Jazzschuhe statt Sneaker: Das ist der überraschende Schuhtrend im Herbst
Serge Gainsbourg machte ihn zur Stilikone, nun taucht der Jazzschuh bei Celine und an den Füssen von Modeinfluencern wie Lyas wieder auf. Warum er die elegante Alternative zum Sneaker ist und wie man ihn kombiniert.
- Von: Noëmi Leonhardt
- Bild: Launchmetrics Spotlight
Der Sommer neigt sich langsam, aber sicher seinem Ende zu und damit beginnt für mich die Zeit, mich schweren Herzens von meinen geliebten Havaianas zu verabschieden. Gleichzeitig beschäftigt mich die alljährliche Frage nach dem diesjährigen Herbstschuhwerk. Ich mache zugegebenermassen keine Freudensprünge, wenn sich der Sommer verabschiedet, aber auf etwas freue ich mich in der kälteren Jahreszeit: auf das Layering und endlich wieder etwas mehr Struktur im Kleiderschrank.
Ein Schuh, der mir momentan besonders oft ins Auge sticht, ist der Zizi-Jazzschuh von Repetto. Berühmt wurde er vor allem durch Jane Birkins Ex-Partner und eine der bis heute grössten französischen Stilikonen: Serge Gainsbourg. Gainsbourgs Uniform, Jeans, Jeanshemd und Zizi an den Füssen, ist bis heute repräsentativ für den nonchalanten französischen Stil.
Die Geschichte des Jazzschuhs reicht bis in die 1920er- und 1930er-Jahre zurück – lange vor Serge Gainsbourgs Zeit. Mit dem Aufkommen von Tänzen wie Boogie-Woogie und Jazz in Europa entstanden Schuhe, die mit den neuen Bewegungen mithalten konnten: elegant genug für die damalige Zeit und gleichzeitig flexibel genug für wilde Beinschwünge.
Seine stilprägendste Heimat fand der Jazzschuh später in Frankreich: bei Repetto. Rose Repetto gründete das Pariser Unternehmen 1947 als Atelier für Tanzschuhe und entwickelte dort die Technik des «cousu retourné», zu Deutsch etwa «genäht und gewendet». Bei dieser Verarbeitung wird der Schuh zunächst auf links genäht und anschliessend gewendet, was ihn besonders geschmeidig macht. Bis heute gilt die Technik als Markenzeichen des Hauses. Rose Repetto entwarf den Zizi ursprünglich für ihre Schwiegertochter, die Tänzerin Zizi Jeanmaire. Ein Tanzschuh, der über die Jahrzehnte zu einem Stück französischer Modegeschichte wurde.
Ob bei Influencern wie Lyas oder auf dem Runway von Celine unter Michael Rider: Überall neue Interpretationen des ursprünglichen Tanzschuhs. Für mich funktioniert der Schuh besonders gut mit weiten Hosen oder, wie Lyas sagt, in Kombination mit einem Element, das den klassischen Stil des Jazzschuhs bewusst aufbricht. Denn für sich allein kann der Schuh schnell ziemlich preppy wirken. Kenner:innen tragen ihn – ganz wie Monsieur Gainsbourg – natürlich in hell.