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Catherine Deneuve wird 80: Meine Begegnungen mit einer Ikone

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Catherine Deneuve wird 80: Meine Begegnungen mit einer Ikone

Am Sonntag wird die französische Leinwandikone 80 Jahre alt. Unsere Autorin Mariam Schaghaghi traf Deneuve bereits mehrmals – und blickt hier auf die Begegnungen zurück.

Womit sie mich sofort einnahm, ist nicht etwa ihre Coolness oder ihr Charisma. Sondern wie Catherine Deneuve es schaffte, ein Interview zu geben und dabei zeitgleich einen Salat zu verspeisen. Und das ohne Malheur, ohne Kampf mit der Gabel, ohne Blattverlust in Richtung Schoss, ohne Rinnsal am Mund oder schlimmere Fauxpas. Jeder grüne Bissen landete zielsicher zwischen ihren Lippen.

Und dabei artikulierte sie auch noch völlig verständlich! Das Gespräch selbst wurde da zur Nebensache. Ich erinnere mich nur noch, dass sie sich am Ende als hoffnungslose Schuhfetischistin outete – «schlimmer als Imelda Marcos».

Die Schlagfertigkeit in den Genen

Catherine, die Grosse. La Deneuve. Ich habe sie seither sicher noch fünf Mal getroffen, zu den unterschiedlichsten Filmen. Ohne Salat war es ihre scharfe Intelligenz, die mich beeindruckte. Die Schauspielerin denkt schnell, spricht schnell und knallt dann eine Antwort raus, die meist schneller beendet ist als der Interviewer nachladen kann.

«Das liegt in den Genen», erklärte sie mir später mal, «meine Schwestern sind genauso schlagfertig wie ich.» Ich glaube, dass die meisten Menschen, die in ihr immer nur die «Belle de Jour» sahen und ihre äussere Perfektion anhimmelten, sie kolossal langweilen.

«Ich sehe mich überhaupt nicht als Diva»

Was die Leinwandikone auch nicht mag, ist das Wort Diva. «Ich sehe mich überhaupt nicht als Diva, ich bin gar nicht der Typ dafür!», protestierte sie mal in einem Gespräch. «Es war aber oft nicht einfach, dem Bild von mir gerecht zu werden. Selbst wenn ich meinem Image gar nicht entsprechen wollte, lastete der Druck dieser Erwartungen auf mir. Dass ich ein Star bin, war für mich nie relevant. Das hatte nie etwas mit meinem Leben zu tun. Ich lebe lieber ein ganz normales Leben.»

Tatsächlich sind die Extravaganzen der Über-Französin überschaubar. Ganz vorne: Zigaretten, ultra-slim. «Ich nehme mir heraus, an jedem Filmset zu rauchen», bekannte sie mal. «Darüber hinaus brauche ich eigentlich nur meinen grünen Tee mit Ingwer. Aber das den ganzen Tag.» Mademoiselle Deneuve, so die korrekte Bezeichnung, wohnt mitten in St- Germain, an der Place Saint-Sulpice.

Ein normales Leben

Ihr Ruhm durfte nie zum goldenen Käfig werden, fand sie. «In Paris ist es einfach, ein normales Leben zu führen. Jeder weiss, wo ich wohne, trotzdem kann ich unbehelligt auf die Strasse gehen, am Kiosk die Zeitung kaufen oder im Café sitzen. Das wäre in Los Angeles unmöglich.»

Auch bei der Wahl ihrer Rollen lässt sich Catherine Deneuve nicht durch ihren Ruhm einengen. Bei ihr haben auch kleinste, schrägste Indie-Filme eine Chance. Dann sieht man sie als Handlangerin am Fliessband, als frivole Lebefrau mit einer Schwäche für blutige Steaks und Poker, am Steuer eines Zehntonners oder mit einem Gorilla im Bett.

Aber eine Provokateurin sei sie nicht – mais non! «Ich suche nicht bewusst nach Provokativem. Ich mache nur schon so lange Filme, dass ich Rollen suchen muss, die auch neu für mich sind, um mich nicht zu langweilen. Das führt manchmal zu Entscheidungen, die von aussen betrachtet ungewöhnlich sind. Für mich nicht.»

