Fab Five

Licht aus für die Erde

Text: Jessica Prinz; Foto: Unsplash

Licht aus für die Erde

Gutes tun fängt im Kleinen an. Hier sind 5 Tipps, wie man auch im Alltag die Umwelt schützen kann.

Wie jedes Jahr Ende März werden auch diesen Samstag wieder von 20.30 bis 21.30 Uhr weltweit die Lichter ausgeschaltet: Die Earth Hour ist laut WWF die grösste weltweite Aktion für den Schutz von Klima und Diversität. Grossstädte auf der ganzen Welt zeigen Solidarität und schalten symbolisch für eine Stunde die Beleuchtungen berühmter Wahrzeichen aus. Auch viele Grossfirmen machen mit. Die Idee: eine Stunde Dunkelheit für die Erde.

Man muss deswegen aber nicht eine Stunde im Dunkeln sitzen. In Zürich beispielsweise kann man auf der Gemüsebrücke einem Spoken Word Artist zuhören, auf dem Berner Münsterplatz gibts Getränke an der Klimabar und in Aarau findet ein Konzert auf dem Holzmarkt statt.

Eine Stunde Licht löschen – bringt doch nichts? Jein. Denn auch wenn die Auswirkungen einer Stunde ohne Licht vielleicht nicht die Klimaerwärmung stoppen können, hat es doch grossen Einfluss. Schliesslich geht es bei der Aktion laut WWF hauptsächlich darum, die Aufmerksamkeit auf den Klimaschutz zu lenken und die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Auch der Dalai Lama sagte einmal: «Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.» Und recht hat er – Veränderung fängt im Kleinen an, bei mir selbst. Auch die Earth Hour hat einmal klein angefangen. Sydney war 2007 die erste Stadt, die die Earth Hour feierte. Jetzt, 12 Jahre später machen mehr als 7000 Städte in über 180 Ländern aller 24 Zeitzonen mit. Anfangen lohnt sich also. Deswegen hier fünf  Tipps, wie man – neben dem Lichter löschen – in kleinen Schritten bei sich selbst anfangen kann, um die Umwelt weniger zu belasten.

 

Einen Tag pro Woche vegetarisch essen

Wir alle wissen es: Fleisch ist das umweltschädlichste Lebensmittel in unserer Ernährung. In Deutschland gab es bereits politische Vorstösse, um einen nationalen fleischlosen Tag einzuführen. Einige Unternehmen haben mittlerweile immerhin damit begonnen, interne Initiativen zu starten und einen vegetarischen Tag in der Kantine einzuführen. Und auch in der Schweiz setzte sich der Verein Swissveg für einen Vegi-Tag ein. Jede Schweizerin und jeder Schweizer isst durchschnittlich 50 Kilogramm Fleisch jährlich – das sind etwa 140 Gramm pro Tag. In der Schweiz könnten durch einen nationalen Vegi-Tag in der Woche pro Person und Jahr 7.28 Kilogramm Fleisch eingespart werden. Gesamthaft könnte der Fleischkonsum für die Schweiz so um 58000 Tonnen reduziert werden. Geht man davon aus, dass es sich dabei ausschliesslich um Schweizer Fleisch handelt würde aus einem wöchentlichen nationalen Vegi-Tag eine CO2-Einsparung von etwa 400000 Tonnen resultieren. Zum Vergleich: Ein Flug nach Sydney, der Geburtsstadt der Earth Hour, verbraucht pro Person etwa 3.5 Tonnen CO2.

Leitungswasser trinken

Ein Freund von mir greift jedes Mal zum Halbliter Süssgetränk, wenn er einen Laden betritt. Sei dies beim Grosseinkauf oder wenn er nur schnell an der Tankstelle das Benzin bezahlt. Einfach aus Gewohnheit, obwohl er gar nicht bewusst Lust auf das Getränk hat. Dabei macht es nur schon beim Wasser einen grossen Unterschied, ob man Leitungswasser oder abgefülltes Wasser trinkt. Laut Studien von Greenpeace kostet ausländisches Wasser nicht nur bis zu 1000 Mal mehr als Leitungswasser, dessen Produktion verbraucht auch bis zu 1000 mal mehr CO2. Und überhaupt: Wer mal längere Zeit im Ausland unterwegs war, geniesst es sowieso, das Wasser direkt vom Hahn trinken zu können und nicht ständig zur Flasche greifen zu müssen.

