6 Bücher über feministische Verbundenheit und Solidarität
Wir empfehlen euch sechs Bücher für die Zeit vor und nach dem 14. Juni, damit ihr das Gefühl von Kampfgeist und Miteinander auch über den feministischen Streiktag hinaus mittragen könnt.
- Von: Darja Keller
- Bilder: Unsplash, ZVG; Collage: annabelle
Am 14. Juni finden in der ganzen Schweiz Aktionen anlässlich des feministischen Streiktags statt. Häufig fragen wir Feminist:innen uns im Vorfeld dieses Tages: Wie schaffen wir es, zusammenzustehen und uns miteinander verbunden zu fühlen – ohne so zu tun, als wären wir uns in allem einig? Wie können wir gemeinsam sexistische Strukturen bekämpfen, ohne unterschiedliche Lebensrealitäten untereinander zu leugnen?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Und doch steckt im Gefühl der Verbundenheit und Solidarität die Kraft und Energie, die es braucht, um sich überhaupt gegen Missstände zu engagieren.
Wir empfehlen euch deshalb heute sechs Bücher, Sachbücher und Romane, die über diese Verbundenheit nachdenken, ihr nachspüren oder vielleicht Antworten oder zumindest Denkanstösse liefern, wie wir sie aufrechterhalten können.
«Revolution der Verbundenheit» von Franziska Schutzbach
Knapp zwei Jahre nach Erscheinen ist dieses Buch bereits ein feministischer Klassiker: Verbundenheit, schreibt Franziska Schutzbach, sei der Schlüssel zur Veränderung und in eine feministischere Zukunft. Solidarität ist kompliziert und erfordert Arbeit – und doch handeln Frauen schon heute überall auf der Welt widerständig und solidarisch, wie Schutzbach an zahlreichen Beispielen erläutert.
Ein vielschichtiges und behutsames Buch darüber, wie wir uns gegen patriarchale Strukturen wehren und mehr Verbundenheit wagen können.
Franziska Schutzbach: «Revolution der Verbundenheit. Wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert», Droemer Knaur, 2024, ca. 38 Fr.
«Honey & Blondie» von Ubin Eoh
Ubin Eohs Debütroman erscheint Ende Juli und erzählt von zwei Freundinnen, die in den Neunzigerjahren in Berlin-Kreuzberg aufwachsen. Sie verfügen über eine Superkraft: Sie können in Situationen, in denen eine von ihnen Angst verspürt, ihre Körper tauschen. So retten sie sich gegenseitig immer wieder aus bedrohlichen Situationen.
Warmherzig und magisch erzählt Eoh von einer radikal körperlichen Form der Empathie – was wäre, wenn wir tatsächlich durch den Körper einer anderen Frau ihren Schmerz, ihre Freude, ihre Verletzlichkeit fühlen könnten?
Ubin Eoh: «Honey und Blondie», park x ullstein, 2026, ca. 35 Fr.
«Ewig Sommer» von Franziska Gänsler
Die Protagonistin dieses dystopisch anmutenden Romans arbeitet in einem Provinzhotel ohne Gäste. Um sie herum brennen seit Monaten die Wälder. Abgesehen von ihrer alten Nachbarin hat sie kaum soziale Kontakte. Dann taucht plötzlich eine Frau mit ihrer kleinen Tochter auf – und bleibt.
Es entsteht eine fragile Gemeinschaft zwischen der Protagonistin, der fremden Gästin, der Nachbarin und den Klimaaktivistinnen, deren Camp in der Nähe der brennenden Wälder bald geräumt werden soll.
Ein zarter und überraschend tröstlicher Roman über Fürsorge und Widerstand in einer immer bedrohlicheren Welt.
Franziska Gänsler: «Ewig Sommer», Kein&Aber, 2022, ca. 19 Fr.
«Echte Freundschaft» von Aminatou Sow und Ann Friedman
Aminatou Sow und Ann Friedman wurden bekannt durch ihren gemeinsamen Podcast «Call Your Girlfriend» (der von 2014 bis 2022 lief).
In diesem praktischen Ratgeber schreiben sie anhand ihrer eigenen langjährigen Freundschaft darüber, wie man als erwachsene Person tiefe Freundschaften pflegt und am Leben hält. Sie erzählen vom Aushandeln von Konflikten, vom Umgang mit Unterschieden und der Wichtigkeit davon, sich gegenseitig zu bestärken.
Für alle, die gerne über Verbundenheit abseits von romantischen Beziehungen nachdenken.
Aminatou Sow und Ann Friedman: «Echte Freundschaft. Wie wir es schaffen, einander nah zu bleiben», Atlantik Verlag, 2021, ca. 30 Fr.
«Valencia» von Michelle Tea
Der queere Kultroman ist eine chaotische Reise durch die Subkultur San Franciscos in den Neunzigerjahren, in die sich die Protagonistin Hals über Kopf hineinwirft.
«Valencia» ist messy, dreckig, klebrig – und erzählt die Geschichte einer unerschrockenen Community: Die Frauen darin tanzen, demonstrieren, schlafen und wehren sich miteinander, brechen einander das Herz, trinken Unmengen Bier, konsumieren alles, was sie in die Finger kriegen, und helfen sich gegenseitig aus misslichen Lagen.
Ein berauschender Exzess an Gemeinschaft und Chaos.
Michelle Tea: «Valencia», Serpent’s Tail, Profile Books, 2025, ca. 20 Fr.
«No grazie, non fumo» von Francesca Petrarca
Ein Beispiel für transgenerationale Solidarität und Verbundenheit ist «No grazie, non fumo» von Francesca Petrarca, die darin ihrer Nonna ein poetisches Denkmal setzt: In Bildern, Geschichten und Rezepten erzählt Buchgestalterin Petrarca vom Leben von Maria Perpetua, die in den Fünfzigerjahren allein aus Italien in die Schweiz einwandert.
Die Historikerin Flavia Grossmann ordnet die literarischen Passagen ein und wirft Schlaglichter auf die Bedeutung des Saisonnierstatuts und anderer Abgründe der Schweizer Migrationspolitik, die angesichts der bevorstehenden Abstimmungen wieder unheimlich aktuell erscheinen.
Francesca Petrarca: «No grazie, non fumo. Zwei, drei Dinge meiner nonna und ein lasagne-Rezept», Edition Clandestin, 2021, ca. 34 Fr.