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Mädels, warum geht ihr immer zu zweit auf die Toilette?

Zeitgeist

Mädels, warum geht ihr immer zu zweit auf die Toilette?

  • Text: Sarah Lau
  • Bild: Alamy

Eine Gesellschaft im Restaurant, eine Frau muss zur Toilette – und eine andere schliesst sich ihr an. Ein oft beobachtetes Verhalten, das Männern Rätsel aufgibt. Unsere Redaktorin Sarah Lau erklärt das Phänomen.

Manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass das grosse Aufheben rund um den weiblichen Team-Toilettengang vor allem darin begründet liegt, dass Männer denken, wir würden in der intimen Atmosphäre der gekachelten Kabinen rummachen. Zumindest bei der Gattung Herren, die den Zurückkehrenden stets anzüglich grinsend ein gedehntes «Naaa, wars schön?» auftischen. Das Mysterium des kollektiven WC-Stopps erotisch aufzuladen ist vermutlich einfacher auszuhalten, als die unsexy Wahrheit zu akzeptieren: Dass auch Frauen ab und an die Blase entleeren müssen. Mal ganz abgesehen davon, dass die wenigsten Frauen öffentliche Toiletten als super Sexlocation betrachten.

Doch versuchen wir mal, das Ganze rein pragmatisch und rational aufzudröseln. Ganz rudimentär betrachtet ist die Ankündigung der Freundin, aufs WC zu gehen, oft ein Reminder, kurz die Aufmerksamkeit auf die eigenen Körperbedürfnisse zu lenken. Und auch wenn es vom Füllvolumen der Harnblase abhängt, wie oft ein Mensch aufs WC muss, so ist doch wissenschaftlich erwiesen, dass bei Männern ein vergleichsweise grösserer Druck auf die Blase nötig ist, damit sie Harndrang verspüren. Heisst konkret: Frauen haben bei der gleichen Menge an Flüssigkeit schneller das Bedürfnis, sich zu erleichtern, und entsprechend öfter nutzen sie die Gelegenheit, das stille Örtchen aufzusuchen.

Minidate mit Freundin

Dass der Gang dahin unterhaltsamer ist, wenn wir zu zweit sind, liegt für Frauen auf der Hand. Als gewiefte Multitaskerinnen sind wir nun mal darauf trainiert, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, und so begreifen wir auch diese kurze Auszeit als Gelegenheit zu einem Minidate mit der Freundin. Und ja, ganz klischee-bedienend bedeutet das auch mal ein Fachgespräch über das Zusammenspiel des neuen Lippenstifts mit der Zahnbelagsfarbe. Denn während man von Männern auf die Frage nach dem Erscheinungsbild oft nur ein standardisiertes «super» gemurmelt bekommt, darf von der Freundin eine aufmerksame wie ehrliche Antwort erwartet werden.

Vielleicht liegt das Unverständnis auch einfach nur darin begründet, dass es vielen Kerlen unmöglich ist, in Gesellschaft zu pinkeln. In Wasserlass-Hinsicht der wohl einzige anatomische Vorteil, den wir Frauen für uns verbuchen können: Uns diskret in der Schüssel versenken zu können und dabei ungeniert zu quatschen, ist der Ausgleich für alle Situationen, in denen ihr Männer ganz ohne Nasszelle einfach mal kurz zum Reissverschluss greifen könnt.

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