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Von wegen dummes Huhn!

Leben

Von wegen dummes Huhn!

  • Text: Céline Geneviève Sallustio; Foto: Moreno Monti & Matteo Tranchellini 

Unser HausgefLügel ist wilder, als man denkt. Es paart sich mehrmals pro Tag und hackt schwache Artgenossen zu Tode. Hühnerflüsterin Astrid Spiri erklärt, was man wissen sollte, bevor man sich zum Homeoffice noch einen Hühnerstall baut.

annabelle: Was brauchts, um Hühner glücklich zu machen?
Astrid Spiri: Viel Platz: Vier Tiere benötigen einen Quadratmeter Stallf läche und zehn Quadratmeter Auslauf, der begrünt ist und Schattenplätze hat. Hühner wollen scharren und nach Würmern picken, aber bitte in einem Gehege, das Schutz vor Wildtie­ren, Krankheiten und Wetter bietet – Hühner mögen keinen Schnee. Ausserdem sind sie nicht gern allein. Ein Huhn braucht Hühner, um glücklich zu sein.

Welche Hierarchie besteht unter den Tieren?
Es herrscht eine regelrechte Hackordnung. (lacht) Gibt es einen Hahn im Gehege, übernimmt er meist den Lead. Ist keiner dabei, übernimmt die älteste Henne. Doch sobald ein Huhn krank oder verletzt ist, fangen die anderen Hühner an, auf ihm herumzu­hacken. Dabei wird das geschwächte Tier oft solang an einer Feder gepickt, bis es am Kiel zu bluten beginnt. An der blutenden Stelle picken die Hühner weiter, bis das Tier ausgehöhlt ist, und stirbt.

Das ist ja grausam!
Es ist Teil der Natur. Deshalb sollte man nie ein frem­des Huhn in eine bestehende Hierarchie eingliedern. Die Gruppe wird das fremde Tier ausstossen und töten. Aber auch Faktoren wie Hitze, zu enge Platzverhältnisse, fehlendes Futter oder Langeweile können das Töten begünstigen.

Welche Gefahren drohen dem Huhn sonst noch?
Allem voran Viren und Bakterien, aber auch Para­siten, darunter ganz besonders die Vogelmilbe. Diese Milbe wird von Spatzen übertragen und vermehrt sich gerade im Sommer explosionsartig. Dass ein Huhn von einer Vogelmilbe befallen wurde, erkennt man daran, dass am Morgen auf der Unterseite der Sitzstange Blutspuren zu finden sind. Der Parasit saugt sich in der Nacht mit dem Blut der Henne voll und zieht sich dann in die Ritzen des Stalls zurück.

Wie bewahrt man Hühner vor Parasiten?
Indem man mehrmals pro Woche das Futtergeschirr wäscht, frisches Wasser und Futter nachfüllt. Man sollte das Futter aber nur ins Gehege und nicht in den Auslauf geben, weil dies Spatzen und somit eben auch Vogelparasiten anzieht. Was fressen Hühner?Legemehl und Körner. Ausserdem fressen sie Käfer, Insekten, Fliegen, Gras, Früchte und – am liebsten – Johannisbeeren. Auch Rüebli, Äpfel oder Salat stehen ganz oben auf der Liste. Wichtig ist, dass man ihnen nichts Verdorbenes verfüttert.

Wie viel Schlaf braucht ein Huhn?
Ein Huhn ist etwa 16 Stunden aktiv, die restliche Zeit schläft es. Sobald es dunkel wird, verzieht es sich auf seine Sitzstange. Im Winter ist es wichtig, den Tag mit künstlichem Licht zu verlängern. Sonst riskiert man, dass das Tier während längerer Zeit weder trinkt noch isst, was Stress auslösen kann.

Was macht das Huhn in den 16 Stunden, in denen es hellwach ist?
Die Tiere beschäftigen sich mit Körperpf lege, baden im Sand, sonnen sich und lassen sich «bräteln». Ausserdem verbringen sie viel Zeit mit Futtersuche.

Nutzen sie diese Zeit auch, um sich zu paaren?
Natürlich. Ist ein Hahn im Stall, paaren sich die Hüh­ner mehrmals täglich mit ihm.

Last but not least: Können Menschen eine Bezie­hung zu ihren Hühnern auf bauen?
Sicher! Ein Huhn erkennt, wer ihm Futter bringt, es reagiert auf Stimme und Gangart «seines» Menschen. Nimmt er sich Zeit für seine Hühner, fressen sie ihm aus der Hand oder lassen sich berühren. Jedes Huhn hat seinen eigenen Charakter – wie Menschen auch.

Astrid Spiri ist Präsidentin des Züchtervereins für ursprüngliches Nutzgef lügel. Der Verein bietet Kurse an und vermittelt Hühner; zun-­schweiz.ch

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