Das Kompliment

Liebe Emilia Clarke

Text: Sophie Eggenberger; Foto: GettyImages

Liebe Emilia Clarke

Für meine Geschichte und Verbindung zu Ihnen muss ich ein wenig ausholen und Sie auf eine kleine Zeitreise mit mir bitten. Diese Reise verschlägt uns ins Jahr 2015 nach Kuba. Kuba? Ja, Kuba. Das war nämlich eine der Stationen meiner Süd- und Mittelamerikareise, die ich nach meiner Matura besuchte. Nach einer langen Reise vom einen Ende des Landes zum anderen, kam ich in Santiago de Cuba an, ganz im Süden der Insel. Ich verbrachte meine ersten Tage in den für Kuba klassischen Casas Particulares, welche von Einheimischen wie eine Art Guesthouse bewirtschaftet werden. Eines Abends kam es, dass ich nicht mehr genau wusste, wohin ich mit meinen vielen Gedanken und meinem angestauten Heimweh soll. Und so schlenderte ich in die Küche des Hauses, um mir eine Frucht zu holen. Ich nahm mir eine Mango, schlurfte weiter ins Wohnzimmer und da lag es: ein Buch auf Deutsch. Ich traute meinen Augen nicht und schaute deshalb wie im Film mit einem langen Doppel-Nachprüf-Blick auf das Regal. «Ein ganzes halbes Jahr» von Jojo Moyes lag hier. In Santiago de Cuba. Im Wohnzimmer dieses hellblauen Hauses mit Dachterrasse und Blick aufs Meer Richtung Jamaika. Ich fing an zu lesen und ehe ich wieder in Havanna angekommen war, waren die 544 Seiten des Buches schon durch. Ich mochte es, weil es mir ein Stück Heimat brachte. Aber auch, weil ich den quirligen, liebevollen und starken Charakter Louisa Clark unheimlich mochte. Bis heute versuche ich, mir täglich ein Beispiel an ihr zu nehmen – vor allem in schwierigen Zeiten, in denen es scheint, als würde man keinen Ausweg aus Situationen finden oder würden einem ständig neue Steine in den Weg gelegt. Wie zum Beispiel momentan, wo ich mich entscheiden muss, was meine nächsten Schritte im Leben sind, wo es mich hin verschlägt. In solchen Situationen, wenn ich fast verzweifle und meinen Optimismus für einen Moment verliere, denke ich an Louisa Clark.

Weil das Buch mich so berührte, freute ich mich sehr über die Veröffentlichung des Filmes im 2016. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Film im Gegensatz zum Buch nicht mal annähernd so berührend war – aber Sie als Hauptdarstellerin waren unglaublich. Unglaublich deshalb, weil ich mir Louisa genauso vorstellte, wie Sie sie verkörperten. Und ich glaube, dass diese Rolle nicht bloss eine Rolle war, sondern Sie im echten Leben genauso optimistisch und lebensfroh sind. Das beweist die Art und Weise, wie Sie vor Kurzem öffentlich mit Ihren gesundheitlichen Problemen umgingen. Zwischen 24 und 26 erlitten Sie Hirnblutungen. Zu diesem Zeitpunkt standen Sie am Anfang Ihrer Karriereleiter und befanden sich mitten in den Dreharbeiten für die ersten Staffeln von «Game of Thrones». Sie bangten um Ihr Leben und wussten nicht, ob und wie es weitergehen soll. Nach der ersten Hirnblutung konnten Sie sich für einige Tage nicht mehr an Ihren eigenen Namen erinnern. Ich kann mir kaum vorstellen, was man in solch einer Situation für ein Gefühlschaos durchlebt.

Kurze Zeit später standen Sie aber wieder am Set. Auch die Angst vor einem erneuten Ausbruch begleitete Sie bestimmt auf Schritt und Tritt. Die Schauspielerei habe Ihnen Hoffnung und Abwechslung gegeben, sagen Sie heute, sechs Jahre nach der letzten Hirnblutung. Sie berichten offen über Ihre Ängste und über die Art, wie Sie den Weg in dieser sorgenvollen Zeit fanden. Ich bewundere Ihre Einstellung zum Leben, Ihren Mut, weiterzumachen, und Ihren Willen, immer wieder aufzustehen. Sie beweisen allen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, dass man mit Optimismus und einer positiven Art ein bisschen leichter durch das manchmal schwere Leben gehen kann. Sie versprühen Lebensfreude – nur schon, wenn ich mir ein Bild von Ihnen anschaue, scheint es, als würden Sie mich durch das Foto zum Lachen auffordern. Also mache ich Ihnen von Herzen gern ein Kompliment für die grenzenlose Lebensfreude und Ihre positive Art, welche Sie durch Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit so gut verbreiten.

«Game of Thrones» habe ich nicht gesehen, da ich kein grosser Fan von Fantasy bin. Aber wenn Sie in Ihrer Rolle als Daenerys Targaryen nur halb so bezaubernd sind wie in anderen Rollen und im echten Leben, überwinde auch ich mich und durchlaufe vielleicht tatsächlich noch einen GoT-Marathon vor dem Start der neuen Staffel.

Auf viel Gesundheit und Lebensfreude,

Ihre Sophie Eggenberger

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