Meinung

Nachhaltig, aber richtig!

Text: Carolina Müller-Möhl; Foto: Pexels

nachhaltig, aber richtig!

Carolina Müller-Möhl (50) ist Unternehmerin, Investorin und Verwaltungsrätin in mehreren Unternehmen. Sie plädiert für verbindliche internationale und branchenabhängige Standards, damit Nachhaltigkeit in der Wirtschaft und der Vermögensverwaltung nicht nur ein leeres Versprechen bleibt. 

Kürzlich war ich an einem Symposium des grössten unabhängigen Vermögensverwalters. Das dortige Thema Nachhaltigkeit bewegt mich schon lange, auch mit Blick auf die Vermögensverwaltung meines eigenen Family Office. Zwei Fragen, die mich nach der Veranstaltung beschäftigt haben: Können die Big Player in der Vermögensverwaltung überhaupt nachhaltige Investitionsmöglichkeiten für ihren internationalen Kundenstamm anbieten? Zweitens: Ist nachhaltiges Investieren auch wirklich nachhaltig oder wird mit diesem Label bloss Greenwashing betrieben, also die Vortäuschung eines verantwortungsbewussten Image?

Was klar ist: Der Druck auf die Unternehmen, sich den drängenden sozialen Fragen unserer Zeit anzunehmen, steigt. Gleichzeitig sind Unternehmen Marktschwankungen unterworfen, die es schwer machen, Nachhaltigkeit mit der erforderlichen Rendite zu vereinbaren. Trotzdem, wenn Unternehmen langfristig überleben wollen, müssen sie auf allen Ebenen nachhaltig agieren: nicht nur beim strategischen Management, sondern auch beim Personalmanagement, bei der Ausbildung, beim Umweltschutz. Wer ein eigenes Unternehmen führt, der weiss, dass das leichter gesagt ist als getan. Ein Schritt in die richtige Richtung ist sicherlich, zu erklären, dass man in Zukunft nachhaltig wirtschaften will. Und dann braucht es Zeit. Denn von heute auf morgen kann man beispielsweise in der Energiewirtschaft die Kernkraft nicht ad acta legen. Es ist eine Krux: Wir müssen schnell handeln und uns dennoch die nötige Zeit für Veränderungen geben.

Trotzdem sollten wir uns täglich damit beschäftigen, wie nachhaltige Investments noch besser gedeihen können und wie sich jeder von uns als Mitarbeiterin, Investorin oder Stimmbürgerin für eine Welt von morgen einsetzen kann. Als Anlegerin kann man sein Stimmrecht dazu nutzen, um Einfluss auf Unternehmensziele zu nehmen. Als Bürgerin sich gemeinnützig engagieren und die Politik beeinflussen. Als Mitarbeiterin sich bei der Arbeit für nachhaltiges Unternehmertum starkmachen. Und auch der Staat kann sich im internationalen Zusammenschluss für bessere Anreize und Rahmenbedingungen einsetzen. Zudem braucht es endlich klare Begriffsabgrenzungen, was das Allerweltswort Nachhaltigkeit für Unternehmen bedeutet: Ich plädiere für verbindliche internationale und branchenabhängige Standards.

Nicht zuletzt müssen die öffentlichen globalen Güter Priorität bekommen, die für alle Menschen Bedeutung haben: eine saubere und intakte Umwelt, das Klima, die Ozeane, die Gesundheit der Weltbevölkerung. Wir profitieren von diesen Gütern über staatliche Grenzen hinweg und müssen sie entsprechend auch über alle Landesgrenzen hinweg schützen und bei der Formulierung von Unternehmenszielen berücksichtigen. Denn wir sollten in puncto Nachhaltigkeit vorwärtsmachen: auf internationaler staatlicher Ebene, auf Unternehmensebene und beim eigenen Wirtschaften und Konsum. Das gilt auch für mich. Selbst wenn es Zeit braucht, wir müssen im Kleinen wie im Grossen mit Hochdruck an Lösungen arbeiten. Warum? Weil alles andere eine Bankrotterklärung wäre.

Empfehlungen der Redaktion

Fünf Tipps

Wie starte ich mit meiner Idee durch?

Von Larissa Haas

Mehr aus der Rubrik

Interview

«Die Schweiz ist zu klein, um das Talent ihrer Frauen zu verschwenden»

Von Helene Aecherli