Muse von Modezar Yves Saint Laurent

Catherine Deneuve ist der Inbegriff für makellose Eleganz. Über Jahrzehnte trug sie als Muse von Modezar Yves Saint Laurent exklusiv seine Kreationen. Sie machte in den Siebzigern den Smoking salon- und sogar Roter-Teppich-fähig, und sah selbst darin hypersexy aus.

Aber ohne Glamour und völlig ungeschminkt sah man sie auch, in Lars von Triers «Dancer in The Dark». «Ein Film bietet mir die Möglichkeit, mal jemand anderes zu sein», erklärte sie damals. «Es ist schön, sich zur Abwechslung nicht gross herausputzen zu müssen. Fast wie Urlaub.»

Madame ist kein Vamp

Nur ihr Liebesleben ist so gut wie unbekannt. Die vielleicht begehrteste Frau der Welt bekennt zwar, für coole Briten wie Alan Bates, Jude Law oder Hugh Grant zu schwärmen. Aber Affären und Amouren? Rien. Verheiratet war sie nur sieben Jahre lang, mit dem Fotografen David Bailey, ihre zwei Kinder bekam sie von anderen, Sohn Christian von Regisseur Roger Vadim und Tochter Chiara von Schauspieler Marcello Mastroianni. Madame ist wohl kein Vamp.

Wenn sie ihr Leben noch mal von vorne anfangen könnte, würde sie nichts hinter sich lassen, sagte der Filmstar. «Ich habe zwei Kinder und fünf Enkel, ausserdem noch zwei Schwestern. Meine Familie würde ich weder für den Nordpol noch für die Südsee verlassen. Sie sind sehr mit meinem Leben verwoben.»

Sie ist nicht unterzukriegen

Angst vor dem Alter kennt die Schauspielerin nicht. Deneuves Mutter starb mit 109 Lenzen und ermahnte ihre Kleine bis zuletzt, die slimmen Glimmstengel aufzugeben. Mamans Gene verheissen der Tochter recht gute Aussichten auf ein langes Leben. «Ich bin dennoch ein sehr aktiver, ungeduldiger Mensch», gestand Catherine, «daher irritiert mich das Alter, wenn ich mittlerweile für einiges länger brauche. Man hat nicht mehr so viel Energie, der Körper wird schwächer, der Geist wird langsamer … Ich kann nicht sagen, dass es mir gefällt.»

Einspruch: Ihre Eloquenz und ihr scharfer Verstand haben nichts von ihrer Rasanz und Brillanz verloren. Bei Premieren oder Presseterminen ist sie ein Fels in der Brandung, beherrscht, stark, nicht unterzukriegen. Schwächen und Ängste macht sie lieber nur mit sich selbst aus.

Einmal jedoch verriet Catherine Deneuve dann doch etwas sehr Intimes, das ihr nah ging. «Es verletzt mich, dass Menschen, die mich nicht kennen, mich oft für kalt und distanziert halten. Ich glaube nicht, dass das zutrifft. Aber ich kann nichts dagegen tun. Es stimmt, Fremde duze ich nicht sofort, tätschele sie nicht und begrüsse sie auch nicht mit Küsschen. Das trägt wohl zu dem Bild bei, dass ich furchtbar kühl sei.»

Die Ikone trägt Jogginghose

Catherine Deneuve ist so anders als «nur» eine Ikone – lebendiger, facettenreicher, überraschender. Mit den Jahren sieht man keine High Heels aus der legendären Sammlung mehr an der Mimin, sondern eher tiefergelegtes, robustes, kommodes Schuhwerk. Die Frisur ist aber jedes Mal makellos, die blonden Haare sind perfekt gesträhnt – selbst wenn es ihr nie wichtig war, ein Schönheitsidol zu sein.

«Es war sehr schwer, diesem Bild von mir und den Erwartungen zu entsprechen. Die Leute denken immer, dass ich jeden Tag topelegant gekleidet bin, und können gar nicht glauben, dass ich sehr wohl in Jogginghose herumlaufe.» Ja ja, Jogginghose hat der Leinwandmythos wirklich gesagt. Und bei der Gartenarbeit, die sie über alles liebt, trägt sie sogar Gummistiefel. Diese Grandezza hat Imelda Marcos sicher nicht.

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