Nachhaltig einkaufen

So viele Vorteile die Globalisierung mit sich bringt, so kompliziert macht sie auch das Leben – und das einkaufen. Dies betrifft sowohl die Menge der angebotenen Produkte als auch die Auswahl. Nachhaltiges Einkaufen ist alles andere als ein Kinderspiel. Mit ein wenig Übung kann man damit aber grosses bewirken. Einerseits sollten wir unsere Gelüste selber besser beherrschen und überdenken. Hier gilt: Selbstbeherrschung! (Erdbeeren im Februar müssen ja wirklich nicht sein, oder?) Andererseits gibt es ein paar Hilfsmittel, die beim Einkaufen und verwerten der Lebensmittel helfen. Redaktorin Stephanie Hess lief für die Klärung dieser Fragen mit einer Nachhaltigkeitsexpertin durch die Regale. Digital hilft auch die WWF Ratgeber App mit saisonalen Rezepten, dem WWF-Labelguide für Biolabels sowie einem Footprintrechner.

Auch ausserhalb der Nahrungsmittelbeschaffung kann man nachhaltig einkaufen. Aufräumexpertin Marie Kondo lässt hier grüssen: Denken Sie das nächste mal im Laden doch an Sie, wenn Sie wieder etwas kaufen wollen, das sie eigentlich gar nicht brauchen. Neben den unzähligen Tonnen an Lebensmitteln und Kleidern, die jährlich vernichtet werden, schätzt man, dass weltweit jährlich Tonnen im zweistelligen Millionenbereich an Elektrogeräten weggeworfen werden. Nehmen Sie die farbige Jeans, den Tamagotchi oder das fancy Küchengerät doch vor dem Kauf in Ruhe in die Hand und fragen Sie sich: Habe ich wirklich Freude an dem Gegenstand – oder will ich ihn nur aus einer spontanen Laune heraus kaufen?

Wasser abschalten

Beim Zähneputzen das Wasser abschalten: Das hören wir schon seit Jahren – und die meisten machen es wahrscheinlich auch. Macht ja auch durchaus Sinn, schliesslich können dabei bis zu sechs Liter Wasser pro Minute eingespart werden. Pro Mal Zähneputzen entspricht das in etwa zwölf Litern, pro Tag also etwa 24 Litern. Dadurch allein könnte man in einer Woche 168 Liter und in einem Jahr 8760 Liter Wasser sparen. Beim Einseifen unter der Dusche ohne laufendes Wasser könnte man sogar 15 Minuten pro Liter einsparen. Verzichtet man während der täglichen Dusche jeweils zwei Minuten auf das laufende Wasser könnte man somit weitere 30 Liter täglich einsparen, aufs Jahr hochgerechnet entspricht das fast 11000 Litern Wasser – etwa so viel also, wie es braucht, um eineinhalb Jeanshosen zu produzieren – von der Herstellung der Baumwolle über die Produktion der Hose bis zum Transport. Das soll nun aber nicht heissen, dass man sich diese Jeans dann verdient hat, denn...

Nicht der moralischen Rechtfertigung verfallen

...eine der grössten Gefahren für unnachhaltiges Handeln, ist eben die moralische Rechtfertigung. Schalte ich das Wasser beim Zähneputzen ab, kann ich mir dafür eben nicht automatisch eine Jeans gönnen und verzichte ich einmal in der Woche auf Fleisch, darf ich dafür auch nicht übers Wochenende nach New York fliegen. Schliesslich geht es in jedem Moment darum zu reflektieren, ob ich das bisschen Luxus wirklich brauche – oder ob ich es nur aus Gewohnheit oder aus Prinzip konsumiere.

Jessica Prinz ,
Junior Editor
Alle Beiträge von Jessica Prinz

annabelle-Reminder: Neues aus Fab Five

Empfehlungen der Redaktion

Wegweiser

Nachhaltig Lebensmittel einkaufen

Von Stephanie Hess

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Interview

«Die Schweiz ist zu klein, um das Talent ihrer Frauen zu verschwenden»

Von Helene Aecherli