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Corona und Black Lives Matter: So politisch waren die VMA

Text: Sandra Huwiler; Bilder: Getty Images

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Lady Gaga verband Sicherheit mit Fashion und trug eine Reihe von ausgefallenen Masken. Hier zum Beispiel eine Maske mit Hörnern von Lance Victor Moore.

Lady Gaga mit einer pinken Maske von Cecilio Castrillo.

Der Popstar machte eine klare Ansage: «Tragt eine Maske – das ist ein Zeichen des Respekts.»

Die Masken-Queen wurde unter anderem mit dem eigens für sie geschaffenen Tricon Award ausgezeichnet, der ihren Einsatz als Aktivistin ehrt.

Dieses Wochenende fanden in New York trotz Corona die VMA statt. Sie waren eine Version davon, wie Veranstaltungen aktuell stattfinden können: Mit Masken als zentralem Statement, mit politischen Botschaften und mit viel Kreativität, was die Durchführung angeht.

Die MTV Video Music Awards, kurz VMA, sind normalerweise eher bekannt für modische Statements, Unterhaltung und legendäre Musikauftritte.

Die diesjährigen Video Music Awards, die erste grosse Veranstaltung in den USA seit Ausbruch der Pandemie, standen aber ganz im Zeichen von Corona und der «Black Lives Matter»-Bewegung – und waren von Sicherheitsabstand, Masken und politischen Statements geprägt.

Maske als modisches Statement

Lady Gaga stahl allen die Show. Der US-Popstar wurde mit fünf Awards ausgezeichnet, mehr als jeder andere nominierte Künstler – darunter der eigens für sie geschaffene Tricon Award, der nebst ihren künstlerischen Leistungen auch ihren Einsatz als Aktivistin ehrt.

«Das war kein einfaches Jahr für viele Menschen», sagt Lady Gaga in ihrer Dankesrede. «Aber ich sehe viel Mut in der Welt. Kultur fühlt sich gerade weniger lebendig an als sonst, wir sind getrennt voneinander. Aber es wird eine Renaissance geben. Die Kunst wird euch inspirieren, weil sie auf Not mit Grosszügigkeit und Liebe antwortet.»

Nicht zuletzt nutzte sie ihre Auftritte, um eines klarzustellen: «Tragt eine Maske – das ist ein Zeichen des Respekts.» Die Sängerin trug konsequent eine ganze Sammlung an ausgefallenen Masken – und positionierte den Atemschutz als modisches Statement-Piece. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

The POWER this moment holds!! @ladygaga @arianagrande #vmas #vmamoments

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Politische Botschaften

Bereits die Willkommensrede an den VMA war politisch. Moderatorin Keke Palmer sagte, dass der Angriff auf Jacob Blake vergangenen Woche eine weitere Erinnerung daran sei, dass das Ziel noch nicht erreicht ist. Der Afroamerikaner Jacob Blake wurde am 23. August bei einem Polizeieinsatz in Kenosha (US-Bundesstaat Wisconsin) von einem Polizeibeamten schwer verletzt. 

«Wir dürfen Polizeibrutalität und Unrecht niemals akzeptieren. Der Kampf gegen Rassismus muss weitergehen», sagte Palmer.

Auch der Sänger The Weeknd machte auf Polizeigewalt aufmerksam, als er seinen Preis entgegennahm. Seine Dankesrede hielt er kurz: «Es ist sehr schwer für mich, jetzt gerade zu feiern und diesen Moment zu geniessen», sagt er. «Gerechtigkeit für Jacob Blake. Gerechtigkeit für Breonna Taylor.» Die Afroamerikanerin Breonna Taylor wurde im vergangenen März in Louisville (US-Bundesstaat Kentucky) bei einem Polizeieinsatz in ihrer eigenen Wohnung erschossen.

Die Black Eyed Peas beendeten die VMA nach ihrem Auftritt mit den Worten: «Black lives matter.»  

 

Zu Beginn der Show ehrte MTV den verstorbenen «Black Panther»-Schauspieler Chadwick Boseman, der am Freitag nach einem vierjährigen stillen Kampf seinem Krebsleiden erlegen war. Boseman, der mit seiner Rolle in «Black Panther» zur Schwarzen Action-Ikone wurde, hatte seine Krebserkrankung zuvor nicht öffentlich gemacht.

«Wir widmen die heutige Show einem Mann, dessen Geist so viele berührt hat. Er ist ein echter Held, nicht nur auf der Leinwand, sondern in allem, was er tat. Sein Einfluss lebt für immer weiter», sagte Keke Palmer. Als Helden wurden bei den VMA auch die Helfer in der Coronakrise – medizinisches Personal, Briefträger, Supermarktmitarbeiter – geehrt.

Kreativer Event

Die Durchführung des Events als erste US-Preisgala seit Beginn der Coronakrise war eine logistische Herausforderung. Doch die diesjährigen VMA zeigen auch, wie man es im «New Normal» schafft, sicher Grossanlässe durchzuführen.

Vor Ort war kaum Publikum, zur Not wurde Jubel vom Band eingespielt. Stattdessen machten im Vorfeld aufgezeichnete Auftritte, Bühnen im Freien, etwa über den Dächern von New York City und in einem Autokino in Brooklyn, sowie Live-Schaltungen verschiedener Künstler die Veranstaltung möglich.

Nicht zuletzt zeigten die diesjährigen VMA auch, wie politisch so eine Show sein kann – und wie wichtig dies ist.  

Sandra Huwiler ,
Beauty-Praktikantin
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