrag, der vorzugsweise über einen Sparplan in passive Anlagefonds fliesst.»

Der Dok-Film «Frauen und Geld – ein Tabu mit weitreichenden Folgen» wird am Donnerstag, 10. März, um 20.05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.

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