Grüne Frage: Wie umweltbelastend sind unsere Daten?
Welchen Einfluss haben unsere digitalen Daten auf die Umwelt – etwa Mails, Videos oder Smartphone-Fotos? Stephanie Hess, annabelle-Expertin für Nachhaltigkeit, klärt auf.
- Von: Stephanie Hess
- Bild: Stocksy
Dass es für die Umwelt besser ist, Daten digital statt analog auszutauschen, war lange unbestritten. In den Signaturen umweltbewusster Mailabsender:innen heisst es heute noch oft: «Bitte drucken Sie diese Nachricht nicht aus.» Die Absicht: Ressourcenschonung.
"Nicht nur die analogen Abfallberge wachsen, sondern auch die digitalen"
Inzwischen könnte man diesen Umwelt-Disclamier um folgenden Zusatz ergänzen: «Und erzeugen Sie digitale Daten nur, wenn nötig.»
Denn nicht nur die analogen Abfallberge wachsen, sondern auch die digitalen. Hochrechnungen gehen davon aus, dass weltweit täglich etwa 2.5 Quintillionen Bytes Daten generiert werden, (eine Quintillion steht für eine Eins mit dreissig Nullen), was Milliarden Festplatten füllen würde.
Gut die Hälfte dieser Daten wird nie mehr genutzt – so genannte Dark Data. Darunter fallen automatisch generierte Systemdaten, aber auch Mail-Archive, veraltete Back-ups, ebenso mehrstündige Konzertmitschnitte und die unzähligen misslungenen Selfies.
"Ökologisch sinnvoller ist es also, weniger Geräte zu kaufen"
Negative Auswirkungen aufs Klima haben diese Daten, weil sie auf Servern abgelegt werden, die teilweise mit Strom aus fossilen Energiequellen betrieben und gekühlt werden.
Deshalb ist es grundsätzlich sinnvoll, ungenutzte Fotos, Dateien und Mails vom Gerät und aus der Cloud zu löschen.
Dark Data machen innerhalb des gesamten Energieverbrauchs, der durch die Digitalisierung entsteht, aber nur einen kleinen Teil aus. Der grösste Anteil entfällt auf die Geräteherstellung.
An zweiter Stelle folgen rechenintensive Anwendungen wie Videostreaming und das Trainieren von KI-Modellen. Ökologisch sinnvoller ist es also, weniger Geräte zu kaufen, weniger hochauflösend zu streamen und KI bewusst einzusetzen.
Stephanie Hess ist Leiterin des Reportage-Ressorts und Autorin des Ratgebers "Ökologisch!" (Beobachter-Edition, 2020). Sie sucht für euch Antworten auf alle grünen Fragen. Schreibt ihr! Stephanies Mailadresse: [email protected]